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"Super Tuesday" in den USA: Joe Bidens spektakuläres Comeback: "Ich bin nicht tot. Ich bin zurück"

Ex-Vizepräsident Joe Biden gelingt im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten eine überraschende Aufholjagd. Doch wer gegen Donald Trump antritt, ist längst nicht entschieden. Auch Bernie Sanders ist zuversichtlich.

Joe Biden siegt am "Super Tuesday": Was das für Donald Trump bedeutet, erklärt unser stern-Korrespondent

Der ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden hat bei den Vorwahlen der oppositionellen Demokraten am "Super Tuesday" ein fulminantes Comeback geschafft. Prognosen zufolge gewann der 77-jährige Vertreter der politischen Mitte an dem Superwahltag in mindestens neun der 14 Bundesstaaten, in denen abgestimmt wurde. Sein linksgerichteter Konkurrent Bernie Sanders siegte demnach am Dienstag mindestens in drei Bundesstaaten. Enttäuschend verliefen die Vorwahlen für den Medienmilliardär Michael Bloomberg.

US-Medien erklärten Biden in Alabama, Arkansas, Massachusetts, Minnesota, North Carolina, Oklahoma, Tennessee und Virginia zum Sieger. Auch im zweitwichtigsten Bundesstaat Texas hat er laut Prognosen gewonnen.

Der 78-jährige Sanders, der zuletzt die landesweiten Umfragen angeführt hatte, gewann demnach in Colorado, Utah und in seinem Heimatstaat Vermont. Das Ergebnis aus Kalifornien stand am Morgen deutscher Zeit noch aus, allerdings dürfte Sanders in diesem - wichtigsten - Bundesstaat vorn liegen, hieß es zuletzt.

Kalifornien kommt am "Super Tuesday" eine Schlüsselrolle zu

Der Super-Dienstag ist im Präsidentschaftsrennen der Demokraten von zentraler Bedeutung. Vergeben werden rund ein Drittel der Delegierten, die bei einem Parteitag im Juli über den Herausforderer von Präsident Donald Trump entscheiden - 1357 von insgesamt 3979. Allein in Kalifornien werden 415 Delegierte vergeben und damit mehr als in jedem anderen Bundesstaat. Verteilt werden die Delegierten anteilig unter den Bewerbern, die mehr als 15 Prozent der Stimmen erhalten.

Biden zeigte sich am Wahlabend glücklich über die Ergebnisse: "Das ist ein guter Abend", sagte er vor Anhängern. "Und es scheint, dass es sogar noch besser wird." Sein Comeback kommentierte Biden mit den Worten: "Sie haben mich noch nicht beerdigt, ich bin nicht tot. Ich bin zurück."

Mit South Carolina begann die Siegesserie von Joe Biden

Der 77-Jährige hatte bei den ersten beiden Vorwahlen im Februar in Iowa und New Hampshire noch miserabel abgeschnitten, sich dann aber gefangen. Am vergangenen Samstag gewann er die Abstimmung in South Carolina. Danach bekam der einstige Stellvertreter von Präsident Barack Obama weiteren Aufwind: Kurz vor dem Super-Dienstag stellten sich die ausgeschiedenen Bewerber Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und Beto O'Rourke hinter ihn. Damit vereinte sich das moderate Demokraten-Lager zunehmend hinter Biden - was sich jetzt auch an den Wahlurnen niederschlug.

Das interne Rennen der Demokraten hat sich mit dem "Super Tuesday" weiter zu einem Wettbewerb zwischen dem moderaten und dem linken Flügel zugespitzt. Viele Demokraten halten den 78-jährigen Sanders für zu links und fürchten, er hätte als Präsidentschaftskandidat keine Chance gegen Trump.

Der selbsternannte "demokratische Sozialist" zeigte sich am Wahlabend aber siegessicher: Er habe "absolutes Vertrauen" in seinen Sieg, sagte der Senator vor jubelnden Anhängern. Allerdings zerschlugen sich seine Hoffnungen, seinen Rivalen am Super-Dienstag davonziehen zu können.

Michael Bloomberg muss verheerende Niederlage einstecken

Schlecht verlief der Wahlabend für den früheren New Yorker Bürgermeister Bloomberg. Der Milliardär konnte zunächst nur im US-Außengebiet Amerikanisch-Samoa gewinnen, in dem am Dienstag ebenfalls gewählt wurde.

Der 78-Jährige hatte die ersten vier Vorwahlen ausgelassen und war erst zum "Super Tuesday" in die Vorwahlen eingestiegen. Er hat Hunderte Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen in den Wahlkampf gesteckt. Präsident Trump spottete im Kurzbotschaftendienst Twitter, Bloomberg sei "der größte Verlierer" des Wahltags.

Ebenfalls schwach schnitt die linksgerichtete Senatorin Elizabeth Warren ab. So konnte sie nicht in ihrem Heimatstaat Massachusetts gewinnen, den sie im Senat vertritt. Im Rennen war außerdem - ohne jede Aussicht auf Erfolg - die Abgeordnete Tulsi Gabbard.

Die Vorwahlen der Demokraten gehen noch bis Anfang Juni. Ihren Präsidentschaftskandidaten wird die Partei dann bei einem Parteitag im Juli offiziell nominieren. Für einen Sieg im ersten Wahlgang sind die Stimmen von 1991 Delegierten nötig. Die Präsidentschaftswahl findet am 3. November statt.

anb / AFP