HOME

Volkswagen: Damit Marrakesch nach Wolfsburg kommt

Volkswagen will bei der Herstellung des Golf-Geländewagens "Marrakesch" den Verkaufspreis senken. Hierzu sollen vor allem im Stammwerk Wolfsburg Personalkosten gedrückt werden: 14.000 Stellen sind bedroht.

Europas größter Autobauer Volkswagen (VW) will die Produktionskosten in den VW-Werken bis 2008 vor allem durch Einsparungen beim Personal um einen Milliardenbetrag drücken. "Wir wollen die Produktivität in den laufenden Prozessen jährlich um sechs Prozent erhöhen", sagte Reinhard Jung, der im VW-Markenvorstand für Produktion und Logistik zuständig ist, der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Insgesamt sollten die Produktionskosten in den VW-Werken innerhalb von drei Jahren um 1,3 Milliarden Euro sinken. Ein großer Teil davon entfalle auf Personalkosten. Jung rechne mit einem "deutlichen Personalabbau". Markenchef Wolfgang Bernhard hatte das Kostensenkungsziel bis 2008 zuletzt auf mehr als eine Milliarde Euro taxiert.

Nach einem von mehreren Rechenmodellen, über die im Vorstand diskutiert werden, will VW rund 14.000 der 123.000 Arbeitsplätze in Europa über Ruhestandsregelungen und Abfindungen streichen. Es gehe aber auch um eine Senkung der Arbeitskosten pro Kopf, etwa über veränderte Arbeitszeiten und Schichtmodelle, sagte der Produktionsvorstand.

"Wir meinen es ernst"

Modellhaft für die Kostensenkungen ist für Jung der geplante Golf-Geländewagen "Marrakesch". VW-Markenchef Bernhard droht, ihn in Portugal statt in Wolfsburg zu bauen, um weitere 1000 Euro pro Fahrzeug zu sparen. "Das ist kein Kettengerassel. Wir meinen es ernst", sagte Jung. Wolfsburg sei der teuerste und komplexeste Standort von Volkswagen, weshalb dort die Stellhebel für Kostensenkungen am größten seien. Dennoch äußerte sich Jung optimistisch, dass der "Marrakesch" letztlich in dem zu schwach ausgelasteten Stammwerk in Wolfsburg gebaut werde. "Jeder weiß um die Bedeutung dieses Autos für den Standort Wolfsburg", sagte er.

Jung kündigte an, die eigenen Komponentenwerke bei künftigen Neuvergaben mit Zulieferern in den Wettbewerb treten zu lassen. "Wir werden nicht zögern, am Markt einzukaufen, wenn dies für uns wirtschaftlicher ist", sagte der Vorstand unter Verweis auf den scharfen Wettbewerb in der Zulieferbranche. Die Zeitung berichtete, Jung habe angedeutet, dass davon vor allem die VW-eigene Kunststofffertigung in Braunschweig und Wolfsburg sowie die Gießereien in Hannover und Kassel betroffen sein könnten.

Reuters / Reuters