VW-Brasilien Erfolg, aber kein Sieg


Teilerfolg für die Belegschaft des größten VW-Werks in Brasilien: Der deutsche Autohersteller hat seinen Plan zur Entlassung von 1800 Mitarbeitern ausgesetzt. Doch deren Freude dürfte nicht lange währen.

Sinneswandel bei VW in Brasilien: Die Belegschaft des Werkes in Anchieta kehrte nach Gewerkschaftsangaben an die Fließbänder zurück, nachdem der Konzern ihnen zugesagt hatte, die zuvor ausgesprochenen 1800 Kündigungen zu überdenken. "Wir haben die Kündigungen ausgesetzt, um mit der Gewerkschaft über die Konditionen zu verhandeln", sagte eine Sprecherin von VW do Brasil in Sao Bernardo do Campo. Die Verhandlungen mit der Gewerkschaft über den von Volkswagen verlangten Sanierungsplan sollten am Dienstag wieder aufgenommen werden.

"Anchieta arbeitet seit Montagnachmittag wieder", sagte die Sprecherin. Die Produktion normalisiere sich. VW do Brasil betonte, am geplanten Abbau von 3600 Stellen binnen zwei Jahren über Abfindungen werde festgehalten. Der Restrukturierungsplan werde nicht aufgegeben.

Scharfe Kritik vom Staatspräsident

Aus Protest gegen die Pläne für den Arbeitsplatzabbau waren vor einer Woche die 12.000 Beschäftigten des VW-Werks in Anchieta in den Ausstand getreten. In monatelangen Verhandlungen mit der Gewerkschaft war zuvor keine Einigung über den vom Autobauer verlangten Sanierungsplan erzielt worden.

Im Zuge des Kapazitätsabbaus sollen in Brasilien 6000 der insgesamt 21.000 Stellen in mehreren VW-Werken wegfallen. Die Ankündigung des Personalabbaus ist in Brasilien ein Politikum. Im Oktober wird in dem Land gewählt. Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva war selbst einmal Gewerkschaftschef in Anchieta und hat seinen Wahlkreis in der Region. Vergangene Woche kritisierte er VW in scharfen Worten für die Stellenabbau-Pläne. Der Autobauer habe offenkundig den falschen Geschäftsplan in Brasilien, sagte er.

Kollektiv-Urlaub in drei Fabriken

In dem eskalierenden Konflikt hatte Volkswagen Ende vergangener Woche für 11.000 Beschäftigte in drei Fabriken Kollektiv-Urlaub beantragt. Mit dem Schritt sollte verhindert werden, dass bei einem längeren Ausstand in Anchieta die Beschäftigten in den anderen Werken ohne Arbeit an den Fließbändern weiter bezahlt werden müssen.

VW begründet den geplanten Personalabbau mit dem Wechselkurs des brasilianischen Real zum Euro und zum Dollar, der die Exporte aus Brasilien teuer macht. Die Kursentwicklung des Real sorgte zuletzt dafür, dass die Gewinnmargen des Kleinwagens Fox beim Export nach Europa aufgezehrt wurden. Neben dem Fox baut VW im Werk Anchieta in Sao Bernardo do Campo auch die Kleinwagen Gol und Polo überwiegend für den regionalen Markt. 40 Prozent der Gesamtproduktion werden exportiert.

Reuters Reuters

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