Podcast „Die Lage – International“
Drohnenangriffe auf Moskau: „Putin kann die Hauptstadt nicht mehr schützen“

Ukraine-Soldaten halten eine Drohne
Soldaten aus der Ukraine beim Start einer Kampfdrohne gegen russische Stellungen nahe Charkiw vor wenigen Tagen
© Andrii Marienko / DPA

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Militärisch ist Putins Russland der Ukraine weiter deutlich überlegen. Kiews Drohnenschläge entfalten trotzdem Wirkung. Denn sie offenbaren eine Verwundbarkeit des Kreml-Chefs.

Der Drohnen-Großangriff der ukrainischen Armee auf die russische Hauptstadt Moskau zu Wochenbeginn verursachte zwar nur vergleichsweise geringen Schaden. Trotzdem hat die Attacke mit etwa 1300 Langstrecken-Drohnen Russlands Präsident Wladimir Putin nach Ansicht des Sicherheitsexperten Christian Mölling zugesetzt. „Hier geht es weniger um den materiellen als um den politischen Schaden“, sagt Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Think Tank „European Policy Center“, in der neuesten Ausgabe des stern-Podcasts „Die Lage – International“. „Die Ukrainer haben diesen Angriff über Stunden hinweg durchgeführt. Jeder in Moskau hat mitbekommen, dass da irgendetwas nicht funktioniert bei der Flugabwehr. Das zeigt Putins Verwundbarkeit. Er ist nicht mehr in der Lage, Moskau zu schützen.“

Weitere russische Angriffe auf die zivile Infrastruktur der Ukraine werden die wachsenden Fähigkeiten Kiews im Drohnenkrieg nach Möllings Ansicht nicht abschrecken. An militärischer Schlagkraft sei Russland der Ukraine weiter deutlich überlegen, „weil Drohnen einfach nicht in der Lage sind, so viel Sprengstoff zu tragen wie ballistische Raketen oder andere Systeme“, so Mölling. Teile der ukrainischen Flugabwehr funktionierten aber weiter gut, vor allem dank des Kanonenpanzers „Gepard“ aus deutscher Produktion. „Der kann aber nicht alles abschießen.“

Drohnen-Wettrüsten: Die Russen lernen genauso schnell dazu wie die Ukrainer

Den Besuch des russischen Präsidenten bei Chinas Staatspräsident Xi wertet Mölling als Zeichen für eine wachsende Verwicklung Chinas in den Ukraine-Konflikt. „Die Chinesen trainieren offensichtlich russische Streitkräfte in der Drohnenabwehr. Sie tragen zur Internationalisierung des Konflikts nicht mehr nur mit der Lieferung von Komponenten für den Drohnenbau bei, sondern auch durch die Ausbildung von Truppen.“ Die Abhängigkeit Russlands von China werde damit immer deutlicher.

Dass Russland seine Fähigkeiten in der elektronischen Kriegsführung gegen ukrainische Drohnenangriffe stetig verbessert, wird seit Wochen besonders im Baltikum deutlich. Wiederholt sind dort ukrainische Drohnen vom Kurs auf Ziele in Russland abgekommen und auf Nato-Territorium in Estland, Lettland und Litauen eingeschlagen. Nach Ansicht Möllings wird hier die Geschwindigkeit des Wettrüstens beider Seiten deutlich. „Den viel gerühmten schnellen Innovationszyklus, den die Ukrainer haben – den haben die Russen auch.“

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