Währung Starker Euro kommt die Russen teuer zu stehen


Des einen Freud, des anderen Leid: Der steigende Wechselkurs des Euro gegenüber dem US-Dollar treibt bereits seit Wochen die Verbraucherpreise in Russland nach oben.

In vielen Restaurants und im Einzelhandel sind die Waren in so genannten Verrechnungseinheiten ausgeschildert, damit bei einem Rubelverfall nicht ständig die Preise geändert werden müssen. Seit kurzem stellen viele Kunden mit Verärgerung fest, dass nicht mehr der Dollar, sondern der teurere Euro als Verrechnungseinheit gilt.

Umstellung auf Euro

«Das ist doch fair. Wir haben es in Europa für Euro gekauft und wollen nun die Sachen ebenfalls gegen Euro verkaufen», sagt der Manager eines Bekleidungsgeschäfts im Stadtzentrum Moskaus. Der Frage, warum der Preis für die gleiche Ware noch vor wenigen Wochen an den Dollar gebunden war, weicht er allerdings aus.

Inflation geht zurück

Nach offiziellen Statistiken geht die Inflation in Russland konstant zurück. Im Januar wurde eine Teuerungsrate von 2,4 Prozent registriert, während im Vorjahresmonat die Preise um 3,1 Prozent angezogen waren. Die Inflationsrate lag 2002 bei 15,1 Prozent. Für 2003 will die Regierung die Inflation auf 12 bis 13 Prozent begrenzen. An die Zeiten nach der schweren August-Krise von 1998 denken die Russen ungern. Damals hatten sich die angesparten Rubel innerhalb einiger Monate in wertloses Papier verwandelt.

Dollar war zweite Währung

Der Dollar gilt immer noch als zweite Währung in Russland. Nach Schätzung von Experten hat die Bevölkerung umgerechnet 60 bis 80 Milliarden Dollar (55,6 bis 74,1 Mrd Euro) im Sparstrumpf. Davon entfielen vor der Einführung des Euro-Bargeldes knapp zehn Prozent auf die D-Mark. Das Vertrauen der Bevölkerung in die US-Devise ist derart stark, dass zur Zeit von einer Massenflucht in den Euro noch keine Rede ist, obwohl Dollardepositen im vergangenen Jahr in Russland Verluste brachten.

Vertrauen in Euro wächst

Nach Ansicht von Finanzexperten wird in letzter Zeit das Vertrauen der Bevölkerung Russlands auch in den Euro stärker. Immer mehr Kunden fragen in Wechselstuben nach dem «Jewro», wie die EU-Währung in Russland heißt. Von der Dollarschwäche zeugt indirekt auch die bedeutend größer gewordene Marge zwischen dem Ankaufs- und dem Verkaufspreis für die US-Devise, die mittlerweile bis zu einem Rubel (0,03 Euro) beträgt. Vor kurzem hatte die Zentralbank Russlands ihre Absicht bekundet, den Anteil der europäischen Gemeinschaftswährung an ihren Währungsreserven zu Ungunsten des Dollar beachtlich zu erhöhen.

Regierung erwägt Verbot

Russische Unternehmen wickeln die meisten Außenhandelsgeschäfte nach wie vor in Dollar ab. Waren aus dem Euro-Raum werden angesichts der erstarkenden Währung teurer. Deshalb arbeiten viele Firmen im Handel mit EU-Länder zunehmend auf Euro-Grundlage. Die Regierung erwägt, die Anwendung der berüchtigten Verrechnungseinheit gesetzlich zu verbieten. Der Rubel sei stabil genug, damit die Preise wie in jedem anderen Land mit effizienter Wirtschaft in nationaler Währung ausgeschildert würden. Aber auch dann werden die Russen ihre Verrechnungseinheiten - ob Dollar oder Euro - nach wie vor unter die Matratze stecken oder ihre Sparschweine damit stopfen, um vor eventuellen Kalamitäten auf dem heimischen Finanzmarkt gefeit zu sein.


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