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Zypern: Die ungelösten Probleme bleiben

Auch nach dem EU-Beitritt Zyperns hat sich nichts geändert: Während der griechische Süden wirtschaftlich blüht, leidet der international nicht anerkannte türkische Norden unter den Folgen seiner seit 1974 andauernden Isolation.

Ein Jahr nach dem Beitritt Zyperns zur Europäischen Union beschäftigen die rund 900.000 Einwohner der geteilten Insel noch die selben Probleme, vor denen sie bereits vor dem 1. Mai 2004 standen. Nach dem Scheitern des UN-Plans zur Überwindung der Teilung am griechisch-zyprischen "Nein" im April 2004 herrscht weiterhin ein höchst unterschiedliches Bild in den zwei Teilen der drittgrößten Mittelmeerinsel: Während der griechische Süden wirtschaftlich blüht, leidet der international nicht anerkannte türkische Norden unter dem ungelösten Problem seiner seit 1974 andauernden Isolation. Das Problem Zyperns ist, anders als bei den meisten anderen EU-Neulingen, vor allem ein politisches und kein wirtschaftliches.

Bisher keine Hoffnung auf Öffnugn der Häfen

So verhandeln die zuständigen Behörden in Brüssel seit Monaten erfolglos mit der griechisch-zyprischen Führung über die Möglichkeit einer Öffnung der Häfen des Nordens für den direkten Handel. Der griechisch-zyprische Präsident Tassos Papadopoulos besteht aber darauf, das alle Transaktionen über die international anerkannten Behörden der Republik Zypern im Süden abgewickelt werden. "Würden wir den Direkthandel mit dem Norden erlauben, würden wir politischen Selbstmord begehen, indem wir selbst die so genannte Türkische Republik im Norden anerkennen," betont ein dem Präsidenten nahe stehender Diplomat. Formell ist ganz Zypern am 1. Mai 2004 der EU beigetreten. Das EU-Recht gilt jedoch, bis diese Frage gelöst ist, nur im griechischen Süden.

Das Einkommen im südlichen Teil der Insel beträgt inzwischen rund 80 Prozent des Durchschnittseinkommens der 15 alten EU-Staaten. "Wir haben in den vergangenen Jahren mit Erfolg eine Reihe von Reformen und Modernisierungen durchgeführt. Daher haben wir ein hohes Einkommen und eine makroökonomische Stabilität," betont der Gouverneur der zyprischen Zentralbank, Christodoulos Christodoulou. Das Wachstum habe im Süden im vergangenen Jahr 3,7 Prozent erreicht, das Defizit sank von 6,3 Prozent im Jahr 2003 auf 4,2 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt.

Süden ist Beschäftigungs-Paradies

Die Inselhälfte ist darüber hinaus ein "Beschäftigungs-Paradies": Die Arbeitslosenquote lag im Januar diesen Jahres bei unter 2,5 Prozent, berichtet das zyprische Statistikamt. Im türkischen Norden dagegen ist jeder vierte ohne Job. Tausende türkische Zyprer pendeln täglich zur Arbeit in den griechischen Süden.

Hier befürchtet man für den Fall einer Wiedervereinigung mit dem Norden negative wirtschaftliche Folgen. Auf der Mittelmeerinsel macht das Wort vom "BRD-DDR-Effekt" die Runde. "Wir fürchten uns vor dem, was die Deutschen seit mehr als 15 Jahren nach ihrer Wiedervereinigung erleben," sagt der zyprische Volkswirt Andreas Stylianou. Die zyprische Zentralbank hatte ausgerechnet, dass die Wirtschaft Zyperns um Jahre zurückgeworfen würde, träte der UN-Plan zur Überwindung der Teilung der Insel in Kraft. "Die Lösung würde wirtschaftlich problematisch und nicht überlebensfähig sein," meint Zentralbankchef Christodoulou. Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass das Staatsdefizit auf 11 Prozent steigen würde.

EU soll türkischen Norden finanziell stützen

Die Zyprer hoffen dennoch, dass in den nächsten Monaten eine neue Runde unter UN-Schirmherrschaft zur Überwindung der Teilung beginnen kann. "Und wir hoffen, dass die Internationale Gemeinschaft dann eine großzügige Hilfe besonders an die türkischen Zyprer gibt, damit die Konsequenzen der Wiedervereinigung gedämpft werden," meint Christodoulou.

Takis Tsafos/DPA / DPA