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Umschichtung: Rettung für die Lebensversicherung

Bei der Kündigung ihrer Lebensversicherung wegen finanzieller Schieflage müssen Kunden herbe Verluste einstecken. Ein Ausweg ist, die Versicherung zu verkaufen, statt sie zu kündigen - doch auch dies will gründlich geprüft sein.

Lebensversicherungen verkaufen statt kündigen: So lautet die Alternative für immer mehr Versicherte, die sich in einer finanziellen Notlage befinden. Unternehmen wie die Cash.Life AG, BCNet oder Barwert.de haben sich auf diesen Service spezialisiert. Sie kaufen Lebensversicherungen auf, und ihre Zahlungen liegen deutlich höher als der Rückkaufwert der Versicherung. Allerdings wird längst nicht jeder Vertrag genommen, und man sollte sich den Verkauf seiner Versicherung gut überlegen, wie Michael Wortberg, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, erklärt.

Jede zweite Police vorzeitig gekündigt

Die Gesellschaften dürfen sich auf gute Geschäfte freuen. Nach Angaben des Bundes der Versicherten (BdV) wird jede zweite Police vorzeitig gekündigt. Allein Cash.Life erwarb im vergangenen Jahr Versicherungen im Volumen von 130 Millionen Euro, 2003 sollen es bereits 180 Millionen Euro werden. Die Wachstumschancen sind durchaus realistisch, denn das jährliche das Storno-Volumen in Deutschland beträgt jährlich rund neun Milliarden Euro.

Aufkaufwert höher als Rückkaufwert

Bei der Kündigung ihrer Lebensversicherung müssen Kunden herbe Verluste einstecken. Denn bei Auszahlung der eingezahlten Beiträge werde hohe Verwaltungs- und Vertriebskosten abgezogen. "Wer nur kurz eingezahlt hat, bekommt oft nichts zurück", sagt BdV-Geschäftsführer Frank Braun. Die Aufkäufer werben damit, dass man ihnen besser abschneidet. So liegen die Kaufwerte bei Cash.Life und Barwert bis zu sieben Prozent über dem Rückkaufwert. BCnet wirbt in einer Beispielberechnung sogar mit einem 25 Prozent höheren Kaufpreis.

Einige Versicherungsleistungen bleiben sogar

Beim Verkauf bleibt dem Kunden auch zudem der Versicherungsschutz im Todesfall erhalten. Den Hinterbliebenen wird die fällige Versicherungssumme abzüglich der gezahlten Beträge und einer Verwaltungsgebühr ausgezahlt. Ein weiterer Vorteil ist, dass bei Verträgen unter zwölf Jahren Laufzeit keine Kapitalertragssteuer fällig wird. Denn die Gesellschaften zahlen die Beiträge weiter und bündeln sie zu Fonds.

Nicht jede Police wird gekauft

Allerdings wird längst nicht jeder Vertrag gekauft. So nimmt BCnet nur Policen mit einem Rückkaufswert von mindestens 6.000 Euro, bei Cash.Life sind es 10.000 Euro. Beide Gesellschaften akzeptieren nur Verträge mit einer maximalen Restlaufzeit von 15 Jahren. Zudem werden nur Policen weniger deutscher Versicherungen akzeptiert, und Direktversicherungen bleiben ganz außen vor.

Manchmal ist eine Stundung besser

"Das Angebot der Firmen ist grundsätzlich eine Überlegung wert, allerdings erfüllen die meisten Verträge nicht deren strengen Kriterien", betont Verbraucherschützer Wortberg. Das räumt auch Cash.Life ein. Von den 2.000 Anfragen, die hier monatlich eingehen, können nur rund zehn Prozent berücksichtigt werden. "Allerdings ist ein Verkauf nicht immer die beste Lösung", sagt Wortberg. "Für Versicherte, die ihre Beiträge nicht mehr zahlen könnten, ist unter Umständen eine Beitragsfreistellung oder eine Stundung ratsamer."

Höhere Rückkaufwerte vor Gericht erstreiten

Der BdV empfiehlt Verbrauchern, auf einen fairen Rückkaufswert bei den Versicherungen zu bestehen. Wer eine nach 1994 abgeschlossene Lebensversicherung kündigen will oder bereits gekündigt hat, sollte sich nicht mit einem niedrigen Rückkaufwert abspeisen lassen. "Verbraucher können wesentlich höhere Summen geltend machen als von den Versicherern errechnet, denn die hohen Kostenabzüge für die gesamte Vertragslaufzeit sind unzulässig", betont Braun. Das belegt beispielsweise ein aktuelles Urteil des Landgerichts Hildesheim (Az: 1 S 3/03), das einem Kläger nach der Kündigung seines Vertrages einen Nachforderungsanspruch zugestand. "Die Chancen auf höhere Rückzahlungen sind so gut wie nie zuvor, denn die Gerichte urteilen zunehmend verbraucherfreundlich", sagt Braun.