WELTWIRTSCHAFTSFORUM Bono und die Billionäre


Die Wirtschaftsbosse haben einen neuen Darling: Popstar Bono redet mit jedem, ist überall und spielt ihr moralisches Feigenblatt. Aber reicht das für seine Ziele?

Beim Weltwirtschaftsforum in New York wimmelt es vor Reichen, Mächtigen und Schönen. Doch beim Stelldichein der Wirtschaftselite stiehlt ein Mann mit Ledermantel, Sonnenbrille, und Dreitagebart Microsoft-Gründer Bill Gates, IWF-Direktor Horst Köhler und Königin Rania von Jordanien die Show. Der Popstar Bono, Sänger der Gruppe U2, hat sich zum Darling der Wirtschaftselite gemausert.

Bono ist überall

Bono mit Bill Gates, Bono mit US-Finanzminister Paul O?Neill und Bono mit der philippinischen Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo - der Popstar bewegt sich ohne Scheu unter den einflussreichen Forumteilnehmern und gehört zu den Dauergästen auf dem Podium des Weltwirtschaftsforums. Normalerweise dozieren dort nur erfolgreiche Unternehmer, steife Politiker, jede Menge Wirtschaftswissenschaftler über den Fortgang der Ökonomie.

Feigenbaltt des Gewissens

»Er ist wirklich klasse«, frohlockt der Kommunikationsdirektor des Forums, Charles McLean. »Wie er die anderen immer wieder herausfordert - herrlich.« Das Wirtschaftsforum, als Club der mächtigsten Wirtschaftsbosse in erster Reihe auf der Anklagebank der Globalisierungsgegner, sonnt sich in dem Coup, den Musiker als Gewissensstimme und Partner präsentieren zu können.

Alle verstehen sich

Bono kämpft mit Aktivisten in aller Welt seit Jahren für den Schuldenerlass für arme Länder. Diese Botschaft verbreitet er auch auf dem Wirtschaftsforum laut und stark. »Ich bin zu den Politikern gegangen, weil sie mich im Fernsehen mit dieser Botschaft nicht haben wollten«, sagt Bono, der sich dennoch als »völlig verwöhnten Popstar« bezeichnet. Die Unternehmer finden das sympathisch. »Wir müssen die Leute davon überzeugen, dass die Industrieländer sich wirklich für die Entwicklungsländer einsetzen«, sagt Bono. Damit erntet der 41-jährige warmen Applaus aus dem Unternehmerpublikum.

Gute Absichten reichen nicht

Kritiker können sich deshalb eines schalen Eindrucks nicht erwehren: »Die dicken Fische gratulieren sich gegenseitig wegen ihrer guten Absichten, während diejenigen, die sich wirklich um die Armut kümmern, draußen im Regen stehen«, meint einer mit Blick auf die Protestierer vor den Türen des noblen Waldorf-Astoria-Hotels.

Neue Mission: Afrika

Bono macht derweil mit seinen einflussreichen Freunden drinnen Eindruck. Schulter an Schulter mit Bill Gates fordert er mehr Geld für eine bessere Gesundheitsversorgung in Afrika. »Wenn man aus dem Schlamassel raus- und vom Tropf der Entwicklungshilfe loskommen will, braucht man gute Gesundheit«, sagt Bono. Mit Finanzminister O?Neill, der Bono als seinen guten Freund bezeichnet, fliegt der Musiker im März nach Afrika, um den Paradekritiker staatlicher Entwicklungshilfe von dem Segen der Dollarmillionen zu überzeugen.

Unhip, aber erfolgreich?

»Das tolle daran, mit diesen Konservativen rumzuhängen ist, dass das für uns beide total unhip ist. Der Schmerz ist beiderseits«, sagt Bono - und die Billionäre lachen gutmütig und zustimmend.


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