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13. Februar 2005, 11:08 Uhr

"The Gates" öffnet seine Tore

Mit Begeisterung ist im New Yorker Central Park das neue Großkunstprojekt "The Gates" ("Die Tore") von Christo und Jeanne-Claude eröffnet worden. Nur 16 Tage werden die 7500 goldgelben Tore zu sehen sein.

37 Kilometer ziehen sich die Tore durch den Central Park© Don Emmert/AFP

Überwältigend, phänomenal, fabelhaft, cool. Schier endlos und überaus facettenreich sind die Lobeshymnen auf das Großkunstwerk "Die Tore" von Christo und Jeanne-Claude, das am Wochenende Tausende von New Yorkern und Gäste der Stadt für sich in Besitz nahmen. "Dies ist Kunst, die man sich erlaufen muss", hatte Christo kurz vor der Eröffnung am Samstag gesagt. Und die Menschen folgten seinem Rat. Bei strahlendem Sonnenschein marschierten sie in langen Reihen unter den 7500 goldgelben Toren hindurch, die auf einer Gesamtstrecke von 37 Kilometern einen malerischen Kontrast zum strahlend blauen Himmel boten.

Gelungener hätte der Auftakt für das bislang größte und möglicherweise auch das bedeutendste Freiluftkunstwerk des noch jungen 21. Jahrhunderts kaum ausfallen können. Mehr als ein Vierteljahrhundert nach der ersten Christo-Skizze zum "Tore"-Projekt, nach unzähligen Kämpfen mit einer abweisenden New Yorker Bürokratie, ist am Ende ein Werk höchster Vollendung und Harmonie entstanden, obendrein eines, das die Menschen so unmittelbar und individuelle erleben können, wie kaum ein anderes Stück Kunst.

25 Jahre lang hatten Christo und Jeanne-Claude auf die Verwirklichung ihres "Tore"-Projektes warten müssen© Spencer Platt/Getty

"Schaut nur, schaut!"

"Schaut Euch dieses Leuchten an, schaut nur, schaut!", rief Christo begeistert aus, als die safrangelben Stoffbahnen am Samstagmorgen von ihren nahezu fünf Meter hohen gleichfarbigen Gerüsten herabgelassen wurden. Hunderte hatten zuvor lautstark den Countdown "Five,Four, Three, Two, One!" mitgezählt, ehe New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg mit einer langen Metallstange genau um 8.31 Uhr Ortszeit die erste Stoffbahn herabrollte.

Bloomberg hat maßgeblichen Anteil daran, dass die Behörden der Millionenmetropole das zum ersten Mal bereits 1979 beantragte Werk schließlich doch noch genehmigten. In Anspielung an das lange Ringen um das Großkunstwerk werden in dessen offiziellem Titel "The Gates, Central Park, New York City, USA 1979-2005" die Jahre von der Idee bis zur Fertigstellung genannt.

Die Tore im Central-Park aus der Vogelperspektive: "unwahrscheinlich poetisch"© Chip East/Reuters

"Goldenes Dach" für den Central-Park

Nachdem die rund 600 Projekthelfer von Tor zu Tor die "Befreiung" der aufgerollten Stoffbahnen vollzogen hatten und der gesamte Central Park safrangelb erblühte, war das Lob völlig einhellig. "Der Park erblüht mitten im Winter", jubelte die "New York Times". "Die Tore sind ein Werk der puren Freude."

Christo und Jeanne-Claude gelang es, durch Amerikas berühmtesten Stadtpark ein riesiges Wege-Netz goldener Ströme aus Stoff zu ziehen. Die beiden 69 Jahre alten Künster, die unter anderem mit der Verhüllung des Reichstags in Berlin Weltruhm erlangten, sprachen von einem "goldenen Dach", das über den Parkwegen "warme Schatten" werfe. Allerdings werde sicher jeder Betrachter seine eigene Vision und Deutung des Kunstwerkes haben, fügten sie bei einer Pressekonferenz hinzu. "Uns geht es um die Schönheit, aber jeder soll sie für sich selbst erleben", sagte Jeanne-Claude.

"Unwahrscheinlich poetisch"

Zu den ersten, die bereits am Samstag in stundenlangen Fußmärschen wenigstens einen Teil der 37 goldgelben Kilometer abliefen, gehörten Gruppen von Christo-Fans aus vielen US-Bundesstaaten und zahlreichen Ländern der Welt. "Ich war seit 1983 bei allen seinen Werken", sagte David Yust, Kunstprofessor der Colorado State University. "Christo und Jeanne-Claude gehören zu den letzten wirklichen Idealisten auf unserer Erde."

"Diese Werk ist fabelhaft und unwahrscheinlich poetisch", fügte Susanna Altobelli, eine Christo-Verehrerin aus Italien, hinzu. "Dafür hole ich mir doch gern kalte Füße", scherzte Robert Fuller, einer der Sicherheitsbeamten, die das Projekt rund um die Uhr bewachen. Hunderte Polizisten zu Fuß, auf Pferden, mit Motorrollern, Autos und Hubschraubern sind dafür im Einsatz.

Thomas Burmeister/DPA

 
 
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