morgenstern "Riesige Armada auf dem Weg": Die Gefahr einer neuen Eskalation im Iran wächst

Kampfjets auf dem US-Flugzeugträger Abraham Lincoln: Eine "riesige Armada" sei unterwegs Richtung Iran, sagte US-Präsident Trump
Kampfjets auf dem US-Flugzeugträger Abraham Lincoln: Eine "riesige Armada" sei unterwegs Richtung Iran, sagte US-Präsident Trump
© Imago Images
Donald Trump erwägt offenbar Großangriff auf den Iran. Außerdem: Der "Boss" veröffentlicht ICE-Protestsong. Und: Wieviel Schuld trägt die Wirtschaftsministerin an der aktuellen Lage?

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

seit vier Wochen ist der Iran wieder international in den Schlagzeilen. Traurige Bilder und Nachrichten gehen um die Welt, von Menschen, die gegen die Mullah-Herrscher auf die Straße gehen. Und dem Sicherheitsapparat eines Regimes, das skrupellos dagegen vorgeht. 

Mit beispielloser Brutalität schlugen iranische Sicherheitskräfte Proteste nieder, schossen laut Berichten gezielt auf Köpfe und Oberkörper von Demonstrierenden. Die US-Organisation HRANA hat bislang 6373 Todesfälle im Zuge der Proteste verifiziert, prüft mehr als 17.000 weitere Fälle. Das "Time Magazine" berichtet unter Berufung auf zwei hochrangige Mitarbeiter des iranischen Gesundheitsministeriums von bis zu 30.000 Toten.

Donald Trump drohte dem Regime – und tut es jetzt erneut, so deutlich wie nie zuvor. Laut US-Medien erwägt der Präsident einen Großangriff. Wie nah ist eine erneute Eskalation im Iran?

Donald Trump: "Riesige Armada auf dem Weg in den Iran"

"Eine riesige Armada ist auf dem Weg in den Iran", schrieb US-Präsident Trump auf seiner Plattform "Truth Social". Sie bewege sich "schnell, mit großer Kraft, Entschlossenheit und Zielstrebigkeit". Die Flotte, angeführt vom Flugzeugträger Abraham Lincoln, sei wie im Falle Venezuelas "bereit, willens und in der Lage, ihre Mission mit Geschwindigkeit und – falls nötig – mit Gewalt zu erfüllen".

Er hoffe, dass der Iran bald an den Verhandlungstisch komme. "Keine Atomwaffen", schrieb Trump in Großbuchstaben. Die Zeit laufe ab.  Er erinnerte an die "Operation Midnight Hammer" – den US-Luftangriff auf iranische Atomanlagen im Sommer vergangenen Jahres. Und er drohte: "Der nächste Angriff wird weit schlimmer sein!"

Bemerkenswert: Um die Demonstranten geht es in den jüngsten Äußerungen des US-Präsidenten nicht mehr. Mitte des Monats rief Trump die Iraner noch zum Umsturz auf, "Iranische Patrioten, protestiert weiter! Übernehmt eure Institutionen!", schrieb er. Hilfe sei unterwegs.

Doch die Hilfe für die Demonstranten blieb aus. Jetzt ändert das Weiße Haus also seine Argumentationslinie: Zentral ist nun (wieder) das iranische Atomprogramm. Das ist kein Zufall: Ziel der USA im Iran sei "nicht ein Regimewechsel im klassischen Sinne", analysierte die britische Denkfabrik "Chatman House" bereits Mitte Januar, "sondern eine strategische Unterwerfung, die die iranische Führung dazu zwingt, dauerhafte Beschränkungen ihrer nuklearen Ambitionen, eine eingeschränkte regionale Rolle und die Realität zu akzeptieren, dass die USA bereit sind, abrupt zu eskalieren, wenn ihre roten Linien überschritten werden."

Trump erwägt offenbar Luftangriffe auf Regime-Führung

Sind diese roten Linien nun überschritten? Laut CNN erwägt Trump einen neuen Großangriff auf den Iran, nachdem erste Gespräche zwischen Washington und Teheran über eine Begrenzung des iranischen Atomprogramms und der Produktion ballistischer Raketen keine Fortschritte erzielt haben. Trump denke über US-Luftangriffe auf die iranische Führung und die für die Tötungen mutmaßlich verantwortlichen Sicherheitsbeamten nach. Ebenfalls würden Angriffe auf iranische Atomanlagen und Regierungsinstitutionen erwogen. Eine Entscheidung stehe aber noch aus.

Irans Führung reagierte auf Trumps jüngste öffentliche Äußerungen: Sie erklärte, sie werde sich im Ernstfall "wie nie zuvor" verteidigen.

Die EU unternimmt derweil Schritte in Richtung neuer Sanktionen: Die Außenminister wollen diese heute bei einem Treffen in Brüssel beschließen. Außerdem könnten die iranischen Revolutionsgarden jetzt als Terrororganisation gelistet werden, nachdem Frankreich seinen Widerstand dagegen aufgegeben hat.

Der "Boss" singt über "König Trumps Privatarmee" – und fordert Widerstand

Bruce Springsteen ist einer der lautesten Trump-Kritiker in den USA. Bei öffentlichen Auftritten wählt die Rocklegende immer wieder deutliche Worte. Beim Konzert in Berlin im vergangenen Sommer sagte Springsteen etwa, die USA seien "aktuell in den Händen einer korrupten, inkompetenten und verlogenen Regierung", die keine Vorstellung davon habe, was es heißt, "zutiefst amerikanisch zu sein".

Wiederholt zeigte Springsteen in Interviews seine Haltung, im Wahlkampf unterstützte er Hilary Clinton, Joe Biden und Kamala Harris und bezog dabei immer wieder Stellung gegen Trump.

Dem gefiel das freilich so gar nicht.Trump bezeichnete Springsteen wahlweise als "widerlichen Mistkerl" oder als "Trottel, der seinen Mund halten sollte".

Den "Boss", wie Springsteen von seinen Fans genannt wird, grämt das nicht – er haut munter weiter raus. Jetzt hat er einen Protestsong gegen die Einsätze von "König Trumps Privatarmee" in Minneapolis veröffentlicht. Der 76-Jährige erinnert an die Opfer der ICE-Einsätze – und ruft zum Widerstand auf:

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Stefan Düsterhöft

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