Versicherung So einfach ist der Wechsel


Mit einem Wechsel der Krankenversicherung lassen sich oft bis zu einigen Hundertern sparen. stern.de erklärt, wie einfach ein Wechsel ist - und worauf doch noch geachtet werden sollte.
Von Tim Braun

Sie rollt immer weiter, die Welle der Beitragsatzsteigerungen innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV): Von den insgesamt 219 gesetzlichen Kassen haben laut dem Dienst für Gesellschaftspolitik in den ersten beiden Monaten dieses Jahres immerhin schon 70 ihren Beitrag angehoben. Gesenkt haben die Beiträge dagegen nur 15 Kassen. Bundesweit liegt der durchschnittliche Beitragssatz bei 14,9 Prozent. Für den Versicherten bedeutet dies: 0,9 Porzent trägt er alleine, den restlichen Beitrag teilt er sich mit dem Arbeitgeber. Die Beitragsbemessungsgrenze, also das Jahresgehalt, bis zu dem der Beitragssatz berechnet wird, liegt bei 43.200 Euro Brutto. Soweit die schlechte Nachricht.

Bis zu 800 Euro lassen sich sparen

Nun die gute Nachricht: Die Beitragssätze liegen weit auseinander. Das heißt, wer vergleicht, kann sparen. So hat die City BKK ihren Beitrag zu Jahresbeginn auf 16,9 Prozent erhöht ist damit derzeit die teuerste Krankenkasse. Es geht aber auch deutlich günstiger. Einige regionale Krankenkassen kommen mit 13,2 Prozent aus. Die IKK-direkt hat ihren Beitragssatz zwar von 12,9 auf 13,3 Prozent erhöht; unter den bundesweit zugänglichen Krankenkassen bietet sie aber immer noch die niedrigsten Beitragssätze. Das heißt: Wer wechselt, kann bei einem überdurchschnittlichem Einkommen bis zu 800 Euro im Jahr sparen.

Allerdings ist der Preis nicht in jedem Fall das Maß aller Dinge. "In einigen Punkten bieten die gesetzlichen Krankenkassen unterschiedliche Leistungen an", sagt Dörte Elß, Juristin und Gesundheits-Expertin bei der Verbraucherzentrale Berlin. Zum Beispiel bei Kostenübernahmen von Impfungen und alternativen Heilmethoden. Einige Kassen haben auch Bonusprogramme, bei denen sich die Versicherten Zuzahlungen sparen können oder Prämien erhalten. Andere bieten für bestimmte Krankheitsbilder Modellvorhaben, Schulungen oder besondere Versorgungsformen an. Und schließlich, so Elß, könnten sich auch in punkto Service - also Öffnungszeiten, Erreichbarkeit und Freundlichkeit - große Unterschiede auftun. "Wem die Geschäftsstelle vor Ort wichtig ist, sollte wissen, dass es die bei den günstigsten Anbietern nur im Ausnahmefall geben wird."

Es gibt qualitative Unterschiede

Doch es gilt auch, dass etwa 95 Prozent der Leistungen gesetzlich vorgeschrieben sind. Alle Krankenkassen müssen diese Grundversorgung abdecken, auch die mit niedrigen Beitragssätzen.

Denn: Nur wer 18 Monate Mitglied einer Krankenkasse war, kann kündigen. Die große Ausnahme bildet das Sonderkündigungsrecht nach Beitragserhöhung: Erhöht die Krankenkasse ihre Beiträge, kann innerhalb von zwei Monaten auf jeden Fall gekündigt werden. Die Länge der Mitgliedschaft spielt dann keine Rolle. Das Vorgehen ist dabei in beiden Fällen gleich, der bürokratische Aufwand ist überschaubar.

Wechseln ist ganz einfach

Der erste Schritt ist die Kündigung. Dafür genügt ein formloses Schreiben. Hier gilt eine Frist von zwei Monaten. Das heißt: Geht das Schreiben im März bei der Versicherung ein, endet die Mitgliedschaft frühestens zum 31. Mai. Für das Sonderkündigungsrecht gilt die selbe Frist; also: Hat die Kasse zum ersten Februar ihren Beitrag angehoben, können ihre Mitglieder bis zum 31. März kündigen. Die Mitgliedschaft endet auch hier am 31. Mai.

Nur für den Fall der Fälle - wenn es dann ganz schnell gehen muss: Kann man auch per Fax oder E-Mail kündigen? "Theoretisch ja", sagt Dörte Elß. Allerdings kann es hier schwierig sein, den Eingang der Kündigung bei der Krankenkasse nachzuweisen. Sie empfiehlt deshalb, auf Nummer sicher zu gehen und die Kündigung bei der Kasse selbst abzugeben oder die Kündigung mit Einschreiben/Rückschein bzw. Einwurfeinschreiben zu verschicken. Innerhalb von zwei Wochen nach der Kündigung schicken die Kassen die Kündigungsbestätigung zu. Danach hat der Wechselwillige zwei Monate Zeit, sich eine neue Kasse zu suchen.

Wechsel trotz Gesundheitsfonds?

Lohnt sich ein Wechsel überhaupt, wenn im nächsten Jahr mit dem Gesundheitsfonds ein einheitlicher Beitragssatz für alle Kassen geschaffen wird? Die Antwort lautet: Ja, auf jeden Fall. Einerseits, weil die Ersparnis ja schon in diesem Jahr greift. Und andererseits: Auch 2009 wird es Unterschiede geben. Das hat vor kurzem das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz bestätigt. Außendienstmitarbeitern der AOK Rheinland-Pfalz (15,5 Prozent) wurde durch das Urteil untersagt, zu behaupten, dass alle Kassen ab 2009 den gleichen Beitragssatz haben werden. Vielmehr wird es so sein: Die mit hohen Kosten belasteten Kassen, die über dem einheitlichen Beitragssatz liegen, werden Nachschläge von ihren Mitgliedern verlangen. Und die Kassen mit heute niedrigen Beitragssätzen haben dann mehr Geld und können ihren Mitgliedern Prämien auszahlen.


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