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Verkehr: Kommt wieder die alte BahnCard?

Die Bahn trudelt weiter: Auch in den ersten fünf Monaten dieses Jahres fuhr Europas größter Verkehrskonzern in seiner Problemsparte tief rote Zahlen ein.

Die Deutsche Bahn kommt im Fernverkehr weiter nicht in Fahrt. Auch in den ersten fünf Monaten dieses Jahres blieb Europas größter Verkehrskonzern erneut weit unter Plan. Unterdessen erwägt die Bahn laut «Spiegel», die alte BahnCard wieder einzuführen. Die Bahn wollte sich dazu am Samstag nicht äußern. Wie am Wochenende aus Unternehmenskreisen verlautete, lag der Umsatz im Personenfernverkehr bis Ende Mai mit 1,02 Milliarden Euro um rund 262 Millionen Euro unter Plan und etwa 165 Millionen Euro unter dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Betriebsverlust betrug 231 Millionen Euro statt eines geplanten Minus von 28 Millionen Euro.

Auch Verkehrsleistungen unter Plan

Die Verkehrsleistung lag den Informationen zufolge in der Fernverkehrssparte bei 12,5 Milliarden Personenkilometern. Geplant gewesen seien dagegen 15,3 Milliarden Personenkilometer nach 13,5 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Auch bei der Pünktlichkeit habe die Bahn bisher kaum Fortschritte gemacht. Nach wie vor seien weniger als 80 Prozent der Fernverkehrszüge unpünktlich.

Rettung durch andere Sparten

Wie bereits kürzlich bekannt wurde, hat der Bahn-Konzern aber trotz anhaltender Fernverkehrs-Probleme und der Konjunkturflaute in den ersten fünf Monaten dieses Jahres dank anderer Sparten insgesamt zugelegt. So ist der Konzernumsatz um 2,3 Prozent gestiegen. Die Verkehrsleistung hat sich auf Vorjahresniveau bewegt.

Bald Nachbesserungen vorstellen

Angesichts der teils dramatischen Rückgänge im Personenfernverkehr und nach monatelanger Kritik hatte die Bahn Mitte Mai Nachbesserungen am umstrittenen Preissystem angekündigt. Bahnchef Hartmut Mehdorn und der neue Chef der Personenverkehrssparte, Karl-Friedrich Rausch, wollen an diesem Mittwoch Veränderungen vorstellen. Das berichtet auch die "Welt am Sonntag". Zuvor soll der Aufsichtsrat des bundeseigenen Unternehmens die Pläne erörtern.

Revival für alte Bahncard?

Laut «Spiegel» erwägt die Bahn, ab August die altbekannte BahnCard wieder einzuführen, die Stammkunden früher 50 Prozent Preisnachlass gewährte, schreibt das Nachrichtenmagazin weiter. Seit der Tarifreform im vergangenen Dezember gab es mit einer neuen, verbilligten BahnCard nur noch 25 Prozent Rabatt.

Ärger dauerte weiter an

Bereits am Montag will die Bahn-Gewerkschaft Transnet Alternativen zum bestehenden Preissystem der Öffentlichkeit präsentieren. Transnet-Chef Norbert Hansen, der auch stellvertretender Bahn- Aufsichtsratschef ist, legt ein Vertriebs- und Service-Konzept vor. Das neue Preissystem war Mitte Dezember vergangenen Jahres eingeführt worden. Seither sorgen vor allem die Auflagen für die Gewährung von Preisnachlässen bei Frühbuchungen sowie die neuen Bahncard-Bedingungen für Ärger. Die ebenfalls umstrittenen hohen Stornogebühren hatte die Bahn bereits wieder zurückgenommen.

Kritik angekommen?

"Mein Eindruck ist, dass die Bahn die Kritik an ihrem Preissystem verstanden hat und entsprechende Änderungen kurzfristig vornehmen wird", sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Margareta Wolf (Grüne), die im Aufsichtsrat der Bahn sitzt, der «Welt am Sonntag». Die FDP-Bahnexpertin Gudrun Kopp teilt diesen Optimismus nicht: "Die Bahn braucht ein ganz neues Grundpreissystem." Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erklärte am Samstag, mit der Weiterführung der alten Bahncard würde die Deutsche Bahn das richtige Signal setzen.

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