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Warsteiner: Deutsches Bier schmeckt auch in Kamerun

Kamerun gilt als einer der trinkfreudigsten Staaten des Kontinents. Jetzt wird dort auch echtes deutsches Bier gebraut - mit heimischen Zutaten.

Die Schlaglöcher im Industriegebiet von Douala sind so tief, dass von Kleinwagen oft die Räder nicht mehr zu sehen sind. Laster mit riesigen Holzstämmen, aggressiv drängelnde Buschtaxis und waghalsige Mopedfahrer mit Passagieren auf dem Rücksitz versuchen, sich gegenseitig aus dem Weg zu hupen. In der schwülheißen Hafenstadt Kameruns brodelt das Leben. Wer jedoch das Gelände der Isenbeck- Brauerei betritt, findet sich in einer anderen Welt. Der Marmorboden ist frisch gewienert, die Klimaanlage lässt Besucher frösteln, an den Wänden hängen Verbotsschilder.

Bier-Zutaten kommen aus Deutschland

In der ehemals deutschen Kolonie soll demnächst echtes Warsteiner Bier gebraut werden - eine Premiere auf dem afrikanischen Kontinent. Die Zutaten kommen alle aus Deutschland, Hopfenpellets per Schiff und Frischhefe per Flugzeug. Nur das Wasser stammt aus einer kamerunischen Quelle. Die Sauerländer Brauerei feiert damit ihren Neuanfang in einem Land, das sie beinahe schon fluchtartig verlassen hätte. Diesen Erfolg hat sie vor allem dem 49 Jahre alten Ronald Baummeyer zu verdanken, der schon mehr als einen deutschen Investor in Afrika vor dem Untergang bewahrt hat.

"Eigentlich trinke ich lieber einen guten Wein", sagt der Brauereichef und lässt sich auf seinen schwarzen XXL-Ledersessel fallen, um seinen ganz privaten Wirtschaftskrimi zu erzählen. Als Warsteiner für 25 Millionen Euro die von einem Hamburger Unternehmen in Douala gebaute Brauerei übernahm, stand an deren Spitze ein kamerunischer Geschäftsmann. Der sei vor allem daran interessiert gewesen, in die eigene Tasche zu wirtschaften. "Am Ende hat er sogar noch die leeren Flaschen an die Konkurrenz verkauft", sagt Baummeyer.

Von Paderborn in Kameruner Kehlen

Schließlich schickte Warsteiner den aus Sachsen-Anhalt stammenden Baummeyer nach Zentralafrika, um nach dem Rechten zu sehen. "Es war ein richtiger Krieg", meint er. "Wir haben die Brauerei schließlich mit Polizeigewalt zurückerobert." Der ehemalige Geschäftspartner setzte sich nach Paris ab, Baummeyer begann das große Aufräumen. Seit etwa einem Jahr produziert das Unternehmen wieder, und zwar die Paderborner Lokalmarke Isenbeck.

"Deutsches Bier hat hier den besten Ruf", meint der wie ein freundlicher Bullterrier wirkende Manager. Er schätzt den Marktanteil von Isenbeck, das als "Traditionsbier seit 1769" beworben wird, auf etwa zehn Prozent. In dem teils englisch-, teils französischsprachigen Land verkaufen sich auch Guinness und Castel. Als Isenbeck in den Markt drängte, veranstaltete die Castel-Brauerei ein Gewinnspiel, bei dem Kronkorken gegen weitere Bierflaschen, Mobiltelefone oder sogar ein Auto eingetauscht werden konnten. Eine Weile lang akzeptierten Taxifahrer Flaschendeckel, die einen Bon für eine neue Flasche Bier enthielten, als eine Art Währung.

Bier gegen Korruption

In der blitzsauberen Fabrikhalle werden jährlich etwa 240.000 Hektoliter Isenbeck-Bier abgefüllt. Kamerun gilt als einer der korruptesten Staaten des Kontinents. Unter diesen Bedingungen ist die Produktion nach deutschem Reinheitsgebot nicht immer einfach. Doch Baummeyer weiß damit umzugehen. "Klar muss ich manchmal schmieren", sagte er. "Ein Stromausfall lässt sich auch mal mit einem Kasten Bier beenden."

Ulrike Koltermann/DPA / DPA