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  • Russland Propagandisten: Vom Popstar bis zum Weltzerstörer

Ukrainekrieg
Vom Popstar bis zum Weltzerstörer: Das sind Putins Propagandisten

  • 23. Februar 2026
  • 21:00 Uhr
Vor dem Ukrainekrieg war Jaroslaw Dronow nur einer von vielen mehr oder weniger erfolgreichen Popsängern in Russland. Ein wirklich breites Publikum fanden seine Balladen nicht. Fast zeitgleich mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine 2022 erlebte seine Karriere einen Schub. Er sattelte um. Seine Songs sind heute eine Mischung aus Selbstüberhöhung und Nationalismus – immer nah an der metaphorischen Kriegsverherrlichung. In der Öffentlichkeit nennt er sich „Shaman“, auf seiner Bühne und im Publikum wehen russische Flaggen. Dronow ist der Prototyp eines Popstars auf Kremllinie. Und die Massen singen begeistert mit. Seine Lieder tragen Titel wie „Mein Kampf“ oder „Erheben wir uns“. Shaman liefert den Soundtrack zu Putins Krieg im Nachbarland.
Jaroslaw Dronow: Der Popstar
Vor dem Ukrainekrieg war Jaroslaw Dronow nur einer von vielen mehr oder weniger erfolgreichen Popsängern in Russland. Ein wirklich breites Publikum fanden seine Balladen nicht. Fast zeitgleich mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine 2022 erlebte seine Karriere einen Schub. Er sattelte um. Seine Songs sind heute eine Mischung aus Selbstüberhöhung und Nationalismus – immer nah an der metaphorischen Kriegsverherrlichung. In der Öffentlichkeit nennt er sich „Shaman“, auf seiner Bühne und im Publikum wehen russische Flaggen. Dronow ist der Prototyp eines Popstars auf Kremllinie. Und die Massen singen begeistert mit. Seine Lieder tragen Titel wie „Mein Kampf“ oder „Erheben wir uns“. Shaman liefert den Soundtrack zu Putins Krieg im Nachbarland.
© Alexander Zemlianichenko / AP / DPA
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Vor dem Ukrainekrieg war Jaroslaw Dronow nur einer von vielen mehr oder weniger erfolgreichen Popsängern in Russland. Ein wirklich breites Publikum fanden seine Balladen nicht. Fast zeitgleich mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine 2022 erlebte seine Karriere einen Schub. Er sattelte um. Seine Songs sind heute eine Mischung aus Selbstüberhöhung und Nationalismus – immer nah an der metaphorischen Kriegsverherrlichung. In der Öffentlichkeit nennt er sich „Shaman“, auf seiner Bühne und im Publikum wehen russische Flaggen. Dronow ist der Prototyp eines Popstars auf Kremllinie. Und die Massen singen begeistert mit. Seine Lieder tragen Titel wie „Mein Kampf“ oder „Erheben wir uns“. Shaman liefert den Soundtrack zu Putins Krieg im Nachbarland.
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Wladimir Solowjow ist der wohl prominenteste und lauteste Scharfmacher des Kreml. Seine TV-Sendung „Sonntagabend mit Wladimir Solowjow“ läuft seit 2012 im Staatsfernsehen. Eigentlich soll sie eine politische Diskussionsrunde sein. Diskutiert wird bei Solowjow aber selten. Immer wieder versteigt er sich in minutenlange Hasstiraden. Gegen die Ukraine, den Westen oder queere Menschen. Seine Gäste sind meist nicht mehr als Klatschfutter. Sie nicken fleißig, wenn der Gastgeber Lügen verbreitet oder Wahrheiten verzerrt.  Im Vergleich zu anderen Propagandisten treibt es Solowjow aber noch weiter. Er fordert immer wieder unverhohlen einen russischen Angriff auf europäische Staaten. Erst im Dezember erklärte er: „Und wieder einmal werden wir Berlin zerstören und in diese von Gott verfluchte Stadt einmarschieren müssen. Wieder einmal werden wir in Paris einmarschieren müssen. Wieder einmal werden wir Wien befreien müssen – es sei denn, die Österreicher kommen vielleicht doch noch zur Besinnung.“  Solowjows Kriegsverherrlichung geht so weit, dass er in seiner Sendung simulieren ließ, wie ein russischer Atomschlag gegen fast alle Hauptstädte Europas aussehen könnte. So radikal er auch ist, so sehr wird er vom Kreml gepusht. Kaum jemand bekommt so viel Sendezeit wie er. 2019 schaffte er es mit einer wöchentlichen Sendezeit von fast 26 Stunden sogar ins Guinnessbuch der Rekorde.  Seit 2022 steht er auf der Sanktionsliste der EU.
Noch immer tobt der Ukrainekrieg. Und noch immer steht ein Großteil Russlands hinter Wladimir Putin. Grund ist auch ein breitgefächertes Propagandanetzwerk.

Die Menge johlt, als der weiß blondierte Sänger Jaroslaw Dronow – bekannt unter dem Pseudonym Shaman – seinen Hit „Ja Russki“ („Ich bin Russe“) anstimmt. Auf der Bühne hinter Dronows Rücken wird eine riesengroße russische Fahne eingeblendet, er selbst trägt die Trikolore als Binde auf beiden Oberarmen. Unten im Publikum nahe der Stadt Sudak auf der von Russland seit 2014 annektierten ukrainischen Halbinsel Krim schwenken sie russische Flaggen und singen begeistert mit. 

Irgendwo in der Menge hält ein Kind ein Plakat hoch. „Der Sieg wird mit uns sein“ steht darauf. Es ist eine Anspielung auf den Krieg, den Russlands Präsident Wladimir Putin vor vier Jahren gegen die Ukraine befohlen hat – und der dort täglich Opfer fordert, darunter Zivilisten vom Säugling bis ins hohe Alter.

„Ich bin Russe. Ich gehe bis zum Ende. Ich bin Russe. Das Blut meines Vaters in mir. Ich bin Russe. Das ist ein Glück. Ich bin Russe. Der ganzen Welt zum Trotz“ singt derweil auf der Bühne Shaman – und das Publikum stimmt beseelt mit ein.

Karriereschub dank Krieg

Shaman ist das Paradebeispiel für eine Karriere, die durch Russlands Krieg einen Schub bekommen hat. Der 34-Jährige ist seit über zehn Jahren im Showgeschäft. Fuß fassen konnte er mit seinen Liebesliedern nicht, bis er auf Patriotismus umsattelte. Eines seiner Lieder trägt ins Deutsche übersetzt den Titel „Mein Kampf“, ein anderer Song heißt „Wstanem“ („Erheben wir uns“). Diesen veröffentlichte er einen Tag vor Kriegsbeginn.

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Das Stück, das ursprünglich dem Andenken an die sowjetischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg gewidmet war, wurde schnell zur Hymne des neuen Kriegs. Gut ein Dutzend anderer, ebenso geschäftstüchtiger Interpreten beteiligten sich an einer Alternativversion der Single – darunter altbekannte russische Schlagerstars wie Grigori Leps und Oleg Gasmanow, Sergej Lasarew, Nikolai Baskow und Nikolai Rastorgujew.

Kreml spannt Prominente für Propaganda ein

Sie alle sind Dauergäste auf den zahlreichen vom Kreml zur Unterstützung des Kriegs abgehaltenen Konzerten. Doch nicht nur Sänger haben sich für die Kremlpropaganda einspannen lassen. Auch Sportler, Schauspieler, Moderatoren und Journalisten treten mit teils haarsträubenden Botschaften bei den Massenveranstaltungen auf. 

Der Schauspieler Iwan Ochlobystin etwa, in Russland bekannt geworden mit einer Rolle als zynischer Oberarzt in einer an westliche Vorbilder angelehnten Krankenhaus-Comedyserie, rief auf dem Roten Platz in Moskau zum „Heiligen Krieg“ gegen die Ukraine und den Westen auf. 

Sein Kollege Michail Porotschenkow ließ sich schon 2014 dabei filmen, wie er aufseiten der von Moskau kontrollierten Separatisten auf dem Flughafen in Donezk mit einem Maschinengewehr in Richtung ukrainischer Positionen schoss. Dabei trug er einen Helm mit der Aufschrift „Presse“, die eigentlich dazu dienen soll, Medienvertreter von kämpfenden Soldaten abzugrenzen.

Agitationsbrigaden für die Kampfmoral

Porotschenkow gehört seit Kriegsbeginn zu den „Agitationsbrigaden“ der Kremlverwaltung. Ihre Aufgabe ist es, vor russischen Kämpfern in der Ukraine aufzutreten, um die Kampfmoral der Truppe zu heben. Finanziert wird das Ganze über das Konstrukt „Integrazija“, angeblich eine NGO, die allerdings ihr Geld von staatlichen und staatsnahen Konzernen erhält.

Über diese und andere Strukturen sind nach Informationen von Investigativjournalisten allein im Jahr 2023 umgerechnet Hunderte Millionen Euro geflossen. Das Geld dient verschiedensten PR-Maßnahmen zur Rechtfertigung der völkerrechtswidrigen Invasion. Neben Porotschenkow stehen auch etwa Rocksängerin Julia Tschitscherina oder seine Schauspielerkollegen Sergej Garmasch und Sergej Besrukow auf der Gehaltsliste der Agitationsbrigaden. 

Ironie des Schicksals: Besrukow, der in den vergangenen Jahren mit mehreren pathetischen Kriegsfilmen Kasse machte, hat zu Beginn seiner Karriere in den 1990er Jahren auch an der Satiresendung „Kukly“ („Puppen“) mitgewirkt. Dort wurden hochrangige russische Politiker auf den Arm genommen. Geschaffen hat die Sendung der Drehbuchautor Michail Schenderowitsch, der heute als Kriegsgegner und Putin-Kritiker zum ausländischen Agenten gestempelt wurde und ins Exil gehen musste.

Michalkow – von Stalin-Kritik zu Putin-Verehrung

In der Riege der Kriegspropagandisten darf Nikita Michalkow nicht fehlen. Der inzwischen 80-jährige Altmeister des sowjetischen und russischen Kinos war schon immer für seine Nähe zu den Mächtigen in Moskau bekannt. In den 1990er Jahren unterstützte er Präsident Boris Jelzin und gewann mit dem Film „Die Sonne, die uns täuscht“, einem Drama, das den Großen Terror unter Sowjetdiktator Josef Stalin kritisiert, einen Oscar für den besten fremdsprachigen Film. 

Unter Putin wandelte er sich zum glühenden Anhänger von dessen Politik. In seiner eigenen Sendung „Bessogon TV“ („Teufelsaustreiber TV“) verbreitet er Verschwörungstheorien und russische Großmachtphantasien und hetzt gegen Liberale, Minderheiten und den Westen im Allgemeinen. Den Krieg gegen die Ukraine rechtfertigte er als „Kampf gegen den Satanismus“. Im Gegenzug profitiert er von zahlreichen Prämien und lukrativen Posten. Seit Jahren ist er einer der Vertrauensleute Putins bei den Wahlen.

PR-Heirat in der besetzten Ukraine

Diesen Status hat sich bei der Präsidentenwahl 2024 auch Shaman verdient. Nebenbei wechselte er jüngst zum zweiten Mal die Ehefrau. Hatte zuvor die Produzentin Jelena Martynowa seine Karriere vorangetrieben und sein Bühnenimage geprägt, heiratete er im November 2025 Jekaterina Misulina. 

Kritiker meinen, dass auch dieser Schritt aus Karrieregründen erfolgte. Misulina ist eine der einflussreichsten Frauen Russlands. Mit ihrer aus staatsnahen Quellen finanzierten „Liga für Internetsicherheit“ macht sie Jagd auf kremlkritische Stimmen im Netz und gilt als das Gesicht für Denunziantentum in Russland. Die Trauung fand PR-trächtig in der von Moskauer Truppen besetzten Stadt Donezk im Osten der Ukraine statt.

Shaman im Rock

Der Aufstieg Shamans hat bereits Nachahmer animiert. Bekanntestes Beispiel ist die Sängerin Tatjana Kurtukowa. Sie setzt zwar im Gegensatz zum eher brutalen Stil Shamans auf die weichen Klänge russischer Volksmusik, doch auch bei ihr sind die patriotischen Untertöne nicht zu überhören – wie im derzeit sehr populären Lied „Matuschka Semlja“ („Mütterchen Erde“).

Gemeinsam traten sie bei einem Konzert zum Nationalfeiertag vor dem Kreml auf. Dorthin zieht es die 32-Jährige, die Spötter als „Shaman im Rock“ bezeichnen, offenbar stark. Dem Vernehmen nach hofft sie, irgendwann einmal Kulturministerin zu werden. Sie studiere jetzt Verwaltungswissenschaften, um den Ansprüchen eines politischen Postens zu genügen, sagte sie zumindest schon einmal im Interview.

DPA
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