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Gesundheit: Befreiung von Medikamenten-Zuzahlung

Versicherte der GKV werden in der Regel zusätzlich zur Kasse gebeten. Zwar müssen sie nicht wie die Privatversicherten das Geld für ihre Medikamente komplett auslegen, Zuzahlungen sind jedoch an der Tagesordnung.

Versicherte der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) werden in der Regel zusätzlich zur Kasse gebeten. Zwar müssen sie nicht wie die Privatversicherten das Geld für ihre Medikamente komplett auslegen, Zuzahlungen sind jedoch an der Tagesordnung. Unter bestimmten Voraussetzungen können sich GKV-Versicherte nun von diesen Kosten befreien lassen.

Aktuelle Zuzahlungen

Für jedes vom Arzt verschriebene Arzneimittel müssen derzeit je nach Packungsgröße acht, neun und zehn Mark zugezahlt werden, bei Verbandmitteln sind es jeweils acht Mark. Fahrtkosten zu stationären Behandlungen und zurück schlagen mit einem Kostenanteil von 25 Mark pro Fahrt zu Buche, ebenso Transporte mit dem Rettungs- oder Krankenwagen. Für Massagen fällt eine Eigenbeteiligung von 15 Prozent der Kosten an. Während eines Krankenhausaufenthaltes muss der Patient in den ersten zwei Wochen 17 Mark pro Behandlungstag zahlen, bei Kuren und Rehabilitationsmaßnahmen sind es generell 17 Mark täglich, heißt es beim Bundesverband der Betriebskrankenkasse (BKK) in Essen.

Härtefallregelung

Wenn der Patient an einer chronischen Krankheit leidet oder nur über ein geringes Einkommen verfügt, können all diese Zuzahlungen das Haushaltsbudget erheblich belasten. Um Betroffene vor finanzieller Überforderung zu schützen, hat der Gesetzgeber deshalb so genannte Härtefallregelungen vorgesehen: »Bestimmte Personengruppen sind von der Zuzahlung generell befreit, zum Beispiel Kinder unter 18 Jahren, Bezieher von Sozialhilfe, Arbeitslosenhilfe oder BaföG sowie Frauen mit Schwangerschaftsbeschwerden«, erklärt Sabine Strüder, Referentin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz.

Befreiung bei Mindesteinkommen

Von den Zuzahlungen befreien lassen können sich aber auch Versicherte, deren Einkommen eine bestimmte Grenze nicht übersteigt. Diese Grenzen werden jedes Jahr neu festgelegt. Seit Januar 2001 liegen sie für allein Stehende bei 1.792 Mark monatlich. Ehepaare oder allein Erziehende mit einem Kind dürfen ein Einkommen von 2.464 Mark monatlich nicht überschreiten, um befreit werden zu können. Bei zwei Kindern sind es 2.912 Mark, bei drei Kindern 3.360 Mark. Mit jedem weiteren Kind erhöht sich die Einkommensgrenze um 448 Mark im Monat.

Belege sammeln

Doch auch Versicherte, deren Einkommen oberhalb dieser Grenzen liegt, sollten ihre Belege über Zuzahlungen sammeln, empfiehlt Frank Meiners von der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) in Hamburg. »Auch dieser Personenkreis bekommt Eigenleistungen auf Antrag von der Krankenkasse erstattet, wenn die Ausgaben die so genannte Überforderungsklausel überschreiten.« Diese Grenze beträgt zwei Prozent des Gesamteinkommens aller im Haushalt lebenden Familienangehörigen pro Kalenderjahr. Beträgt das Haushaltseinkommen 60.000 Mark im Jahr, müssen also mehr als 1.200 Mark für Zuzahlungen ausgegeben worden sein, um einen Teil des Geldes von der Krankenkasse zurück zu bekommen. Diese Regelung gilt jedoch nur für Zuzahlungen zu Arznei-, Verband- und Heilmitteln sowie zu Fahrkosten, so Meiners.

Sonderregelungen für chronisch Kranke

»Für chronisch Kranke gelten besondere Regelungen«, erläutert Ulrike Zeising von der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) Hamburg. »Voraussetzung für eine völlige Befreiung von Zuzahlungen ist, dass der Kranke im Laufe eines Jahres nachweislich ein Prozent seines Brutto-Jahreseinkommens für Zuzahlungen aufgewendet hat und wegen der selben Krankheit in Dauerbehandlung ist.« Trifft dies zu, wird er vom Jahr darauf an nicht nur von Zuzahlungen im Zusammenhang mit seiner Krankheit befreit, sondern auch von allen anderen Zuzahlungen. »Spätestens alle zwei Jahre muss der Krankenkasse ein Nachweis über die Fortdauer der Behandlung vorgelegt werden«, erklärt Zeising.

Informationen:

Der Ratgeber »Mein Recht als Patient« ist in den örtlichen Verbraucherzentralen zum Preis von 17,50 Mark erhältlich oder kann zuzüglich fünf Mark Versandkostenpauschale bestellt werden, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale Bayern, Mozartstraße 9, 80336 München (Tel.: 089/539 87 47). Bei den Krankenkassen kann ein kostenloses Nachweisheft angefordert werden. Darin quittiert der Apotheker die Ausgaben für verordnete Medikamente. Zum Jahresende kann das Heft dann bei der Krankenkasse eingereicht werden.