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Volkswagen: Piëch und Winterkorn am Steuer

Gleich bei der ersten Aufsichtsratssitzung der Ära von Neu-Chef Martin Winterkorn wurde Nägel mit Köpfen gemacht: Im Zuge eines grundlegenden Konzernumbaus verlässt Markenchef Bernhard das Unternehmen. Außerdem wird es nur noch eine Premium- und eine Massensparte geben.

Der neue VW-Konzernchef Martin Winterkorn drückt aufs Tempo. Noch nicht einmal zwei Wochen nach Amtsbeginn hat er einen grundlegenden Kurswechsel bei dem Autobauer eingeleitet. Zusammen mit dem VW-Patriarchen, dem mächtigen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, nimmt Winterkorn die Zügel im Konzern fest in die Hand. Entwicklung, Produktion und Vertrieb werden wieder stärker direkt aus dem Hauptquartier in Wolfsburg gesteuert. Prominentes Opfer dieses Umbaus ist VW-Markenchef Wolfgang Bernhard. Im neuen System ist für den Sanierer kein Platz mehr - nach nicht einmal zwei Jahren bei VW tritt Bernhard ab.

Mehr Macht für Winterkorn

Bernhards Aufgabe als VW-Markenvorstand übernimmt in Personalunion Winterkorn. Bernhard war schon in dieser Woche nicht mehr zur bedeutenden Automesse in Detroit gereist, stattdessen zurrte dort die neue VW-Führungsriege den Umbau fest. Das Sagen im Konzern haben neben Winterkorn und Piëch vor allem Porsche-Chef Wendelin Wiedeking als Vertreter des größten VW-Aktionärs und Betriebsratschef Bernd Osterloh - wobei besonders ohne Piëch nichts mehr gehe, wie es in der Branche heißt.

Porsche-Miteigentümer Piëch bleibt aller Voraussicht nach auch nach der Hauptversammlung im April auf dem strategisch wichtigen Posten des VW-Aufsichtsratschefs - obwohl dies vor allem Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff (CDU) ein Dorn im Auge ist.

Doch Wulffs Einfluss bei VW schwindet immer mehr, Top-Manager Bernhard ist Ende Januar weg. Winterkorn, dessen Verhältnis zu Bernhard als unterkühlt gilt, hatte dem 46-Jährigen nach Angaben aus Branchenkreisen den Posten des Konzern-Produktionsvorstands angeboten - Bernhard habe dies aber abgelehnt, hieß es. Er habe Beschneidungen seiner bisherigen Macht nicht hinnehmen wollen.

vv

Zurück in die 90er-Jahre

Bernhard war auch ein Mann des früheren Konzernchefs Bernd Pischetsrieder, dessen unfreiwilligen Abgang besonders Piëch betrieben haben soll. Piëch war mit der Arbeit Pischetsrieders nicht mehr zufrieden. Dagegen gilt Winterkorn als enger Piëch-Vertauter.

Der frühere Audi-Chef holt zur Absicherung seiner Macht gleich eine ganze Reihe von Leuten aus der Audi-Zentrale in Ingolstadt in Top-Positionen nach Wolfsburg. So wird Audi-Produktionschef Jochem Heizmann neuer Produktionsvorstand im Konzern. Neu geschaffen wird auch das Ressort Forschung und Entwicklung, das Winterkorn in Personalunion führt.

Die Schaffung neuer Konzernvorstände bedeutet vor allem eine Zentralisierung - nach dem Motto: zurück in die 90er Jahre, in die Zeit unter Piëch als Vorstandschef. Denn die Posten, die Winterkorn nun wieder einführt, hatte sein Vorgänger Bernd Pischetsrieder abgeschafft.

Zudem löst Winterkorn die unter Pischetsrieder so zusammengefassten Markengruppen auf. Alle sieben Marken stehen künftig selbstständig nebeneinander. Bisher gibt es im Konzern zwei Markengruppen: Die Gruppe Volkswagen mit der Stammmarke VW, Skoda, Bugatti und Bentley sowie die Gruppe Audi mit Audi, Seat und Lamborghini. Mit dem erweiterten Konzernvorstand und neuen Entscheidungsgremien will Winterkorn dafür sorgen, dass mögliche Kooperationspotenziale und Einspareffekte zwischen den Marken besser genutzt werden.

"Der Konzern wird ganz klar zentralisiert, auf Winterkorn zugeschnitten und aus Salzburg geleitet", kommentierte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der FH Gelsenkirchen - in Salzburg residiert Piëch. Der Abgang Bernhards sei ein "Rückschritt" für VW. Das Sanierungstempo könnte nun gedrosselt werden.

Andreas Hoenig/DPA / DPA