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ALTER: »Riester-Rente« verlangt Eigeninitiative

Seit Jahresanfang können Verbraucher unter genau 3.461 Riester-Produkten auswählen. Dennoch sollten erste Vergleiche der Konsumentenschützer abgewartet werden.

Nach der Euro-Einführung steht nun die »Riester-Rente« auf der Tagesordnung. Gemäß dem neuen Altersvermögensgesetz (AVmG) zahlt der Staat Zulagen und gewährt Steuervergünstigungen für die private Altersvorsorge. Wer diese Förderung ab 2003 in Anspruch nehmen will, muss bis Ende 2002 einen Versicherungsvertrag abgeschlossen haben, meldet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Riesige Auswahl

Genau 3.461 Produkte von Versicherungen und Geldinstituten sind vom Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen in Köln zum Jahresende 2001 zertifiziert worden und damit förderfähig, so Behördensprecher Michael Trommeshauser. Darunter sind vor allem Altersvorsorgeversicherungen, Banksparpläne und Aktienfondssparpläne. Hinzu kommen Modelle der betrieblichen Altersvorsorge in Form von Direktversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds.

Vergleiche abwarten

»Man sollte abwarten, bis im Mai die ersten Vergleiche der einzelnen Produkte vorliegen«, empfiehlt Wolfgang Scholl vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Berlin. Bis Juli werden die Verbraucherschützer auch die betrieblichen Altersvorsorgemodelle unter die Lupe nehmen: Der entscheidende Zeitraum für den Abschluss eines Vertrages liegt also zwischen Juli und Dezember, so Scholl.

Wer bekommt was?

In Frage kommt eine Förderung nur für Arbeitnehmer in privaten Unternehmen sowie sozialversicherungspflichtige Landwirte und Selbstständige. Das Geld, das ein Arbeitnehmer vom Staat erhält, setzt sich dem Altersvermögensgesetz zufolge aus einer Grundzulage von jährlich 38 Euro (74,32 Mark) sowie einer Kinderzulage von 46 Euro (89,97 Mark) pro Kind zusammen. Wer die volle Zulage bekommen will, muss 2003 ein Prozent seines Vorjahreseinkommens in die neue Altersvorsorge einzahlen, sagt Scholl: »Bis 2008 steigt der Satz dann stufenweise auf vier Prozent.« Von diesem Zeitpunkt an beträgt auch die Grundzulage 154 Euro (301,20 Mark), pro Kind kommen 185 Euro (361,83 Mark) hinzu.

Hohe Förderanteile für Eltern

Nach Berechnungen des GDV kommt ein allein stehender Versicherter ohne Kinder mit einem Jahreseinkommen von rund 25.565 Euro (50 000 Mark) im Jahr 2008 bei einer Sparleistung von 1.022 Euro (2.000 Mark) auf einen Förderanteil von 28 Prozent. Ein doppelt verdienendes Ehepaar mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von 51.130 Euro (100.000 Mark) kommt dagegen auf 33 Prozent, Geringverdiener mit einem oder zwei Kindern kommen sogar auf bis zu 80 Prozent Förderanteil.

Kinderlose fahren anders besser

Gut verdienende allein Stehende fahren daher möglicherweise besser, wenn sie eine andere Form der Altersvorsorge wählen, gibt Scholl zu bedenken. So ist das eingezahlte Geld bis zum 60. Lebensjahr fest angelegt.

Zusatzversorgung unumstritten

Die Notwendigkeit einer privaten Zusatzversorgung wird von kaum jemandem bestritten. Nach Zahlen des Bundesarbeitsministeriums stehen gegenwärtig einem Über-60-Jährigen drei jüngere Menschen gegenüber. Im Jahr 2030 werden es jedoch nur höchstens zwei sein, die aus ihren Sozialversicherungsbeiträgen einen Rentner finanzieren müssen - für die gesetzliche Rente sollen dann statt bisher 19,1 Prozent bis zu 22 Prozent des Bruttolohnes einbehalten werden.

Lücke schliessen

Die dann immer noch drohende Lücke soll durch das Modell der zusätzlichen Privatrente geschlossen werden. So erhält laut Michael Gaedicke vom GDV ein Rentner, der mit 30 Jahren einen Vertrag abgeschlossen hat und rund 30.000 Euro (58.675 Mark) im Jahr verdient, später mindestens eine Zusatzrente von 305 Euro (596 Mark) im Monat, eine Frau 264 Euro (516 Mark).