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Umzug: Bahn bleibt in Berlin

Die Bahn-Zentrale wird nicht, wie von Bahn-Chef Mehdorn in die Diskussion gebracht, von Berlin nach Hamburg umziehen - einzelne Konzernbereiche können hingegen schon an die Elbe verlagert werden.

Die Konzernzentrale der Bahn bleibt in Berlin. Bahnchef Hartmut Mehdorn schloss in einem Gespräch mit Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee einen Umzug nach Hamburg aus, wie Ministeriumssprecher Dirk Inger auf Nachfrage erklärte. Dennoch hat die Deutsche Bahn die Verlagerung wesentlicher Teilbereiche von Berlin nach Hamburg nach eigenen Angaben noch nicht ad acta gelegt. "Insofern kann auch von einem Rückzieher oder einer geänderten Strategie keine Rede sein", fügte der Sprecher hinzu. Die Gespräche mit dem Hamburger Senat über eine Beteiligung der Bahn an der Hamburger Hafenbetreibergesellschaft HHLA und der Hochbahn würden fortgesetzt.

Seit Ende vergangenen Jahres hatten Berichte für Aufregung gesorgt, wonach die Bahn einen Umzug der Zentrale nicht grundsätzlich abzulehnen schien. Der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust hatte dies zur Bedingung für eine Beteiligung an dem landeseigenen Hafenbetreiber HHLA und der Hamburger Hochbahn verlangt. Die Formulierungen der Bahn-Vorstandsmitglieder waren jedoch stets so gehalten, dass auch ein Verbleiben in Berlin nicht ausgeschlossen war.

"Ein Umzug steht nicht mehr zur Debatte"

Sogar das Bundeskabinett hatte sich damit auseinander gesetzt und erklärt, ein Wegzug aus Berlin sei strukturpolitisch nicht erwünscht, aber man müsse auch die betriebswirtschaftlichen Aspekte sehen. Die Entscheidung war bislang für Mitte Februar erwartet worden. Inger sagte, Bahnchef Mehdorn habe mit Minister Tiefensee gesprochen und ihm das mitgeteilt. "Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn, hat dem Bundesverkehrsminister versichert, dass ein Umzug der Konzernzentrale nicht zur Debatte steht."

Weitere Einzelheiten teilte Inger zunächst nicht mit. Er bestätigte damit einen Bericht der "Berliner Morgenpost". Sie hatte sich auf ein Gespräch mit Mehdorn am Vorabend beim Managementforum der "Welt am Sonntag" berufen. Dabei habe Mehdorn Berichte als Missverständnis bezeichnet, die Bahn wolle im Zusammenhang mit der Beteiligung an den Landesbetrieben mit der Konzernspitze nach Hamburg ziehen.

"Zwei halbe Sachen sind keine ganze"

Die Hamburger Finanzbehörde zeigte sich überrascht von dem angeblichen Ende der Umzugspläne. "Wir haben keine Erkenntnisse, dass der Vorstand der Bahn von seiner bisherigen Linie abweicht", sagte Behördensprecher Simon Menzel. Die Finanzbehörde führt die Verhandlungen über eine Beteiligung der Bahn an der Hafengesellschaft HHLA und der Hochbahn.

Finanzsenator Wolfgang Peiner (CDU) hatte die Bahn vor wenigen Tagen als "bevorzugten Partner" bei der geplanten Veräußerung der Betriebe bezeichnet. Er könne sich derzeit nur bei der Bahn einen Verkauf von mehr als 50 Prozent der Anteile vorstellen, hatte er der "Welt" gesagt. Dies gelte allerdings nur, wenn Konzernsitz und Konzernfunktionen nach Hamburg verlegt würden.

Bei nur einem Teilumzug der Logistik-Sparte nach Hamburg lehnte Peiner ein Minderheitsbeteiligung der Bahn an der HHLA ab. Davon halte ich gar nichts. Das blockiert die HHLA in ihrer Eigenständigkeit, bringt Hamburg aber nicht den Effekt des Umzugs einer großen Konzernzentrale", sagte Peiner. "Zwei halbe Sachen sind keine ganze."

AP / AP