Blaumacher BKK veröffentlicht Liste mit "auffällig gewordenen" Ärzten


Die Betriebskrankenkasse Hamburg (BKK) hat eine Liste mit Arztpraxen, die angeblich "auffallend häufig" krankschreiben, an mehr als 2.000 Hamburger Unternehmen geschickt.

Die BKK will damit auffällige Ärzte identifizieren, um Schaden von den Versicherten abzuwenden. Die BBK Berlin kündigte eine ähnliche Maßnahme an. Beide Kassen wollen im Sommer fusionieren. Die Kassenärztliche Vereinigung in Hamburg kritisierte indes die Liste scharf und kündigte rechtliche Schritte an. Die Hamburger Gesundheitsbehörde forderte die BKK zu einer Stellungnahme bis kommenden Montag auf. Mehrere Mediziner wollen gegen die Kasse klagen.

"Juristisch einwandfrei"

Die BBK Hamburg verteidigte die umstrittene Liste. Jedes Jahr würden Milliarden für ungerechtfertigte Krankschreibungen ausgegeben, sagte BKK-Vorstand Herbert Schulz. Juristisch sei das Rundschreiben einwandfrei gewesen.

Unternehmen sollen "Blaumacher" melden

Hauptstreitpunkt ist, ob die Veröffentlichung der Ärztenamen gegen Datenschutzbestimmungen verstößt. Die BKK hatte in einem Rundschreiben Unternehmen dazu aufgefordert, Mitarbeiter zu melden, die sich zu häufig krankmelden. Die Liste der zehn Arztpraxen war dem Schreiben beigelegt. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg standen auf der Liste vor allem Chirurgen.

BKK droht Sammelklage

Die zehn aufgelisteten Mediziner wollen die BKK nun verklagen. "Wir streben eine Sammelklage an", zitiert die Tageszeitung «Die Welt» (Samstag) einen der betroffenen Ärzte. Geprüft werden solle auch, inwieweit Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden können. Der Präsident der Ärztekammer Hamburg, Michael Reusch, sagte: "Hamburger Ärzte werden hier in ehrverletzender Weise diffamiert". Vor allem Datenschutzbestimmungen würden "in eklatanter Weise" verletzt.

Auch BKK Berlin zieht mit

Auch die BKK Berlin kündigte inzwischen an, eine Liste mit durch häufiges Krankschreiben auffällig gewordenen Arztpraxen in Berlin zu veröffentlichen. Das sagte ihr Vorstand Jochem Schulz am Freitag.


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