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Warum immer mehr Frauen Jägerinnen werden

Dass ihr Hund mehr Bewegung braucht, ist für viele Frauen einer der Gründe, warum sie zur Jagd gehen. Ein anderer die Neugier, wie das Fleisch, das auf den Tisch kommt, vorher gelebt hat.

  Christina Jehle, Tierärztin und Referentin beim Landesjagdverband, und ihr Hund Paula, ein Großer Münsterländer

Christina Jehle, Tierärztin und Referentin beim Landesjagdverband, und ihr Hund Paula, ein Großer Münsterländer

Vor allem Frauen erobern zunehmend Feld und Flur: Rund zehn Prozent der Jagdscheinbesitzer in Deutschland sind weiblich. Ende der 1980er Jahre war es noch knapp ein Prozent. "Die Emanzipation hat auch Einzug gehalten in der Jagd. Es gibt keinen Grund, warum Jagd eine Männerdomäne sein soll", sagte Reinwald. In den Kursen für die Jägerprüfung säßen heute teils 30 bis 40 Prozent Frauen.

374.084 Menschen waren bundesweit in der Saison 2014/2015 im Besitz eines Jagdscheins – und damit nach Angaben des Deutschen Jagdverbands so viele wie nie zuvor. Im Jagdjahr 2013/2014 (April bis März) zählte der Bundesverband noch 369.314 Jagdschein-Inhaber. Seit der Wiedervereinigung sei die Zahl der Jäger sogar insgesamt um rund 20 Prozent gestiegen, sagte Verbandssprecher Torsten Reinwald. 

Woher kommt mein Fleisch?

Im Schnitt kommen bundesweit 216 Einwohner auf einen Jäger – in Berlin sind es 1198 Einwohner pro Jäger, in Niedersachsen nur 130. Besonders Menschen aus der Stadt interessierten sich zunehmend für die Jagd, sagte Armin Liese, Sprecher des Landesjagdverbandes Baden-Württemberg: "Die möchten wissen, wie das Fleisch auf dem Teller vorher gelebt hat." 

Auch der Wunsch nach gesunder Ernährung ziehe immer mehr Menschen in den Wald. "Meine Hauptmotivation ist, Beute zu machen, ich will mit einem Stück Fleisch nach Hause kommen", sagte Reinwald. Es gebe in der Gesellschaft einen Trend zu lokalem, regionalem Essen, zu "Slow Food" – also genussvollem, bewussten Essen. "Wildfleisch erfüllt alle diese Kriterien. Und wenn es gut läuft, hören die Tiere nicht einmal mehr den Schuss."

Jäger verstehen sich als Anwälte des Wildes

Gleichzeitig werde die Jagd in der Gesellschaft mehr hinterfragt als früher. "Tod ist ein Tabuthema geworden, das Fleisch kommt aus dem Supermarkt. Das Wissen um die natürlichen Zusammenhänge müssen wir vermitteln", sagte Liese vom Landesverband. Tiere müssten geschossen werden für den Artenschutz, wegen der Wildschäden, der Biodiversität. "Wir verstehen uns als Anwalt des Wildes", sagte er.

Der wachsende Frauenanteil wird in der Szene gerne gesehen. "Eine Frau jagt tendenziell zurückhaltender und hinterfragt das jagdliche Tun in anderer Weise", sagte etwa Jörg Friedmann, Landesjägermeister aus Baden-Württemberg. Auch schössen Frauen sehr überlegt. "Ich empfinde das als Bereicherung der Jagd." 

Durch den Hund auf die Jagd gekommen

"In vielen Belangen sind Frauen die besseren Jäger", betonte auch Reinwald vom Bundesverband. Überproportional viele Frauen kämen über den Hund zur Jagd. "Sie legen sich einen Hund zu, weil er hübsch ist, und dann tanzt er ihnen auf dem Kopf rum, will ausgelastet werden." Dann bildeten sie die Tiere aus – und machten die Jagdprüfung.

bal/DPA
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