US-Autobauer Rekordverlust für Ford


Der schwer angeschlagene Autokonzern Ford hat 2006 wegen der geschäftlichen Misere in Nordamerika einen Rekordverlust von fast zehn Milliarden Euro verbucht. Der neue Konzernchef will das durch Entlassungen und Fabrikschließungen ändern.

Der US-Autobauer Ford hat 2006 mit 12,7 Milliarden Dollar den höchsten Verlust seiner 103-jährigen Firmengeschichte verbucht. Die europäische Sparte des Konzerns dagegen profitierte von den radikalen Werkschließungen der vergangenen Jahre und wies einen Gewinnsprung aus. Inzwischen gilt Ford Europe als Vorbild für die Sanierung der angeschlagenen US-Sparte. Der Konzern überlegt sogar, europäische Modelle in den USA anzubieten.

Erst 2009 wieder Gewinn erwartet

In der gesamten Gruppe häufte sich dagegen allein im vierten Quartal ein Fehlbetrag von fast 5,8 Milliarden Dollar an, weil Ford Abfindungen an seine ausscheidenden Mitarbeiter zahlen musste und weil in den USA spritfressende Geländewagen kaum Abnehmer fanden. Vor einem Jahr belief sich der Quartalsverlust bei dem zweitgrößten US-Autokonzern lediglich auf 74 Millionen Dollar. Auch in diesem und im kommenden Jahr rechnet Ford mit Verlusten, erst 2009 erwartet der Konzern wieder schwarze Zahlen. Dies soll durch weiteren Stellenabbau und und nicht zuletzt durch eine neue Fahrzeuggeneration gelingen.

Ford räumte zudem ein, im Heimatmarkt in diesem Jahr voraussichtlich weitere Marktanteile zu verlieren und deshalb zunächst weniger Autos produzieren zu wollen. Der Konzern will im Rahmen seines vierjährigen Sanierungsplans 16 Werke schließen und bis zu 45.000 Stellen streichen. Die Wall Street nahm die Nachrichten am Donnerstag aber positiv auf: Ford-Aktien verbuchten im Mittagshandel ein Plus von gut zwei Prozent auf 8,37 Dollar, nachdem sie zuvor noch Verluste verzeichnet hatten.

Schuld ist Konkurrenz aus Asien

Wie sein Rivale General Motors leidet Ford vor allem unter der Konkurrenz aus Asien. Die US-Giganten reagierten viel zu langsam auf die wachsende Nachfrage nach kleineren und sparsameren Autos in Zeiten hoher Benzinpreise. In den USA machte Ford im vergangenen Jahr deshalb acht Prozent weniger Umsatz. Deshalb schauen sich die Manager am Stammsitz in Detroit inzwischen die sparsameren und meist moderneren Autos aus der europäischen Ford-Produktion genau an. "Es wird eine ganze Menge geprüft," sagte dazu in Köln der Chef der Kölner Ford-Werke GmbH, Bernhard Mattes, der zugleich Vizechef für das Ersatzteilwesen in Europa ist. Es gebe aber noch keinerlei Entscheidungen, hob er hervor.

Ford geht davon aus, dass sein Marktanteil in den USA bis zum dritten Quartal weiter sinken wird, da sich der Autobauer aus dem wenig rentablen Geschäft mit Autovermietern und anderen Flottenbetreibern zurückzieht. Ford will deshalb seine Produktion im ersten Halbjahr um mehr als 15 Prozent auf 740.000 Fahrzeuge drosseln. Im zweiten Halbjahr will Ford jedoch schon wieder mehr Fahrzeuge als ein Jahr zuvor produzieren.

Keine genaue Ergebnisprognose

Eine genaue Ergebnisprognose wagt Ford schon seit einem Jahr nicht mehr. Der Konzern bekräftigte seine frühere Erwartung, dass zwischen 2007 und 2009 Barmittel von 17 Milliarden Dollar aufgezehrt werde, die Hälfte davon in diesem Jahr. Im vergangenen Monat hatte Ford erstmals in seiner Geschichte seine US-Werke beliehen, um sich mehr als 23 Milliarden Dollar zu beschaffen. Der Umsatz im vierten Quartal belief sich auf 40,3 Milliarden Dollar, ein Rückgang von sechs Milliarden. Die Autoverkäufe schrumpften auf 36 von 40,7 Milliarden Dollar.

In Europa hatte Ford im Gegensatz zum Heimatmarkt schon vor sieben Jahren mit drastischen Stellenabbau, Werksschließungen und Modelloffensiven begonnen. "Die im Jahr 2000 begonnene Transformation trägt jetzt Früchte," sagte dazu Mattes. Der Vorsteuergewinn bei Ford Europe sei auf 469 Millionen Dollar gestiegen von 73 Millionen Dollar im Jahr 2005.

Europageschäft mit steigenden Marktanteilen

In Europa habe Ford 2006 seinen Marktanteil bei Pkw auf 8,6 von 8,5 Prozent im Vorjahr gesteigert, bei Nutzfahrzeugen sei er mit elf Prozent stabil geblieben, sagte Mattes. In Deutschland allerdings schrumpfte der Pkw-Marktanteil bei einem Absatz von 235.000 Fahrzeugen auf 7,1 von 7,5 Prozent. Bei Nutzfahrzeugen kam Ford hier zu Lande mit einem Absatz von 25.100 Fahrzeugen auf einen Marktanteil von 5,3 Prozent.

Die Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland habe in den ersten Wochen des Jahres zu einer kleinen Delle beim Absatz geführt, er rechne aber nicht mit nachhaltigen Auswirkungen, sagte der Ford-Manager weiter. Der gesamte Autoabsatz in Deutschland werde 2007 mit knapp 3,8 Millionen Fahrzeugen stabil bleiben. Ford beschäftigt in Deutschland 24.000 Mitarbeiter, inklusive zweier Werke in Belgien kommt die Kölner Ford GmbH auf gut 30.000 Mitarbeiter.

DPA/Reuters DPA Reuters

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