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Verdacht auf Kreditbetrug: Porsche-Manager weist Anschuldigungen zurück

Gemeinsame Zukunft für Volkswagen und Porsche: Drei Finanzmanager der Porsche-Holding sollen wegen Kreditbetrugs vor Gericht - auch der ehemalige Finanzvorstand Holger Härter.

Wegen milliardenschweren Kreditbetrugs sollen drei hochrangige Manager der Porsche Holding auf die Anklagebank. Nach rund einjährigen Ermittlungen erhob die Staatsanwaltschaft Stuttgart am Dienstag Anklage gegen das Trio, zu dem auch der frühere Finanzvorstand Holger Härter gehört. Bei der Umschuldung eines Zehn-Milliarden-Euro-Kredits sei gegenüber einer Bank der Liquiditätsbedarf um rund 1,4 Milliarden Euro zu niedrig angegeben worden, begründete die Behörde ihre Anklage. Auch riskante Optionsgeschäfte auf Aktien des Autobauers VW, den Porsche 2009 schlucken wollte, seien verschwiegen worden. Über die Zulassung der Anklage muss nun das Landgericht Stuttgart entscheiden.

Ein Porsche-Sprecher sagte, es gelte weiterhin die Unschuldsvermutung für die Beschuldigten. "Es ist eine Anklage erhoben worden, kein Urteil ergangen", sagte der Sprecher. Die bei Gericht beantragte Anklage richtet sich außer gegen den früheren Finanzchef auch gegen zwei Abteilungsleiter im Finanzressort des Unternehmens.

Härter-Anwältin gibt sich zuversichtlich

Die Anwältin von Ex-Finanzchef Härter, der die Kreditverhandlungen mit einem Bankenkonsortium im Frühjahr 2009 geführt hatte, wies die Anschuldigungen zurück. Ihr Mandant trete den Vorwürfen "mit Nachdruck entgegen", teilte die Anwältin mit. Alle von den Banken erbetenen Auskünfte seien vollständig erteilt worden. Die Vorwürfe der Strafverfolger seien nicht ansatzweise geeignet, eine Straftat zu begründen. Härter sehe dem weiteren Verfahren daher "mit großer Gelassenheit" entgegen.

Ein Rechtsexperte habe die Methode der Staatsanwaltschaft zur Ermittlung des Liquiditätsbedarfs der Porsche Holding als "nicht tragfähig" eingestuft. Zudem habe auch die Bank nicht den Vorwurf erhoben, unrichtig informiert worden zu sein. Angaben aus Justizkreisen zufolge soll es sich um die französische Bank BNP Paribas handeln, Porsche und die Staatsanwaltschaft wollten den Namen nicht preisgeben.

Ermittlungen wegen Marktmanipulationen dauern an

Die Stuttgarter Strafverfolger sehen den Kreditbetrug gegenüber der Bank als hinreichend belegt an. Porsche habe über seine Optionsgeschäfte falsche Angaben gemacht und das finanzielle Risiko unterbewertet, das bei Ausübung aller gehaltenen Kauf- und Verkaufsoptionen entstanden wäre. Rund 45 Millionen von Porsche veräußerte Verkaufsoptionen (sogenannte Short-Put-Positionen) auf VW-Stammaktien habe das Unternehmen gegenüber dem Kreditinstitut gänzlich verschwiegen. "Wir arbeiten mit dem Institut weiterhin zusammen", sagte der Porsche-Sprecher. Kreditbetrug kann mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden.

Daneben ermittelt die Staatsanwaltschaft noch gegen das frühere Porsche-Management wegen Marktmanipulation, da Porsche mit Hilfe falscher Angaben zum Umfang seiner Optionsgeschäfte einen Kurssprung bei VW-Aktien herbeigeführt haben soll. Dabei verloren Investoren eigenen Angaben zufolge mehrere Milliarden Euro. Diese Ermittlungen, die sich gegen den früheren Vorstandschef Wendelin Wiedeking und ebenfalls gegen Finanzchef Härter richten, dauerten noch an, teilte die Behörde mit. Die Untersuchung der Vorgänge im Zusammenhang mit der missglückten Übernahme von VW sei "äußerst aufwändig und zeitintensiv". Vor Mitte des Jahres sei nicht mit einem Abschluss der Ermittlungen zu rechnen.

Wegen der sich seit 2009 hinziehenden Ermittlungen hatten Porsche und VW im vergangenen Herbst ihre per Aktientausch geplante Fusion abgesagt. Die Verschmelzung beider Unternehmen war nach dem Scheitern von Porsches Übernahmeplan im Zuge der Finanzkrise vor drei Jahren verabredet worden.

kng/DPA / DPA