VERSICHERUNG Kassenwechsel wirft viele Fragen auf


Ab einem Jahres-Mindestverdienst von 78.300 Mark ist ein Wechsel von der gesetzlichen zur privaten Krankenversicherung möglich. Aber ist das auch besser?

Manchmal kann eine Gehaltserhöhung eine doppelte Freude sein: Verdient ein Arbeitnehmer plötzlich genug, kann er sich von der Pflichtmitgliedschaft in der Gesetzlichen Krankenkasse befreien lassen. Schließlich soll eine private Krankenversicherung bessere Leistungen bei niedrigeren Beiträgen bringen - das jedenfalls versprechen die Anbieter. Möglich ist der Wechsel bei einem Mindestverdienst von 78.300 Mark brutto im Jahr, Weihnachts- und Urlaubsgeld eingeschlossen.

Werbung mit hohen Einsparungen

»Die Versicherungen werben damit, dass der Wechsel manchmal Einsparungen von bis zu 4000 Mark pro Jahr nach sich ziehen kann«, sagt Norbert Rost, verantwortlich für das Internetportal »Eine private Versicherung« in Dresden. Zu den Vorteilen zählt er individuelle Leistungspakete, den besseren Service in Krankenhäusern und die mögliche Beitragsrückerstattung. Die Beitragshöhe bemisst sich nach Eintrittsalter, Leistungsumfang und Geschlecht, nicht aber nach dem Gehalt. Je jünger ein Arbeitnehmer ist, desto mehr kann er mit einer Privatversicherung einsparen.

Im Alter höhere Beiträge

Nachteilig ist, dass die Rückkehr zu einer Krankenkasse im Allgemeinen unmöglich ist, so Rost. Mit dem Alter erhöhten sich die Beiträge außerdem unabhängig vom Verdienst. Gerade für das Rentenalter sollte ein Versicherungsnehmer an einen Ausgleich etwa durch ein zusätzliches Altersvorsorgeprodukt denken, denn Beiträge belasten ihn auch als Senior. Anders als bei der Kassenmitgliedschaft kostet außerdem die Mitversicherung von Kindern extra.

Aktuelle Gehaltserhöhung problematisch

Das Ausmaß an Krankenkassenbeiträgen veranlasst manche Menschen, trotz der Nachteile einen Wechsel zu überlegen. Doch der Eintritt in die Private kann gerade für Arbeitnehmer mit einer aktuellen Gehaltserhöhung kompliziert werden. Uneinig sind sich Anbieter etwa darüber, wann jemand von der Versicherungspflicht befreit wird.

Ab wann darf man wechseln?

So würde zum Beispiel die Mannheimer Krankenversicherung einen Arbeitnehmer mit einem Gehalt, das vom Oktober an über die derzeitige Mindestgehaltsgrenze von 6.525 Mark monatlich kommt, erst zum 1. Januar des übernächsten Jahres aufnehmen. »Wird die Jahresentgeltgrenze überschritten, endet die Versicherungspflicht mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem sie überschritten wird«, zitiert Sprecherin Petra Böck das fünfte Buch des Sozialgesetzbuchs. Der Angestellte könnte erst 2003 Kunde werden, wenn er im gesamten Jahr 2001 trotz seines Aufstiegs real noch unter der Versicherungspflichtgrenze bleibt.

Gesetztestext ist doppeldeutig

Manche andere Versicherer und Krankenkassen würden den Versicherten dagegen schon zum 1. Januar 2002 aufnehmen. »Entscheidend für die baldige Befreiung aus der Versicherungspflicht ist das Arbeitsentgelt, das der Arbeitnehmer nach einer Gehaltserhöhung regelmäßig verdient«, argumentiert Susanne Uhrig von der Barmer Ersatzkasse in Wuppertal. »Wenn er monatlich auf über ein Zwölftel der Jahresarbeitsentgeltgrenze kommt, tritt dieser Fall ein.« Die Widersprüche haben juristische Wurzeln - denn schon der Gesetzestext im Sozialgesetzbuch ist Experten zufolge doppeldeutig.

Bisherige Kasse entscheidet

Die Entscheidung, wann ein Arbeitnehmer nicht mehr pflicht-, sondern freiwillig versichert ist, also in die Private wechseln kann, trifft zuletzt jedoch die bisherige Krankenkasse. Das betont Christian Weber, Geschäftsführer des Verbandes der Privaten Krankenversicherung in Berlin. Deshalb empfehlen die Versicherungen, nicht erst auf den üblichen Arbeitgeberbescheid darüber am Jahresende zu warten.

Gewissheit über Kündigungstermin suchen

Die Kündigungsfrist nach einer solchen Nachricht beträgt ganze 14 Tage - das ist oft zu kurz, um Angebote verschiedener Anbieter zu vergleichen und sich für ein Angebot zu entscheiden. Deshalb sollten Wechselwillige das Ziel der Kündigung von sich aus und möglichst früh der Krankenkasse mitteilen, so die Experten. Das bringt rechtzeitige Gewissheit über den exakten Kündigungstermin.

Ausnahme Arbeitgeberwechsel

Immerhin kann ein Freigestellter mit einer Kündigungsfrist von zwei Monaten jederzeit aus der Krankenkasse austreten, um zum Privatanbieter zu wechseln. Kündigt er nicht, bleibt er freiwilliges Mitglied der gesetzlichen Kasse. Eine Ausnahme von der Regel macht alles einfach: Ist mit der Gehaltserhöhung ein Arbeitgeberwechsel verbunden oder bekommt der Angestellte in seiner Firma einen ganz neuen Aufgabenbereich, kann er sofort zur Privaten gehen.


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