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Kinostart "Gnomeo und Julia": Shakespeare von und mit Gartenzwergen

William Shakespeares "Romeo und Julia", eine der berühmtesten Liebesgeschichte überhaupt, hat einen rot-blauen Anstrich erhalten: Im Disney-Film "Gnomeo und Julia - Liebe versetzt Zwerge" verlieben und bekämpfen sich Gartenzwerge.

Kinotrailer: "Gnomeo und Julia"

Der Film ist so abgedreht wie sein Titel: In "Gnomeo und Julia" müssen rot und blau bemützte Gartenzwerge als unsterblich Verliebte und als bitter verfeindete Familien herhalten. Sir Elton John liefert die Musik, Zeichentrickkünstler die 3D-Animation, das Walt Disney Studios den Verleih. Gleich zu Beginn erfahren die Zuschauer, dass diese Geschichte schon viele Male erzählt wurde. Doch so schräg gab es sie noch nie.

Die Hauptfiguren der skurrilen Gartenzwergidylle: ein draller Gnom-Romeo mit weißem Kinnbärtchen, Julia mit Stupsnase und roten Bäckchen, eine Springbrunnen-Froschfrau als ihre engste Vertraute, ein verblichener Plastik-Flamingo, der die Verliebten - wie Pater Lorenzo im Shakespeare-Original - unter seine Fittiche nimmt. Die Nebenrollen besetzt ein Heer aus verfeindeten Zwergen, darunter ein braun gebrannter Wicht im Tanga, die sich wilde Rasenmäherschlachten liefern.

Neun Drehbuchautoren haben sich im Laufe vieler Jahre die Gags ausgedacht, "Shrek 2"-Schöpfer Kelly Asbury inszenierte die Story. Dabei gab Elton John als ausführender Produzent und mit alten Songs wie "Crocodile Rock", "Your Song", "Don't Go Breaking My Heart" den Ton an. Der britische Musiker schrieb auch eigens zwei neue Lieder, darunter "Hello Hello".

Die animierte Action spielt allerdings nicht im italienischen Verona, wo einst Shakespeare seine beiden Liebenden in den Freitod trieb. Als Kulisse dient vielmehr ein Doppelreihenhaus in Shakespeares Geburtsstadt Stratford-upon-Avon mit den zerstrittenen Nachbarn Frau Montague und Herrn Capulet. In ihren kitschigen Gärten tobt eine noch schlimmere Fehde, zwischen den Rotmützen von Graf Zinnoberrot und den Blaumützen von Gräfin Blaublut, nur durch einen Zaun getrennt.

Zur Beruhigung der Eltern junger Zuschauer vorneweg: Gnomeo und Julia landen nicht zerbrochen auf dem Abfallhaufen, doch ihr Liebesweg ist mit Tonscherben bestückt. Es rollen die Keramikköpfe der Gnome, ein dröhnender "Terrafirminator" (Arnold Schwarzeneggers "Terminator" stand Pate) geht als Monster-Rasenmäher auf zerstörerische Fahrt. Selbst Shakespeare bekommt seinen Dreck ab, als die sprechende Schriftstellerstatue in einem Park von Vogelkot getroffen wird.

Immer wenn die Gartenbesitzer nicht hinschauen, werden die starren Zwerge munter, doch leider nicht so lebendig, wie zum Beispiel die Spielzeuge aus der Pixar-Serie "Toy Story". "Gnomeo und Julia" fehlt die Wärme und Menschlichkeit von Woody, Buzz und ihren Gefährten. Mit denen zittert und freute man sich richtig mit, den Zwergen dagegen nimmt man ihre Gefühle nicht ab. Es bleibt bei unterhaltsamen Witzen, kitschigen Liebesszenen und Tonscherben-Action.

Die Macher konnten dennoch hochkarätige Schauspieler für die Original-Stimmen einspannen. In der englischen Fassung sind James McAvoy als Gnomeo, Emily Blunt als Julia und Michael Caine als Graf Zinnoberrot zu hören. In der deutschen Version werden Bürger Lars Dietrich zu Gnomeo und Komödiantin Anke Engelke zur Froschfrau Nanette.

Auf dem nordamerikanischen Markt spielte "Gnomeo and Juliet" bei mäßigen Kritiken seit Anfang Februar knapp 90 Millionen Dollar (rund 64,5 Millionen Euro) ein. Damit muss sich das ganze Heer von Gartenzwergen gegen "Toy Story 3" haushoch geschlagen gegeben. Die anminierten Spielzeuge verdienten im vorigen Sommer sensationelle 415 Millionen Dollar (etwa 297,6 Millionen Euro) - ohne die Zugkraft von Elton John und einer weltberühmten tragischen Liebe.

Barbara Munker, DPA / DPA