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Sterbeversicherungen: Sparen fürs letzte Geleit

Seit der Staat kein Sterbegeld mehr zahlt, bieten Versicherer spezielle Begräbnis-Policen an. Andere Geldanlagen bringen meist mehr.

Hartmut Woites Geschäfte laufen blendend. Der Berliner Bestattungsunternehmer hat sich spezialisiert auf Billigbeisetzungen. Seit das gesetzliche Sterbegeld 2004 gestrichen wurde, achten die Bundesbürger mehr denn je darauf, wie viel es kostet, Oma oder Opa unter die Erde zu bringen. Je nach Friedhof, Ort und Bundesland fallen für Beisetzung und Grabnutzung vierstellige Gebühren an. Hinzu kommen die Dienste eines Beerdigungsinstituts, noch mal 2500 bis 3200 Euro.

Woite aber bietet Tiefstpreise für alle Bestattungsarten an - die günstigste für 888 Euro. So viel kostet die Einäscherung inklusive Beisetzung in einem anonymen Urnengrab in Tschechien. Über 30 seiner monatlich mehr als 100 Kunden wählen diese Variante des Abschieds von ihren Nächsten. Sie sparen sich nicht nur die teuren Friedhofsgebühren in Deutschland, sondern auch die weite Anreise zum Grab: Als Andenken an den Verstorbenen bekommen sie ein bisschen Asche mit nach Hause.

Ein namenloses Rasengrab

fernab der Heimat und eine Aschekapsel in der Schrankwand? Wer dies pietätlos findet, muss eben mehr bezahlen. Und wer das wiederum seinen Liebsten nicht zumuten will, muss vorsorgen. Dies ist die Klientel, die die Versicherungswirtschaft für sich neu entdeckt hat. Seit dem Wegfall des Sterbegeldes lockt sie mit eigenen Produkten: den Sterbegeldversicherungen.

Dabei handelt es sich um kleine Kapitallebensversicherungen, bei denen es im Gegensatz zu anderen Lebensversicherungen keine Gesundheitsprüfungen gibt. In der Regel muss der Versicherte bis zu seinem 85. Lebensjahr Beiträge einzahlen. Je älter man bei Vertragsabschluss ist, desto höher fallen diese aus. Die Versicherungssumme liegt zwischen 5000 und 10 000 Euro und wird bei Tod fällig. Allerdings gibt es Wartezeiten, die es zu überleben gilt: Stirbt der Versicherte bereits wenige Monate nach Vertragsunterzeichnung, zahlen die meisten Versicherungen lediglich einen Teil der vereinbarten Summe aus. Tritt der Todesfall nach dem 85. Geburtstag ein, wird eine Ablaufleistung gezahlt. Das ist die Versicherungssumme plus dem verzinsten Sparanteil, der in der Prämie enthalten ist.

Attraktiv ist die Sterbeversicherung nicht, dafür ist die Rendite zu schwach. Über die Jahre zahlt man meist mehr ein, als man am Ende erhält. Beispiel: das Produkt "Bestattungsvorsorge 50Plus Komfort" der Stuttgarter Lebensversicherung. Bei einer Versicherungssumme von 7500 Euro muss ein 55-jähriger Mann bis zu seinem 85. Geburtstag monatlich 32,60 Euro zahlen. Das heißt: Für die Versicherungssumme von 7500 Euro - ohne Gewinnanteil - bringt er einen Gesamtbetrag von 11 736 Euro auf. Wer selbst anspart, erwirtschaftet mit der monatlichen Rate von 32 Euro und einer jährlichen Verzinsung von 2,5 Prozent in 30 Jahren einen Zinserfolg von 5602 Euro. Zuzüglich der über die Jahre eingezahlten Beiträge macht das immerhin 17 154 Euro. Dafür gibt es sogar ein Luxusbegräbnis.

Björn Dethlefs / print
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