Schon bei seiner Geburt löste er nicht nur Entzücken aus, sondern auch beißenden Spott und den Zorn ernsthafter Gartenarchitekten - der Gartenzwerg.

Seit 130 Jahren in den Vorgärten:der Gartenzwerg© dpa
Schon bei seiner Geburt löste er nicht nur Entzücken aus, sondern auch beißenden Spott und den Zorn ernsthafter Gartenarchitekten. Und noch heute, an seinem 130. Geburtstag, scheiden sich die Geister am deutschen Gartenzwerg. Mit der serienmäßigen Produktion im thüringischen Gräfenroda begann 1872 eine lange Geschichte von Sammlerstolz, Verachtung und erbittertem Streit zwischen Nachbarn. Dem »Hartbrandwichtel«, wie ihn Juristen nennen, widmen die Künstlerin Andrea Szatmary und die Kulturwissenschaftlerin Claudia Rücker zum Jubiläum eine Ausstellung in Berlin.
Unter dem Motto »Geliebt und verspottet« haben sie eine Sammlung zur Geschichte des umstrittenen Objekts zusammengestellt. Farbenfrohe Garten-Fotos aus Zwergenperspektive von Ruth Zuntz, Erotik-Gnome in Peep-Show-Kästen, Prozessakten, riesige rote Filzmützen, Interview- Ausschnitte von Wichtel-Besitzern aus dem Ruhrgebiet, Berlin und Thüringen bis hin zu einem 100-jährigen Zinkzwerg aus dem Bochumer Bergbaumuseum sind zu sehen.
»Es war vor allem der polarisierende Charakter des Gartenzwergs, der unser Interesse weckte«, sagen die Ausstellungsmacherinnen. Der Streit beginne schon bei der Frage der Herkunft: Manche behaupten, das »Männlein aus Ton« sei vor 6000 Jahren in Kappadokien erfunden worden und somit der erste »türkische Gastarbeiter« in Deutschland.
Rund 25 Millionen Gartenzwerge stehen heute laut Rücker allein in Deutschland. »Ein deutsches Phänomen ist er aber schon lange nicht mehr. In Frankreich gibt es Zwergenbefreier, in der Schweiz eine Schutzvereinigung und in England sogar das einzige Reservat für Gartenzwerge«, sagt die Wichtelexpertin. Ausgestellt haben sie auch die Polaroid-Fotos des weltreisenden Gartenzwergs aus dem Film »Die fabelhafte Welt der Amélie«, wie er vor dem Kreml, den Pyramiden oder einem griechischen Tempel posiert.