Arzneimittel Lieber billig als vertraut


Als Folge des Arzneimittelsparpakets der Bundesregierung müssen sich etliche Patienten auf eine Umstellung ihrer Medikamente einrichten: Ärzte sollen ihnen nicht mehr vertraute, sondern billige Präparate verschreiben.

Ärzte sollten überzeugt werden, Kranke wo immer möglich mit bewährten günstigen Mitteln zu versorgen, erklärte Gesundheits-Staatssekretär Klaus Theo Schröder. Die Proteste der Ärzte gegen die geplante Regelung, wonach bei zu teuren Verschreibungen Honorarkürzungen drohen, wies Schröder zurück. Er verteidigte die in dem Gesetzentwurf vorgesehene "Bonus-Malus-Regelung" als transparent und zielgerichtet. Demnach soll für häufige Krankheiten festgestellt werden, was die von Fachleuten empfohlene Arzneimittelversorgung im Schnitt pro Tag kostet. Daran sollen die Mediziner ihr Verordnungsverhalten ausrichten. Wird die Summe erheblich überschritten, werden die Ärzte finanziell zur Verantwortung gezogen.

Das Arzneimittelsparpaket soll zum 1. April 2006 in Kraft treten und nächstes Jahr eine Ersparnis von insgesamt einer Milliarde Euro bringen. Vorgesehen ist unter anderem, die Arzneimittelpreise einzufrieren. Bei Nachahmerprodukten (Generika) sollen Nachlässe vorgeschrieben und Naturalrabatte verboten werden. Die Bonus-Malus-Regelung soll im Lauf des Jahres umgesetzt werden und wird wahrscheinlich erst 2007 greifen.

Schröder nannte das Beispiel Bluthochdruck: Dieser kann mit den bewährten ACE-Hemmern behandelt werden, die seit 15 Jahren auf dem Markt sind, oder aber mit den neueren Sartanen. Diese sind aber drei Mal so teuer. Nach Studien bringen sie außerdem nur 15 Prozent der Patienten Vorteile, die sie dann aber auch bekommen sollen. Tatsächlich würden sie aber viel häufiger eingesetzt, weil Ärzte dazu tendierten, generell neue Arzneien zu verschreiben.

Medikamente teurer als Arzthonorare

Teurere Medikamente bringen laut Schröder aber nur in ganz spezifischen Fällen Verbesserungen für die Patienten. Schröder erinnerte daran, dass in diesem Jahr die Arzneimittelkosten mit einem erwarteten Plus von 16 Prozent oder 3,5 Milliarden Euro aus dem Ruder laufen. Dort, wo es ohne negative Folgen für Patienten möglich sei, müssten sie eingedämmt werden.

Mit etwa 23,4 Milliarden Euro werde in diesem Jahr deutlich mehr für Arzneien ausgegeben als für alle ärztlichen Honorare zusammen. Mit Blick auf mögliche Widerstände von Patienten, sich von einem vertrauten und verträglichen Medikament auf ein anderes umstellen zu lassen, riet Schröder den Ärzten zu eingehender Information. Beratung sei ohnehin das Wichtigste, um die Patienten zu überzeugen, ihre Tabletten auch wirklich zu nehmen.

AP AP

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