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"Romeo feat. Julia": Shakespeare in neuem Gewand

Ein klassisches Orchester macht gemeinsame Sache mit Rappern, Hip-Hop-Musikern und Tänzern. Die bekannteste Liebesgeschichte der Weltliteratur kommt neu in Schwung.

Es ist ein ungewohntes Bild, es sind ungewöhnliche Klänge: Ein Orchester mit klassischer Musik spielt gemeinsam mit jungen Rappern und einer Hip-Hop-Band. Zur Musik tanzen 120 Schüler. Das Sinfonieorchester des Südwestrundfunks (SWR) interpretiert den Klassiker "Romeo und Julia" neu. Gemeinsam mit Nachwuchsrappern ist in Freiburg das Musikprojekt "Romeo feat. Julia" entstanden. Immer mit dabei: Kameras des KiKA. Dort wird die musikalische Grenzüberschreitung im Oktober zur täglichen TV-Doku.

"Es stoßen Welten aufeinander. Und das Schöne ist: Es funktioniert", sagt François-Xavier Roth, Chefdirigent des SWR-Sinfonieorchesters. Er hat die musikalische Leitung des Projekts. In einer alten Lokhalle im Freiburger Güterbahnhof sorgen die Orchestermusiker für den klassischen Part der Inszenierung, bringen das bekannte und bewährte Stück von William Shakespeare (1564-1616) auf die Bühne. Doch "Romeo und Julia" haben sich verändert, sind auf der Höhe der Zeit: 415 Jahre nach seiner Veröffentlichung bekommt Shakespeares Werk ein neues Gewand.

"Musikalische Grenzen werden aufgehoben", sagte Projektleiterin und Regisseurin Sigrun Fritsch. Acht junge Rapper sind mit dabei, sie wurden Anfang des Jahres deutschlandweit gecastet. Der Abiturient Kelvyn Ajala aus Wiesbaden spielt den "Romeo". Im Deutschrap und mit rhythmischen Bewegungen wirbt er um die Liebe seines Lebens. Die Orchestermusik passt dazu, fügt sich ein.

Respekt auf beiden Seiten

"Es ist ungewohnt", sagt der 18-Jährige. Als Rapper muss er sich auf den Stoff und das Orchester einstellen. "Ich kann hier nicht den Gangster-Rapper geben, das würde nicht passen und zudem dem Original schaden." Denn authentisch soll die vor mehr als vier Jahrhunderten entstandene Geschichte bleiben - auch wenn sie gerappt wird.

Das Projekt soll Jugendliche an einen klassischen Stoff heranführen und gleichzeitig jugendliche Musik in den Fokus rücken. "Wir wollen, dass Alt und Jung gemeinsam verstehen, was Sache ist", sagt der Rap-Coach Robin Haefs. Die Musik soll verbinden, nicht trennen. "Schon das gemeinsame Proben und Experimentieren hat gezeigt, dass Musik, die gemeinsam gemacht wird, zusammenführt." Es sei schnell gegenseitiges Verständnis entstanden. "Respekt, wie es Rappern wichtig ist, gab es von Beginn an auf beiden Seiten."

Aufgeführt wird das Stück am Wochenende in Freiburg. Doch im Zentrum steht das Fernsehen. Vom 1. Oktober an wird im KiKa die tägliche TV-Dokumentation "Romeo feat. Julia" ausgestrahlt. Sie enthält 20 Folgen und berichtet über das musikalische Projekt, von der Entstehungsidee bis zu den zwei Aufführungen. Auch der SWR plant Ende September in seinen Programmen TV- und Radiodokumentationen.

Jürgen Ruf, DPA / DPA