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Zusammenschluss von Deutscher Börse und NYSE: EU untersagt Mega-Fusion

Aus der Börsenehe zwischen Frankfurt und New York wird nichts. Fast genau ein Jahr nach der Ankündigung der Milliarden-Fusion schiebt Brüssel einen Riegel vor. Die Zugeständnisse von Deutscher Börse und New York Stock Exchange reichen nicht.

Die milliardenschwere Fusion der Deutschen Börse mit der New Yorker Nyse ist geplatzt. Die EU-Kommission untersagte am Mittwoch den Zusammenschluss zum weltgrößten Börsenbetreiber. Trotz Zugeständnissen der Unternehmen sei die EU zu der Einschätzung gelangt, "der Zusammenschluss behindere in erheblichem Maß effektiven Wettbewerb und hat den Zusammenschluss als mit dem gemeinsamen Markt für nicht vereinbar erklärt", teilte die Deutsche Börse mit.

Die Ablehnung war erwartet worden, nachdem EU-Kommissare zuletzt Bedenken gegen eine Fusion geäußert hatten. Ihnen ist die dominante Stellung der beiden Unternehmen im Derivate-Geschäft an europäischen Börsen ein Dorn im Auge.

Deutsche Börse und Nyse Euronext hatten die Megafusion vor knapp einem Jahr angekündigt und bis zuletzt für die weltgrößte Superbörse geworben. Sie wollten einen neuen "Champion" schaffen, der es mit Konkurrenten aus Amerika und Asien aufnehmen kann. Mitarbeiter und Politiker fürchteten dagegen, dass es zu einem Ausverkauf des Finanzplatzes Frankfurt kommen könnte. Auch die hessische Landesregierung hatte signalisiert, als Börsenaufsicht der Vereinigung nicht zustimmen zu wollen.

Fusionsvereinbarung wird aufgelöst

Nach dem Veto der EU-Wettbewerbshüter will die US-Börse die Fusionsvereinbarung auflösen. "Die Unternehmen diskutieren darüber, ihre Fusionsvereinbarung zu beenden", erklärte die NYSE am Mittwoch. Die transatlantische Börse werde nun ihr Aktienrückkaufprogramm wieder aufnehmen und ihr Derivategeschäft ausbauen.

Für Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni ist es bereits die dritte gescheiterte Fusion in den letzten fünf Jahren. Sein Konzern muss sich nun auf absehbare Zeit alleine im weltweiten Wettbewerb behaupten. Andere große Transaktionen und eine grundlegende Konsolidierung der Börsenlandschaft, wie sie von vielen Branchenvertretern Anfang 2011 ausgerufen wurde, wird es nach Ansicht von Experten nun vorerst nicht geben.

Deutsche-Börse-Aktien geben nach

Das endgültige Nein der EU-Kommission hat die Aktien der Deutschen Börse am Mittwoch belastet. Die Papiere gaben Gewinne ab und notierten kurzzeitig sogar 0,1 Prozent im Minus bei 44,98 Euro. Die in Paris gelisteten Titel der Nyse wurden bei einem Minus von 1,5 Prozent vom Handel ausgesetzt.

kng/Reuters/DPA / DPA / Reuters