HOME

Deutscher Pavillon begeistert Chinesen: Erinnerungsfoto mit Gartenzwerg

Rund 40.000 Besucher haben alleine an den ersten zwei Tagen nach der Expo-Eröffnung in Shanghai den deutschen Pavillon "Balancity" besucht.

Lange Schlangen, große Neugier und Volksfeststimmung: Die größte Weltausstellung der Expo-Geschichte in Shanghai nimmt die Gäste mit auf eine bunte Reise um die Welt. Schon am Wochenende besuchten knapp eine halbe Million Menschen die Pavillons von knapp 250 Ländern und Organisationen. Problemlos bewältigten die Sicherheitskontrollen den Besucherstrom, der zum Auftakt allerdings auch noch weit unter den Erwartungen lag. Dennoch bildeten sich lange Schlangen vor den Pavillons.

Die Wartezeiten von bis zu vier Stunden - bei hochsommerlichen Temperaturen - sorgten auch für Enttäuschung. "Es ist Zeitverschwendung", klagte eine Besucherin aus der Nachbarstadt Hangzhou. "Wir sind nur einen Tag hier." Trotzdem waren die Reaktionen auf die Expo insgesamt sehr positiv, standen die Menschen immer wieder erstaunlich geduldig an. "Es ist toll, dass so viele Staaten hier ihre Technologie und Kultur zeigen", sagte ein 21- jähriger Student aus Shanghai. "Viele Chinesen können ja nicht so einfach ins Ausland reisen, aber hier können sie viel von den Ländern sehen und so etwas wie eine Weltreise machen."

Neben der Selbstdarstellung der Nationen geht es unter dem Motto "Eine bessere Stadt, ein besseres Leben" um nachhaltige Stadtentwicklung. Mit der höchsten Teilnehmerzahl, dem größten Gelände und erwarteten 70 Millionen Besuchern in den nächsten sechs Monaten soll die Weltausstellung in der Hafenmetropole alle Rekorde in der 159-jährigen Expo-Geschichte schlagen. Für den Eröffnungstag waren 350 000 Karten vergeben worden - es kamen allerdings nur 204 000 Besucher. Ein Drittel habe ihren Besuch "verschoben", meinten die Organisatoren, ohne Gründe zu nennen.

Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao nutzte die Anreise von mehr als 20 Staats- und Regierungschefs zur Expo-Eröffnung für politische Gespräche. Er traf sich etwa mit Südkoreas Präsident Lee Myung Bak und Nordkoreas Nummer Zwei, Parlamentschef Kim Yong Nam, um die innerkoreanische Aussöhnung voranzubringen.

Nach chaotischen Szenen beim Probelauf lief die Eröffnung weitgehend reibungslos. Geradezu belagert wurde der kubisch geformte deutsche Pavillon unter dem Motto "Balancity - Die Stadt im Gleichgewicht". Rund 40 000 Besucher machten dort an den ersten zwei Tagen einen Rundgang. "Deutschland ist die Nummer Eins", begründete ein Chinese, warum er sich zuerst bei den Deutschen angestellt habe. "Von Deutschland können wir lernen." Lange Wartezeiten seien unvermeidlich, sagte die deutsche Sprecherin Marion Conrady. "Es ist uns wichtig, dass im Pavillon eine Atmosphäre herrscht, in der sich die Leute in Ruhe ansehen können, was sie möchten"

Vieles ist zum Anfassen und Erleben. "Es ist großartig", sagte etwa Frau Song aus Shanghai. "Hoch interessant", lobte sie die Exponate, mit denen sich Deutschland als innovative Nation darstellt. "Alles sehr deutsch." Mit den interaktiven Bildschirmen, die über Abwasserprobleme oder Windenergie aufklären, tat sie sich allerdings etwas schwer: "Ich habe versehentlich Deutsch eingestellt." Auch die EU-Außenkommissarin Catherine Ashton zeigte sich bei einem Besuch "tief beeindruckt", wie gut sich die Deutschen mit dem Expo-Thema der nachhaltigen Stadtentwicklung auseinandersetzen.

Sehr beliebt waren auch Fotomotive, vor denen sich die Chinesen ablichten ließen. Vor einem Bild von Schloss Neuschwanstein ließen sich ein kostümierter "König Ludwig" und eine "Sissy" lächelnd mit Besuchern ablichten. Der Parteichef der Provinz Sichuan, Liu Qibao, winkte aber bei den Bayern ab und zog ein Erinnerungsfoto mit einem Gartenzwerg vor. Spektakulärer Schlusspunkt des Pavillons ist die "Energiezentrale", wo jeweils 600 Besucher eine 1,2 Tonnen schwere, leuchtende Wunderkugel an einem Pendel durch Gesten und gemeinsames Rufen zum Schwingen. Auf der drei Meter großen Kugel stellen 400 000 LED-Punkte Farben, Formen und auch Bilder von Natur oder Städten dar - auch der Mauerfall kommt in der beeindruckenden Show vor.

Schon früh am Tag erlebte das deutsche Restaurant einen Ansturm. Am beliebtesten war die "Spezialitätenplatte" mit Rostbratwürsten, Kasseler Rippenspeer, Rauchwürstchen und Sauerkraut für 159 Yuan, umgerechnet 17 Euro. 20 Tonnen Sauerkraut und fünf Tonnen Rotkohl sind für die sechs Expo-Monate bestellt. "Wir haben den Pavillon noch nicht gesehen, aber wollten erst mal das Essen ausprobieren, bevor es am Mittag zu voll wird", sagte ein Chinese, der mit seiner Familie schon am Vormittag Schweinshaxe und Bratwürste bestellt hatte. "Wir haben noch nie Deutsch gegessen", prostete er zufrieden mit seinem Weizenbier. "Schmeckt sehr gut."

Andreas Landwehr, DPA / DPA