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VERHANDLUNGEN: Endlich Schlichtung bei Lufthansa-Tarif

Ab 2001 soll es zwölf Prozent mehr Grundgehalt für die Piloten geben, jetzt muss die Pilotengewerkschaft das Ergebnis noch von der Basis absegnen lassen.

Im Tarifstreit um höhere Pilotengehälter bei der Lufthansa hat Schlichter Hans-Dietrich Genscher endlich den erhofften Durchbruch erreicht. Das Unternehmen und die Vereinigung Cockpit (VC) nahmen das Ergebnis der Schlichtung an. Die Pilotengewerkschaft muss die Einigung in einer erneuten Urabstimmung von ihren Mitgliedern absegnen lassen.

Zwölf Prozent mehr

Die Lufthansa-Piloten sollen laut Schlichtungsspruch 2001 zwölf Prozent mehr Grundgehalt bekommen. Hinzu kommt laut Vermittler Hans-Dietrich Genscher eine Ergebnisbeteiligung von zwei Monatsgehältern. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll drei Jahre und drei Monate betragen. In den auf 2001 folgenden Jahren der Laufzeit sollen die Bezüge im Schnitt der westdeutschen Tarifabschlüsse angehoben werden, wobei für 2002 ein weiterer Aufschlag von 2,8 Prozent vereinbart wurde.

Tarifabschluss kostet Lufthansa 2001 etwa 230 Mio

Der vereinbarte Tarifabschluss für die Flugzeugführer des Konzerns wird bei der Lufthansa mit einem dreistelligen Millionen-DM-Betrag zu Buche schlagen. Personalvorstand Stefan Lauer bezifferte am Freitag in Frankfurt die Kosten der Gehaltsanhebung allein für 2001 auf etwa 230 Millionen DM. Darin enthalten sind noch keine Rückstellungen etwa für die Altersvorsorge. Lauers Worten zufolge belaufen sich die Gehaltsanhebungen für die Piloten in diesem und im kommenden Jahr rein rechnerisch auf 14,8 Prozent. Hinzu komme die variable Vergütung von zwei Monatsgehältern für 2001, die einer Tarifanhebung von etwa 16,7 Prozent entsprechen würde.

Im Februar nahm das Unternehmen die Gespräche mit der Pilotenvereinigung Cockpit und - für das Bodenpersonal - mit den Gewerkschaften ÖTV und DAG (später ver.di) auf. Die Schlichtung hatte am 28. Mai begonnen, nachdem die Tarifgespräche für endgültig gescheitert erklärt worden waren. Cockpit hatte für die 4.200 Piloten und Copiloten zuletzt im Durchschnitt 24 Prozent mehr Gehalt und eine Ergebnisbeteiligung gefordert.

Eine Chronologie:5. Februar

Erste Sondierungsgespräche mit den Gewerkschaften ÖTV und DAG für die 50 000 in Deutschland tätigen Mitarbeiter am Boden und in den Kabinen. Zum Auftakt der Verhandlungen für die 4 200 Piloten und Copiloten fordert die Vereinigung Cockpit Gehalts- Verbesserungen von durchschnittlich mehr als 30 Prozent.

23. März

: Ein Warnstreik des Boden- und Kabinenpersonals führt zu Beeinträchtigungen des Flugverkehrs. 7 000 Passagiere sind betroffen.

24. März

: Die Lufthansa einigt sich mit der Gewerkschaft ver.di auf eine um 3,5 Prozent höhere Grundvergütung für das Boden- und Kabinenpersonal. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 14 Monaten.

28. März

: Mehr als 200 Piloten legen die Arbeit nieder. Wegen des Warnstreiks fallen mehr als 100 Flüge aus.

9. April

: Lufthansa bietet inzwischen Gehaltsverbesserungen von 10 bis 16,7 Prozent für das laufende Jahr. Cockpit bleibt bei ihren Forderungen und ruft die Piloten zur Urabstimmung auf. Ein Streik wird somit immer wahrscheinlicher.

3. Mai

: 96,2 Prozent der stimmberechtigten Cockpit-Mitglieder votieren in der Urabstimmung für einen unbefristeten Streik.

4. Mai

: Die Lufthansa-Piloten legen für zwölf Stunden die Arbeit nieder. Von 500 geplanten Flügen fallen etwa drei viertel aus, 30.000 Passagiere sind betroffen.

9. Mai

: Die Tarifverhandlungen zwischen der Lufthansa und der Vereinigung Cockpit werden erneut ausgesetzt. Die Gewerkschaft weist das neue Angebot der Lufthansa zurück, das eine Gehalts- Steigerung von 10,6 Prozent sowie eine Ergebnisbeteiligung von zwei Monatsgehältern vorsieht.

10. Mai

: Der erste ganztägige Streik der Piloten führt zu mehr als 900 Flugabsagen. 114 000 Passagiere sind betroffen.

17. Mai

: Beim zweiten ganztägigen Pilotenstreik fallen 780 Flüge aus.

22. Mai

: Piloten und Lufthansa erklären ihre Tarifgespräche für endgültig gescheitert und entschließen sich zur Schlichtung.

28. Mai

: Der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) nimmt als Schlichter die Vermittlung auf.

8. Juni

: Cockpit und Lufthansa akzeptieren Genschers Schlichtungsspruch über höhere Pilotengehälter.