HOME

VW-Markenchef Bernhard: Ein Donnerhall für Ford?

Bei VW stehen die Zeichen auf Veränderung: Vorstand Bernd Pischetsrieder geht und auch Markenchef Wolfgang Bernhard soll vor dem Absprung stehen. Nur wohin? Nicht wenige trauen ihm Großes zu - in den USA.

Von Jan Boris Wintzenburg

Wolfgang Bernhard, Markenchef bei Volkswagen, ist ein begeisterungsfähiger Mensch. Einer der Dinge anpackt, sich in Projekte reinstürzt, mit vollem Einsatz, mit aller Energie. Und er ist einer, der genauso entschlossen wieder loslassen kann. Das hat er als Daimler-Manager und Mercedes-Chef für einen Tag bewiesen.

Und dieses Loslassen steht - glaubt man Menschen, die in letzter Zeit Kontakt mit ihm hatten - im Falle von VW kurz bevor. An dem Tag, an dem Audi-Chef Martin Winterkorn zum Nachfolger des vom allmächtigen Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piech aus der Führungsetage gedrängten Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder bestimmt wurde, war das "Projekt Wolfsburg" für Bernhard faktisch beendet. Was soll einer wie er, technikverliebt, jung, hyperdynamisch, unter einem wie Winterkorn denn auch tun?

Unter dem Mann aus Ingolstadt werde er nicht arbeiten

Der Audi-Mann - ebenfalls ein Techniker mit Hang zur Dramatik - wäre ihm gnadenlos auf der Nase herumgetanzt. Kaum jemand kann glauben, dass das lange gut gehen könnte. Schon vor der Entscheidung für Winterkorn soll Bernhard intern verkündet haben, unter dem Mann aus Ingolstadt werde er nicht arbeiten

Gleichzeitig ist das Interesse an seiner Sanierungsarbeit bei VW stark abgekühlt. Ferdinand Piech, der Pischetsrieder nur mit Gewerkschaftshilfe loswurde, kann einen brutalstmöglichen Kostendrücker wie Bernhard zurzeit nicht brauchen. Und Bernhard ist im Vergleich zu anderen VW-Mitarbeitern, die in jüngster Zeit bekanntlich zu tausenden den Konzern verlassen mussten, in der beneidenswerten Lage, sich seine Jobs aussuchen zu können.

Bei Daimler-Chrysler wollte man nie völlig die Rückkehr des Weggefährten von Konzernchef Dieter Zetsche in den USA ausschließen. Zumal, da Chrysler sich in jüngster Zeit mit vielen altbekannten Problemen herumschlägt: schleppender Absatz, sinkende Preise, Verluste. Schon aus Imagegründen wäre Bernhard, dem in den USA ein Ruf wie Donnerhall vorauseilt, für Chrysler ein Gewinn. Doch offiziell will man von einem "Projekt Bernhard" in Stuttgart derzeit nichts wissen.

Dafür, so heißt es, habe Bernhard seit etwa einem Jahr ein Angebot vorliegen, CEO des Autokonzerns Ford zu werden. Bill Ford, bis September selbst CEO und nun Vorsitzender des Verwaltungsrates, soll sein Angebot mehrfach bekräftigt haben. Inzwischen hat der Ex-Boeing-Manager Alan Mulally den Job übernommen, was indes nicht ausschließt, dass dem branchenfremden Mulally den Auto-Experten Bernhard zur Seite gestellt wird. Ford, der angeschlagene Traditionskonzern, hat einen Donnerhall wie Bernhard bitter nötig.