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Exilangebot: Türken garantieren Gaddafi sicheres Geleit

Die Türkei reicht dem libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi die Hand und will ihm eine Flucht ins Exil vermitteln. Doch der Despot lässt sich bitten. Die Türken sind zunehmend frustiert.

Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan hat dem libyschen Machthaber Muammar Gaddafi sicheres Geleit ins Exil garantiert. "Gaddafi hat keine andere Wahl als Libyen zu verlassen und zwar mit Hilfe der ihm angebotenen Sicherheiten", sagte Erdogan im türkischen Fernsehen. Die Türkei habe ihm bereits ein entsprechendes Angebot übermittelt. Um welche Garantien es sich dabei handelt, sagte Erdogan allerdings nicht.

"Wir haben ihm gesagt, wir würden ihm dabei helfen, zu dem Ort seiner Wahl zu gelangen" sagte Erdogan kurz vor den türkischen Parlamentswahlen, in denen er am Sonntag eine klare Mehrheit erwarten kann. Als Nato-Mitglied würde die Türkei mit ihren westlichen Alliierten über eine Exil-Lösung verhandeln. "Leider haben wir von Gaddafi immer noch keine Antwort bekommen", sagte Erdogan sichtlich frustriert. Der türkische Ministerpräsident warf dem libyschen Machthaber zudem vor, auf Zeit zu spielen. "Ich habe ihn sechs oder sieben Mal kontaktiert. Wir haben unseren Sondergesandten zu ihm geschickt, doch sahen wir uns immer wieder mit Verzögerungstaktiken konfrontiert", sagte Erdogan. So habe die libysche Führung einen Waffenstillstand gefordert, kurz darauf hätten die Gaddafi-Truppen aber erneut bombardiert.

Vor Beginn des Libyen-Konflikts zählte die Türkei zu den Verbündeten Gaddafis. Das muslimisch geprägte Land unterhielt enge Wirtschaftsbeziehungen zu dem nordafrikanischen Staat. Doch seit Beginn der Proteste in Libyen im Februar, die schließlich in einem Bürgerkrieg mündeten, hat sich Erdogan von Gaddafi distanziert und ihn wiederholt zum Rücktritt aufgefordert. Gaddafi hatte zuletzt erklärt, er wolle lieber als Märtyrer sterben, als sich zu ergeben.

Angeblicher Brief des Revolutionsführers

In den USA wird derzeit über einen angeblichen Brief Gaddafis diskutiert. Der Revolutionsführer soll in dem Schreiben an den US-Kongress seine Bereitschaft bekundet haben, über einen Waffenstillstand zu verhandeln. Ob der Brief vom 9. Juni mit der Unterschrift "Muammar Gaddafi, Kommandeur der Großen Revolution" echt ist, werde noch geprüft, zitierten US-Medien am Freitag Kongresskreise. Das US-Außenministerium will von dem Brief gehört, ihn aber bisher nicht gesehen haben.

Der Absender bedankt sich darin offensichtlich für eine jüngste Resolution, in der Präsident Barack Obama wegen der amerikanischen Rolle beim Nato-Einsatz in Libyen ohne Genehmigung vom Kongress kritisiert worden war. Die Entschließung in der vergangenen Woche ging allerdings nicht so weit, eine Einstellung des US-Engagements zu fordern.

ben/Reuters/DPA / DPA / Reuters