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Krankenkassen-Fusion: Barmer und GEK bilden größte deutsche Kasse

Noch hat das Bundesversicherungsamt nicht zugestimmt, doch die Zeichen stehen auf Fusion: Mit dem Zusammenschluss der Gmünder Ersatzkasse und der Barmer soll Anfang des kommenden Jahres die größte Krankenkasse Deutschlands entstehen - mit insgesamt 8,6 Millionen Versicherten.

Barmer und Gmünder Ersatzkasse (GEK) wollen sich zur größten Krankenkasse Deutschlands zusammenschließen. Der Verwaltungsrat der GEK habe die Vereinigung nach Gesprächen mit mehreren Konkurrenten beschlossen, teilte die Kasse am Mittwoch mit. Der neue Anbieter soll 8,6 Millionen Versicherte und über 19.000 Mitarbeiter haben. Die Barmer begrüßte den Beschluss. Wenn auch ihr Verwaltungsrat wie erwartet am Freitag zustimmt, könnte die neue Kasse im Januar an den Start gehen.

GEK-Sprecher Kai Behrens begründete den Beschluss mit der Einführung des Gesundheitsfonds, durch den die Handlungsspielräume seiner Kasse mit bislang 1,7 Millionen Versicherten "nicht unbedingt größer" geworden seien. Mit künftig zwölf Prozent Marktanteil statt der bisherigen zwei Prozent verbessere sich die Position bei Verhandlungen über Rabatt- oder Lieferverträge mit Pharmaunternehmen oder bei Vertragsverhandlungen mit Ärzten. Solche Leistungsverträge würden künftig immer wichtiger.

"In Zukunft kann Größe durchaus ein Vorteil sein, wenn man für Versicherte optimale Versorgungsleistungen aushandeln will", sagte Behrens. Zudem steige die Kundennähe mit künftig bundesweit fast 1200 Geschäftsstellen.

Schreckgespenst Zusatzbeitrag

"Ein Zusammenschluss von Barmer und GEK wäre ein Meilenstein in der Gesetzlichen Krankenversicherung", sagte Barmer-Vorstandschef Johannes Vöcking. "Zwei starke Partner könnten ihre Kompetenzen in einem zunehmend wettbewerbsorientierten Gesundheitswesen bündeln und im Sinne ihrer Versicherten einsetzen." Die Barmer war erst zum Jahreswechsel von der Techniker Krankenkasse vom Spitzenplatz verdrängt worden. Diese hat nach der Fusion mit der IKK-Direkt 7,2 Millionen Versicherte.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen und Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hatten seit einiger Zeit Fusionen in Aussicht gestellt. Viele Kassen versuchen dadurch, einen Zusatzbeitrag zu umgehen. Zusatzbeiträge müssen diejenigen Krankenkassen von ihren Mitgliedern einfordern, die mit dem zugewiesenen Geld aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen. Dieser zieht infolge der Gesundheitsreform die Beiträge aller Versicherten zentral ein und verteilt sie auf die Kassen.

Die steigenden Ausgaben für Arzneimittel, Arzthonorare und Krankenhäuser hatten zuletzt das Finanzplus der Ersatzkassen schrumpfen lassen. Ihr Überschuss verminderte sich nach Zahlen ihres Verbandes im zweiten Quartal von 193 Millionen auf vier Millionen Euro.

Reuters / Reuters
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