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Leistungsvergleich: So finden Sie die beste Kasse

Wenn alle gesetzlichen Krankenkassen den gleichen Beitrag erheben, dann kommt es bei der Entscheidung für einen Anbieter wieder stärker auf die Leistung an. Eine Checkliste soll das Abfragen der wesentlichen Punkte erleichtern. Wir sagen, worauf es ankommt.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (CDU) hat die 70 Millionen gesetzlich Versicherten aufgefordert, den Service und die Angebote ihrer Krankenkasse genau unter die Lupe zu nehmen. Da seit Jahresbeginn alle Kassenmitglieder den gleichen Beitragssatz zahlten, sei es an der Zeit für einen Wettbewerb um Service und Qualität, sagte Schmidt am Mittwoch in Berlin. Bei Bedarf sollten die Versicherten die Kasse wechseln.

In drei Tagen Termin beim Facharzt

Zwar sind 95 Prozent der Leistungen der Krankenkassen gesetzlich vorgeschrieben und somit bei allen gleich. Bei den übrigen fünf Prozent haben die Kassen aber einen gewissen Spielraum. Schmidt nannte unter anderem den neuen Service einiger Kassen, binnen drei bis fünf Tagen einen Termin beim Facharzt zu vermitteln, auf den man sonst unter Umständen mehrere Wochen warten müsste.

Darüber hinaus unterscheiden sich die Kassen bei besonderen Tarifen, zum Beispiel Hausarzttarife mit Vergünstigungen wie dem Erlass der Praxisgebühr oder Bonus-Programme mit Rückzahlungen. Unterschiede gibt es zudem bei der Erreichbarkeit oder etwaigen Zusatzangeboten wie zum Beispiel homöopathische Behandlungen. Auch das Angebot von Chronikerprogrammen - etwa für Diabetes- oder Herzpatienten - und bei der Übernahme von Gesundheitskursen ist teils nicht ganz gleich.

Kampagne zum Leistungsvergleich

Gemeinsam mit der Stiftung Warentest und der Verbraucherzentrale Bundesverband startete Schmidt die Kampagne "Bietet ihre Krankenkasse genug?". Über Zeitungen und Zeitschriften soll neun Millionen Mal eine kleine Checkliste verteilt werden. Sie soll Versicherte darauf bringen, ihre eigenen Bedürfnisse zu prüfen und ihre Krankenkasse daraufhin zu testen.

Gerd Billen, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband, räumte ein, dass bisher noch nicht "Millionen von Versicherten" Beratungsbedarf in der Frage sähen, dass dieser aber durchaus zunehmen werde. Immerhin gäben die privaten Haushalte über 200 Milliarden Euro für Gesundheitsleistungen aus, da hätten sie ein Interesse daran, diese Leistungen zu optimieren. "Die veränderten Wettbewerbsbedingungen sollen Krankenkassen dazu bringen, sich mehr um eine bessere Versorgung für Kranke zu kümmern", sagte er.

Datenbank mit Kassenleistungen

Der Chefredakteur von "Test", Hubertus Primus, kündigte einen Kassenvergleich der Stiftung Warentest für Mitte des Jahres und den Aufbau einer Datenbank an. Der Vergleich von Krankenkassen sei sehr komplex und der Informationsbedarf der Verbraucher groß. Doch lohne es sich, genau hinzuschauen. Er nannte als weitere Beispiele, dass einige Krankenkassen auch mehr Impfungen übernähmen als andere oder eher eine Haushaltshilfe für Familien finanzierten. "Die Unterschiede sind da", sagte Primus. "Nun gilt es, sie herauszufinden."

Nebenstehend finden Sie die wichtigsten Stichworte, mit denen Sie die Serviceleistungen Ihrer Krankenkasse abklopfen können.

#Link;http://www.stern.de/wirtschaft/versicherung/krankenversicherung-vergleich-krankenkassen-vergleichen-leichtgemacht-1655421.html;zum Krankenkassen-Vergleich#

Karin Spitra mit AP

Die Checkliste auf einen Blick

Eine Karte, etwa so groß wie ein Personalausweis, steht im Mittelpunkt der Aktion von Bundesgesundheitsminiterium, Verbraucherzentralen und der Stiftung Warentest.. Unter der Überschrift "Fragen Sie Ihre Krankenkasse" führt sie exemplarische Kriterien zum Service- und Leistungswettbewerb der gesetzlichen Krankenkassen auf - beispielsweise gute Erreichbarkeit, Hilfe bei der Vermittlung von Arztterminen oder Kostenübernahme für Gesundheitskurse.

Ziel der Aktion ist es, die Versicherten für den Servicewettbewerb der Kassen zu sensibilisieren, der mit Einführung des einheitlichen Beitragssatzes Auftrieb gewonnen hat.

Gute Erreichbarkeit

Wie gut ist Ihre Kasse erreichbar - z.B. telefonisch oder durch Geschäftsstellen?

In der besten aller Welten bietet Ihnen die Krankenkasse Ihrer Wahl eine große Bandbreite von Beratungsleistungen. Diese reicht von Sprechstunden in der Geschäftsstelle vor Ort - und das auch abends oder am Samstag um so Berufstätigen entgegen zu kommen.

Gut für Berufstätige?

Manche Krankenkassen bieten auch Hausbesuche von Außendienstmitarbeitern an, um ihre Kunden ausführlich und in gewohnter Umgebung zu beraten. Und während manche Kassen ihren Versicherten eine telefonische Beratung rund um die Uhr, sieben Tage die Woche anbieten, sind andere nur montags bis freitags zu bestimmten Zeiten erreichbar - was zumindest vielen Berufstätigen schwer fallen dürfte.

Außerdem organisieren manche Kassen für ihre Kunden Hausbesuche oder Spät- und Samstagssprechstunden bei kooperierenden Ärzten. Davon profitieren dann besonders Arbeitnehmer mit langen Arbeitszeiten.

Achten Sie auch darauf, ob Sie lange warten müssen, bevor Sie einen Berater erreichen, ob sich die Kassenmitarbeiter Zeit für Sie und Ihr Anliegen nehmen und ob Sie freundlich behandelt werden.

Individuelle und kompetente Hilfe

Wird Ihnen bei Problemen kompetent geholfen?

Versicherte können von ihrer Krankenkasse mehr erwarten als nur eine Beratung zu Tariffragen. So gehören heute zum Repertoire vieler Kassen die Beratung bei medizinischen Problemen oder Unterstützung bei vermuteten Behandlungsfehlern.

Wenn Sie auf eine individuelle und persönliche Betreuung Wert legen, achten Sie darauf, welche Kassen Ihnen feste Sachbearbeiter zur Seite stellen, die sich dann durchgehend um Ihren Fall kümmern.

Vermittlung von (Fach-)Ärzten

Hilft die Kasse Ihnen bei der Koordination von (Fach-)Arztterminen?

Für Versicherte, die zum Beispiel aufgrund von akuten Beschwerden umgehend eine Facharztbehandlung benötigen, bieten manche Krankenkassen eine besondere Serviceleistung an: Nach Anruf vermitteln sie zeitnah einen Termin bei einem Experten in der Nähe.

Dazu sollte selbstverständlich auch die Hilfe bei der (Fach-)Arztsuche, z.b. nach einem Umzug, gehören.

Hilfe bei einem Pflegefall

Wie umfassend ist die Beratung bei Eintreten eines Pflegefalls?

Seit dem 1. Januar 2009 ist die Pflegekasse Ihrer Krankenversicherung verpflichtet, Ihnen bei Bedarf eine Pflegeberatung anzubieten. Pflegeberater und - beraterinnen sind in der Regel Mitarbeiter der Pflegekassen, die über Wissen aus den Bereichen des Sozialrechts, der Pflege und der Sozialarbeit verfügen.

Sie helfen den Betroffenen und ihren Angehörigen bei der Organisation der Pflege, angefangen bei der Vermittlung von Pflegediensten und Haushaltshilfen bis hin zu der Auswahl von Pflegeheimen oder anderen Betreuungseinrichtungen. Manche Kassen haben dafür spezielle Hotlines eingerichtet. Fragen Sie nach, ob die Beratenden über spezielle Erfahrungen auf dem Gebiet der Pflege verfügen. Dies gibt Ihnen einen Anhaltspunkt, wie kompetent die Beratung ist.

Ausführliche Information

Wie ausführlich ist das Informationsangebot Ihrer Kasse? Wie einfach sind Broschüren, Flyer etc. zu bekommen? Sind sie verständlich geschrieben?

Ob Mitgliedermagazin, Broschüren über Arthrose, Ratgeber für werdende Eltern oder Merkblätter für die richtige Ernährung - viele Krankenkassen bieten heute ein umfangreiches Informationsangebot an. Das ist wichtig für jeden, der sich aktiv um die bestmögliche Gesundheitsversorgung bemüht.

Verständlichkeit ist wichtig

Der Nutzen steht und fällt natürlich mit der Verständlichkeit der Informationen. Achten Sie auch darauf, wie und wo die Materialien erhältlich sind: Müssen sie bestellt werden, wie schnell werden sie geliefert und können sie auch bequem und schnell aus dem Internet heruntergeladen werden?

Kundenorientierte Krankenkassen nutzen das Internet als Plattform für Information und Kommunikation. Beispiele dafür sind interaktive Diätplaner und Extra-Services wie kostenlose Datenbankzugänge für Medikamenteninformationen, die für Mitglieder vieler Kassen kostenpflichtig sind.

Als besonderen Beratungsdienst im Internet bieten manche Krankenkassen so genannte Call-back-Funktionen auf ihrer Website an. Über diese können Sie Ihrer Kasse mitteilen, wann Sie von ihr eine telefonische Beratung zu einem bestimmten Thema wünschen. Die Kasse ruft Sie dann zurück.

Weitere Fragen

  • Gibt es einen attraktiven Hausarzttarif?
  • Sind Bonusprogramme, Zuzahlungs- oder Praxisgebührenermäßigungen im Angebot?
  • Gute Angebote für Chroniker?
  • Werden die Kosten für alternative Medizin (z.B. Homöopathie) übernommen?

Anlaufstellen für Rat & Hilfe

Die Bundesregierung hat die Broschüre "Bietet Ihre Krankenkasse genug Service?" herausgegeben. Diese soll den Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung eine Hilfestellung an die Hand geben, mit der sie dann ihre eigene Kasse dann auf bestimmte Leistungsmerkmale hin überprüfen und so die geeignetsten Angebote für sich persönlich herausfinden können.

Die Broschüre kann unter Angabe der Bestellnummer "BMG-G-09001" kostenlos über die Email-Adresse

publikationen@bundesregierung.de

bezogen werden.

Tests und Tipps zur gesetzlichen Krankenversicherung gibt es auf der Homepage der Stiftung Warentest.

Wer seine Fragen lieber im persönlichen Gespräch beantwortet haben will, kann sich auch an das Bürgertelefon für allgemeine Fragen zur gesetzlichen Krankenversicherung wenden:

01805/996602

* (Festpreis 14 Ct/Min., abweichende Preise aus den Mobilfunknetzen).

Patienten, die Probleme mit ihrer Krankenkasse oder mit Ärzten haben, erhalten unter der Rufnummer

0800/0117722

kostenlos Rat bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD).