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Vorführwagen: Schnäppchenmarkt bei Mercedes

Um den schleppenden Absatz anzukurbeln, dürfen Mercedes-Händler ihre Vorführwagen nun sofort verkaufen. Neben den Absatzproblemen macht der Pkw-Sparte allerdings auch ihre Führungslosigkeit zu schaffen.

Um eine schnellere Belieferung der Kunden zu sichern, sei die bisherige Verkaufssperre von drei Monaten vorübergehend aufgehoben worden, sagte ein Sprecher von Daimler-Chrysler am Montag in Stuttgart. Er bestätigte weitgehend einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", wonach Vorführwagen nun schon nach einem Tag verkauft werden dürfen. Zur Dauer dieser Absatzförderung wollte der Sprecher keine Angaben machen.

Ungeachtet des bislang schlechter als im Vorjahr laufenden Fahrzeugverkaufs geht Daimler-Chrysler weiterhin von einem Absatzplus der Tochter Mercedes-Benz aus. "Wir rechnen bei der Mercedes Car Group und bei der Marke Mercedes-Benz weltweit weiterhin mit einem leichten Absatzzuwachs zum Vorjahr", sagte der Sprecher. Im Jahr 2004 wurden weltweit 1,227 Millionen Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz, Smart und Maybach verkauft, darunter 1,074 Millionen Mercedes. "In Deutschland rechnen wir mit einem Absatz von Mercedes-Benz auf Vorjahresniveau." 2004 waren in Deutschland 338.100 Modelle der Marke mit dem Stern verkauft worden.

Derzeit hinken jedoch sowohl der weltweite Absatz wie auch das Inlandsgeschäft noch hinter den Vorjahreswerten her. Bis Ende Juli verkaufte die Mercedes Car Group weltweit 674.200 Fahrzeuge, 1,3 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Bei Mercedes-Benz beläuft sich das Minus auf 3,1 Prozent. In Deutschland liegen die Verkaufszahlen der Mercedes-Gruppe Ende Juli sogar noch 9,5 Prozent unter Vorjahr. Neue Modelle wie die kompakte B-Klasse oder der Geländewagen M-Klasse sollen für steigende Verkaufszahlen bis Jahresende sorgen.

Prominente Automanager sagen ab

Außer den Absatzproblemen macht der Mercedes-Pkw-Sparte derzeit auch ihre faktische Führungslosigkeit zu schaffen. Vor der wichtigen Branchenmesse IAA Mitte September in Frankfurt soll ein Nachfolger für den voraussichtlich auf eigenen Wunsch ausscheidenden Mercedes-Chef Eckhard Cordes gefunden sein. Der künftige DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche soll laut Presseberichten noch vor der IAA kommissarisch die Führung der Kernsparte Mercedes übernehmen, während drei prominente Automanager dem Job eine Absage erteilt haben. Anschließend könne Zetsche, der zum Jahreswechsel an die Konzernspitze vorrückt, einen Chef für Mercedes suchen, berichten das "Handelsblatt" und der "Spiegel". Ein DaimlerChrysler-Sprecher lehnte einen Kommentar ab. VW-Markenchef Wolfgang Bernhard, GM-Europa-Präsident Carl-Peter Forster und der frühere BMW-Manager und heutige Linde-Chef Wolfgang Reitzle, die alle als mögliche Mercedes-Chefs gehandelt wurden, wiesen ein Interesse zurück.

"Ich bleibe in Wolfsburg. Ich spiele nicht mit dem Gedanken, Volkswagen zu verlassen", schrieb Bernhard in einer E-Mail an VW-Führungskräfte, die der Nachrichtenagentur DPA vorliegt. Als angeblicher Anreiz für eine Rückkehr Bernhards zu seinem früheren Arbeitgeber wurde in Medienberichten unter anderem sein gutes Verhältnis zum künftigen Konzernchef Dieter Zetsche genannt, mit dem zusammen er den US-Autohersteller Chrysler durch eine radikale Sparkur saniert hatte.

Bernhard, damals bereits designierter Chef der Mercedes Car Group (Mercedes-Benz, smart), hatte Daimler-Chrysler im Frühjahr 2004 im Streit mit Konzern-Lenker Jürgen Schrempp verlassen. Schrempp hört nun zum Jahreswechsel auf. Der bisherige Mercedes-Chef Eckhard Cordes soll dem Vernehmen nach seinen Rücktritt angeboten haben, nachdem Zetsche zu Schrempps Nachfolger bestimmt wurde.

Auch der frühere Opel-Chef Forster beabsichtigt nicht, das Unternehmen zu verlassen, wie ein Sprecher von General Motors dem "Handelsblatt" sagte. Reitzle sagte dem Blatt: "Gerüchte werden auch durch ständiges Wiederholen nicht wahrer."

DPA/Reuters / DPA / Reuters