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Krankenkassen verzichten auf Zusatzbeitrag Gesundheit ohne Extrakosten


Die meisten Krankenkassen werden 2012 den Zusatzbeitrag wieder streichen. Vom Tisch ist er damit noch lange nicht. Wer seine Kasse wechseln will, sollte ohnehin auf die Leistungen achten.
Von Tanja Vedder

Millionen Versicherte dürfen sich freuen: Alle Gesetzlichen Krankenkassen, die bisher einen Zusatzbeitrag verlangt haben, werden diesen im kommenden Jahr höchstwahrscheinlich wieder abschaffen. Den Stein ins Rollen brachte im Herbst die DAK. Kurz nach der Fusion mit der BKK Gesundheit und Springer BKK verkündete die neugeschaffene Großkasse fast stolz das Ende ihres Zusatzbeitrags zum kommenden April. Es war wie ein Befreiungsschlag: 8 Euro pro Monat – sie waren der Klotz am Bein, der die DAK in die Krise gestürzt hatte. In Scharen waren der Kasse die Mitglieder weggelaufen, vor allem die gesunden und gutverdienenden.

Eine Pleite konnte die DAK durch ihre Größe und die Fusion vermeiden. Andere schafften es nicht. Die City BKK und die BKK Heilberufe mussten schließen. Das Desaster zeigt: Der Zusatzbeitrag, der - so die Idee der Politik - eigentlich den Wettbewerb der Kassen anfeuern sollte, war ein Fehlzünder.

Kassenwechsel kann sich lohnen

Und nun? Der Zusatzbeitrag war für viele Patienten in den vergangenen zwei Jahren zum vorrangigen Unterscheidungskriterium geworden. Nicht die Leistung einer Kasse zählte, sondern nur, ob sie dafür monatlich 8 bis 15 Euro mehr vom Patienten verlangte oder nicht. "Wenn der Zusatzbeitrag nun wegfällt, müsste für den Versicherten folgerichtig wieder die Leistung seiner Kasse im Vordergrund stehen. Das wäre zumindest wünschenswert", sagt Anke Kirchner, Gesundheitsexpertin der Verbraucherzentral Nordrhein-Westfalen.

Immerhin bekommen die Krankenkassen mit dem ab Januar gültigen Versorgungsstrukturgesetz mehr Möglichkeiten zum Leistungswettbewerb. "Die Kassen können Leistungen in ihren Katalog aufnehmen, die dem Patienten einen echten geldwerten Vorteil bieten", so Kirchner. Dazu gehöre beispielsweise die Kostenübernahme für rezeptfreie Medikamente wie etwa homöopathische Arzneien oder die verlängerte Zahlung einer Haushaltshilfe. "Wem als Versicherten solche Leistungen wichtig sind, der sollte künftig genau vergleichen", betont die Verbraucherschützerin.

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Kassen warnen vor weiteren Pleiten

Finanziell können es sich viele Kassen derzeit tatsächlich leisten, mehr Service anzubieten. Bis Jahresende erwirtschafteten die 153 Gesetzlichen Krankenversicherer in Deutschland einen Überschuss von 3,9 Milliarden Euro. Ein auf den ersten Blick komfortables Polster. Doch die Branche freut sich darüber nur mäßig. Denn der aktuelle positive Trend werde nicht lange anhalten, sagen Kassenvertreter unisono. Schon für 2013 rechnen die Gesetzlichen Krankenkassen wieder mit finanziellen Engpässen. Der Gesundheitsfonds werde dann nicht mehr ausreichen, um alle Kosten abdecken zu können, sagte Christoph Straub, Vorstandschef der Barmer GEK, unlängst auf einem informellen Treffen der Branche. Die Milliarden-Reserve reiche gerade einmal für 17 Tage, so Kassenverbandschefin Doris Pfeffer. Deshalb warnen die Betriebskrankenkassen schon einmal vorsorglich vor neuerlichen Kassenpleiten.

Wahljahr 2013 entscheidend

Für die 70 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland bedeutet das vor allem eins: Der Zusatzbeitrag ist noch lange nicht aus der Welt. Mit einer Wiedergeburt ist allerdings nicht vor der Bundestagswahl im Jahr 2013 zu rechnen.

SPD und Grüne haben sich konsequent gegen diese Konstruktion ausgesprochen. Die amtierende Regierung spricht sich weiter für den Zusatzbeitrag aus. Doch zumindest bis zur Wahl dürfte sich Schwarz-Gelb wohl eher bemühen, das Thema aus dem kollektiven Gedächtnis zu verbannen. KKH-Allianz-Chef Ingo Kailuweit zum Beispiel glaubt, dass die Regierung zunächst lieber neues Steuergeld zu den Kassen pumpen oder die Reserve des Gesundheitsfonds anknabbern wird. Nicht ausgeschlossen, dass sie den Zusatzbeitrag dann sogar flächendeckend einführen würde, bliebe sie im Amt. Der Wahlausgang wird also über die Zukunft des Zusatzbeitrags entscheiden.

mit DPA

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