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Wochenmarkt - die Wirtschaftskolumne Shootout um den Euro


Das Euro-Endspiel hat begonnen. Es gibt nur noch drei Wege aus der Krise. Für Deutschland wird es in jedem Fall teuer. Ein Überblick.
Von Thomas Straubhaar

Das Euro-Endspiel hat begonnen. Drei Alternativen bleiben noch: entweder der Euro-Raum zerfällt, oder aus den Schulden einzelner Staaten werden die Schulden aller Euro-Länder, oder die EZB erteilt den Sündern Absolution, kauft deren Schulden auf und erzeugt dadurch Inflationserwartungen. Nichts anderes mehr ist möglich. Und die Politik hat die Qual der Wahl. Wobei es aus deutscher Sicht eigentlich nur noch um eine Wahl der Qual geht. Denn in jedem Falle wird es für Deutschland teuer.

Alternative 1: Zerfall des Euros

Es mag richtig sein, dass ein Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende aus deutscher Sicht langfristig vorzuziehen ist. Die entscheidende Frage lautet jedoch, ob das übrige Europa das Ende des Euro so einfach akzeptieren und zu "Business as usual" zurückkehren würde. Da bestehen doch einige Zweifel. Man lese nur die ausländische Presse, um ein aktuelles Stimmungsbild zu erhalten, wie bösartig die Urteile über und wie martialisch die Rhetorik gegen Deutschland heute bereits ausfallen. Die Nachbarn sehen jetzt schon viele ihrer alten Vorurteile gegenüber Deutschland neu bestätigt. Eher dürfte deswegen mit dem Ende des Euro in der Europäischen Union (EU) alles zusammenbrechen, was die im Kern halt nach wie vor unterschiedlichen Gesellschaften Europas zusammenhält. Nichts mehr bliebe, wie es heute ist. Nicht nur, dass deutsche Gläubiger mit dem Zerfall der gemeinsamen Währung ihre Guthaben in weiten Teilen des Euro-Raums abschreiben müssten. Auch ganz normale Geschäftsbeziehungen und Kreditverflechtungen zwischen einzelnen Unternehmen in verschiedenen europäischen Ländern wären davon betroffen.

Alternative 2: Euro-Bonds

Euro-Bonds machen aus den Schulden einzelner Länder die Schulden Deutschlands. Deshalb werden sie hierzulande strikte abgelehnt. Wenn überhaupt, darf es Hilfe nur geben, wenn als Gegenleistung ein (teilweiser) Verzicht auf finanzpolitische Autonomie erfolgt. Ein Finanzkommissar oder ein Euro-Finanzrat aus Brüssel müsste dafür sorgen, dass ein effektives Steuersystem etabliert, Steuern eingezogen, Staatsausgaben zurückgefahren und öffentliche Haushalte saniert werden. So dass wenigstens für die lange Frist eine Chance besteht, dass die überschuldeten Euro-Länder der eigendynamischen Schuldenfalle entfliehen können, und ein Abbau der Schuldenberge möglich wird. Die von Deutschland ins Spiel gebrachten "Elite-Bonds" dienen genau dem Zweck. Sie sollen Kontrolle und Sanktionen verlässlich und verbindlich absichern. Aber sie ändern faktisch nichts daran, dass die Kosten an Deutschland hängen bleiben, selbst wenn Frankreich, Finnland, die Niederlande, Luxemburg und Österreich mit in Haftung genommen werden.

Alternative 3: EZB-Bazooka

Bleibt ein Aufkauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB). Die EZB soll den überschuldeten Euro-Staaten zu günstigen Zinskonditionen jenes Geld geben, das auf privaten Kapitalmärkten nicht mehr zu haben ist. Damit würde die Euro-Krise sofort ihr Ende finden. Denn mit dem Versprechen der EZB, notfalls die Kapitalmärkte mit EZB-Krediten zu fluten, wäre eines klar: Kein Euro-Land kann mehr Pleite gehen. Der Aufkauf von Staatsanleihen ist die letzte und zugleich stärkste Waffe der EZB und ihr Einsatz wäre über Nacht möglich. Das Risiko liegt jedoch in den Inflationserwartungen, die durch einen Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB geweckt werden. Diese langfristigen Folgekosten sind es, die den Deutschen verunmöglichen, den kurzfristig einfachen Einsatz der EZB-Bazooka zu wählen.

Ein Kompromiss: Euro-Bonds des EFSF

Vielleicht könnte ein Mittelweg die richtige Lösung sein. Euro-Bonds sollten nationale Staatsanleihen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Und sie müssten nicht von einer neuen Schuldenagentur, sondern vom gemeinsamen Rettungsfonds (EFSF) emittiert werden. Der EFSF holt sich das Geld nicht (nur) über "Elite-Bonds" bei den starken Euro-Ländern und reicht es gegen strenge Auflagen und glaubwürdige Sanktionen an Krisenstaaten weiter. Zur Not sollte er die Möglichkeit haben, direkt bei der EZB kostengünstig neues Geld ausleihen zu können. So wäre er in der Lage, mit dem neu eingesammelten Geld die heutzutage mit hohen Abschlägen auf den Sekundärmärkten gehandelten Staatsanleihen der überschuldeten Euro-Länder günstig zu kaufen. Damit käme es zu einem Schuldenschnitt mit einer über Märkte gesteuerten und damit vollständig freiwilligen Beteiligung privater Gläubiger. Das wäre zumindest ein rascher Anfang auf einem immer noch langen Weg zu einer nachhaltigen Sanierung der Staatshaushalte in den überschuldeten Euro-Ländern.


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