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OECD-Studie: Deutschlands große Renten-Angst: Reicht das Geld am Ende?

Die Rente ist sicher, versprach einst Norbert Blüm. Daran glauben die Deutschen laut einer aktuellen Studie nicht mehr. Die Mehrheit ist besorgt, dass das Geld im Alter nicht reicht. Allerdings haben sie auch Ideen, wie sich diese Entwicklung stoppen lässt.

Unsichere Zukunft: Die Deutschen fürchten sich vor der Rente

Unsichere Zukunft: Die Deutschen fürchten sich vor der Rente

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Die Rente ist sicher, versprach einst der Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU). Doch knapp 22 Jahre später glaubt kaum noch jemand so recht daran. Vielmehr ist die Rente - beziehungsweise die finanzielle Situation im Alter - für viele Deutsche zum größten Sorgenthema avanciert. Die OECD belegt mit einer repräsentativen Umfrage: 76 Prozent der 18- bis 70-Jährigen gibt das Thema Rente als Hauptsorge an. Deutlich abgeschlagen rangieren Themen wie Krankheit und Behinderung (51 Prozent) oder Kriminalität (47 Prozent) dahinter.

Die Rente bereitet Sorgen - auch, weil so unklar ist, wie sich die gesetzliche Rente entwickelt. Dass inzwischen auch privat gespart werden muss, ist zwar bekannt. Doch zum einen fehlt das Knowhow, zum anderen sind viele Sparvarianten keine Optionen mehr. Die Lebensversicherung, einst beliebtes Instrument, um Geld anzusparen, bietet kaum noch Zinserträge. Einige Versicherer haben sich von Garantiezinsen ganz verabschiedet. Also müssen Alternativen her. Doch gerade beim Thema Aktien fremdeln die Deutschen. Der Aktienmarkt ist ihnen nicht geheuer. Vielleicht sitzt die Erfahrung mit dem Absturz der "Volksaktie" Telekom zu tief. 

Rentenniveau sinkt, Haltelinie greift früher

Die Ahnungslosigkeit trifft nun auf das politische Rentenproblem. Denn die staatliche Rente könnte man im Blüm'schen Sinne als sicher bezeichnen - die Höhe allerdings nicht. Seit Jahren sinkt das Rentenniveau - und offenbar muss die von der Regierung beschlossene "Haltelinie", die erst ab 2022 greifen sollte, nun schon ein Jahr früher bemüht werden. Diese liegt bei 48 Prozent des durchschnittlichen Einkommens und beziffert die Höhe der durchschnittlichen Rente. Viel Durchschnitt - wenig Aussage über die individuellen Ansprüche, das zumindest ist sicher. Doch ein sinkendes Rentenniveau bei gleichzeitig unterdurchschnittlicher Lohnentwicklung kann die Rente schmaler ausfallen lassen. 

Die OECD fragte aber nicht nur nach der Renten-Angst, sondern auch nach der Bereitschaft, dagegen anzugehen. Um bei der gesetzlichen Rente mehr rauszuholen, wären laut der Befragung sogar knapp die Hälfte (45 Prozent) bereit, zusätzlich zwei Prozent des Einkommens für die Alterssicherung zurückzulegen. Offenbar trauen doch noch viele Deutsche der gesetzlichen Rentenversicherung mehr zu, als einer selbstgewählten privaten Absicherung.

Umverteilung: Staat soll soziale Sicherung stärken

Doch die Befragten fordern auch mehr Engagement der Regierung bei dem Thema. 78 Prozent gaben an, dass die Politik sich stärker für die wirtschaftliche und soziale Absicherung der Bürger einsetzen solle. Fast genauso viele Menschen (77 Prozent) gaben an, dass Reiche stärker zur Kasse gebeten werden sollen. Mit höheren Steuern bei Spitzenverdienern könnten ärmere Bevölkerungsschichten unterstützt werden. Die Deutschen setzen also auf Umverteilung bei der Lösung der Rentenmisere. 

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