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Krankenkassen-Pleite: BKK auf der Intensivstation

Es ertönen immer mehr Notrufe: Die City BKK wird geschlossen, die Vereinigte IKK sucht nach einem Sanierungskonzept - und nun droht auch der BKK für Heilberufe die Pleite.

Die dramatische Finanznot einiger Krankenkassen in Deutschland verunsichert zunehmend die Patienten. Mitgliederschwund, älter werdende Versicherte und knapp bemessene Beträge aus dem Gesundheitsfonds bringen die Kassen in die Bredouille. Nach der Pleite der City BKK droht jetzt der Betriebskrankenkasse (BKK) für Heilberufe in Düsseldorf die Zahlungsunfähigkeit. Bei der zweitgrößten Innungskrankenkasse Deutschlands, der Vereinigten IKK, beriet der Verwaltungsrat am Freitag über eine Sanierung.

Zusatzbeitrag für die Vereinigte IKK

Höchstwahrscheinlich müssen sich die Mitglieder der Vereinigte IKK nun auf Mehrkosten einstellen. Auf seiner Sitzung am Freitag beschloss der Verwaltungsrat der Innungskrankenkasse die Einführung eines Zusatzbeitrages von 8 Euro monatlich. Nach Informationen der "Rheinischen Post" soll der Zusatzbeitrag sogar rückwirkend zum 1. April 2011 erhoben werden.

Auch die BKK für Heilberufe mit 127.000 Versicherten steuert in diesem Jahr erneut auf ein Defizit zu. Die angeschlagene Düsseldorfer Kasse hatte allein im vergangenen Jahr die Hälfte ihrer Mitglieder und damit zusätzlich Finanzkraft verloren, wie ein Sprecher sagte. Um die drohende Insolvenz abzuwenden, will die Betriebskrankenkasse nun auf Partnersuche gehen. Nun soll eine BKK gefunden werden, die zur Fusion bereit ist. Ende Mai, Anfang Juni werde sich zeigen, ob es Interesse gebe, heißt es. Der Sprecher betonte aber, dass es nicht zu einer Schließung wie bei der City BKK kommen werde.

Die City BKK mit knapp 140.000 Versicherten wird als erste Krankenkasse nach dem Start des Gesundheitsfonds geschlossen, und zwar zum 1. Juli 2011. Die Kasse hatte zuletzt von ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag in Höhe von 15 Euro verlangt. Dadurch hatte sich die Finanzlage aber nur weiter verschärft, da vor allem junge, gesunde Mitglieder zu günstigeren Kassen wechselten.

Nachdem nun die Schließung bekannt wurde, müssen sich die verbliebenen Versicherten der City BKK eine neue Kasse suchen. Doch das bereitet ihnen derzeit reichlich Ärger. Denn sie werden reihenweise von anderen Kassen abgewimmelt. Der neue Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zeigte sich empört: "Dieses Vorgehen der Krankenkassen ist unerhört, und dieses Vorgehen ist rechtswidrig", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Freitag in Berlin. Die Versicherten der City BKK hätten das Recht, ihre künftige Krankenkasse frei zu wählen. Bahr werde deshalb noch im Laufe des Tages mit der Vorsitzenden des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), Doris Pfeiffer, telefonieren.

Pfeiffer sagte: "Alle Mitglieder der City BKK haben das Recht, sich ihre neue Krankenkasse frei zu wählen." Sie erwarte von jeder Kasse, dass sie selbstverständlich alle, der bei ihr Mitglied werden möchte, mit offenen Armen aufnehme. "Alles andere wäre unsolidarisch und unakzeptabel."

System gerät ins Wanken

Die City BKK muss kein Einzelfall bleiben. Weitere Schließungen oder Insolvenzen sind nicht ausgeschlossen. "Es gibt Kassen mit Schwierigkeiten", sagte der Sprecher des Bundesversicherungsamtes in Bonn, Tobias Schmidt.

Dass gleichzeitig viele Versicherte den Wechsel in anderen Kassen überlegen, könnte das System immer mehr ins Wanken bringen. "Je mehr Kassen geschlossen werden müssen, desto stärker belasten die Schließungskosten das System", sagte der Vorstandschef der Krankenkasse KKH-Allianz, Ingo Kailuweit. Allein daraus ergebe sich die Notwendigkeit weiterer Zusatzbeiträge. Er warnte davor, dass im kommenden Jahr die Mehrheit der Kassen solche Zusatzbeiträge erheben könnte: "Im kommenden Jahr dürften die Kassen mit vier bis fünf Milliarden Euro unterfinanziert sein. 70 bis 80 Prozent müssten dann Zusatzbeiträge nehmen", sagte Kailuweit.

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tav/DPA / DPA