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US-Präsidentschaftswahlkampf: Letzte Vorwahl vor dem "Super Tuesday": Warum South Carolina so wichtig für die Demokraten ist

Acht Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten sind noch im Rennen. Sieben von ihnen stehen nun bei der Vorwahl in South Carolina auf dem Wahlzettel. Der Bundesstaat gilt generell als einer der wichtigsten im Vorwahlkampf. Wieso?

Anhängerin von Bernie Sanders hält eine Maske mit dem Konterfei des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers in Händen

Eine Anhängerin von Bernie Sanders hält in South Carolina eine Maske mit dem Konterfei des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers in Händen. Kann er die Vorwahl in dem Bundesstaat gewinnen?

DPA

Im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur der Demokraten wird am Samstag im Bundesstaat South Carolina die vierte Vorwahl abgehalten. Dabei dürfte es vor allem darauf ankommen, wer die meisten afroamerikanischen Wähler überzeugen kann – rund 60 Prozent der demokratischen Wählerschaft in dem Südstaat sind Schwarze.

Umfragen sehen den früheren Vizepräsidenten Joe Biden, 77, als Favoriten, der bei den drei bisherigen Vorwahlen enttäuschend abgeschnitten hat und daher dringend auf einen Erfolg angewiesen ist. An zweiter Stelle liegt in dem Bundesstaat demnach Senator Bernie Sanders, 78, der sich selbst als demokratischer Sozialist bezeichnet. Er konnte bislang zwei Siege für sich verbuchen und führt das Feld der Bewerber in landesweiten Umfragen an. 

Letzte Wahl vor dem wichtigen "Super Tuesday"

Die Vorwahl ist die letzte vor dem "Super Tuesday" am kommenden Dienstag. Dabei werden mehr als ein Drittel aller Delegierten vergeben, die im Sommer den Kandidaten der Demokraten bestimmen. Dieser Kandidat wird am 3. November gegen den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump in die Wahl ziehen. Trump selber hat keine ernstzunehmende parteiinterne Konkurrenz. Die Republikaner haben daher ihre Vorwahlen in South Carolina und in mehreren anderen Bundesstaaten, darunter Iowa, gestrichen. 

Warum Biden auf South Carolina hoffen muss

In South Carolina können deutlich mehr Schwarze abstimmen als bei den bisherigen Vorwahlen in den Bundesstaaten Iowa, New Hampshire und Nevada. Biden - der dem moderaten Flügen der Demokraten angehört - hofft, bei dieser Wählergruppe punkten zu können. "Ich habe wie der Teufel dafür gearbeitet, die Stimmen der schwarzen Amerikaner zu gewinnen, nicht nur hier, sondern überall im Land", sagte Biden bei einer TV-Debatte der demokratischen Kandidaten in Charleston in South Carolina am Dienstag. Auf die Frage, ob er seine Kandidatur auch im Fall einer Niederlage in South Carolina fortführen wolle, antwortete er: "Ich werde South Carolina gewinnen." 

Biden ist auf einen Erfolg dringend angewiesen: Bei den ersten drei Vorwahlen hatte der einstige Umfragefavorit schlecht abgeschnitten. Im Bundesstaat Iowa landete der 77-Jährige nur auf dem vierten Platz, in New Hampshire dann sogar nur auf Platz fünf, bevor er in Nevada immerhin den zweiten Platz errang. Ein Erfolg in South Carolina könnte ihm Aufschwung vor dem Superwahltag "Super Tuesday" am kommenden Dienstag geben, bei dem in 14 Bundesstaaten gewählt wird.

Wieso die Wahl in South Carolina so besonders ist

Die Vorwahl in South Carolina ist für die Bewerber der erste Test, wie sie bei Afroamerikanern abschneiden. In den drei Bundesstaaten, in denen zuvor gewählt wurde, leben vergleichsweise wenig Schwarze.

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Auch symbolisch ist ein Erfolg in South Carolina wichtig: In den vergangenen Jahrzehnten wurde bei den Demokraten meist jener Bewerber Präsidentschaftskandidat, der zuvor in dem Südstaat gewonnen hatte.

Wer noch im Rennen ist – und wer auf dem Wahlzettel steht

Neben Biden und Sanders sind noch sechs weitere Bewerber im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten: Der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, 78, der Ex-Bürgermeister von South Bend (Indiana), Pete Buttigieg, 38, die Senatorin Amy Klobuchar, 59, der frühere Hedgefonds-Manager Tom Steyer, 62, die Senatorin Elizabeth Warren, 70 und die Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard, 38. Bloomberg tritt in South Carolina – wie bei den bisherigen Vorwahlen – nicht an. Der Multimilliardär ist erst spät ins Rennen eingestiegen und steht erstmals am "Super Tuesday" auf den Wahlzetteln.

Sanders, der inzwischen die landesweiten Umfragen klar anführt, dürfte in South Carolina auf dem zweiten Platz landen. Meinungsforscher sehen den Milliardär Tom Steyer auf dem dritten Platz. Der 62-Jährige ist bei den Vorwahlen bislang kaum aufgefallen, hat aber massiv Wahlwerbung in South Carolina geschaltet. Außerdem konnte er mit der Forderung nach Reparationszahlungen für Schwarze wegen der Zeit der Sklaverei punkten.

Wer bislang punkten konnte

Buttigieg hatte sich bei der ersten Vorwahl in Iowa Anfang Februar ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Sanders geliefert, war am Ende aber auf etwas mehr Delegierte gekommen. Bei der Vorwahl in New Hampshire konnte sich Sanders knapp gegen Buttigieg durchsetzen, Nevada gewann Sanders dagegen mit deutlichem Vorsprung vor Biden und Buttigieg.

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Vorwahlen laufen noch bis Juni

Die Wahllokale in South Carolina am Samstag öffnen um 7 Uhr (Ortszeit/13 Uhr MEZ). Sie schließen um 19 Uhr (Sonntag, 1 Uhr MEZ). Im Anschluss wird mit ersten Ergebnissen gerechnet.

Die Vorwahlen ziehen sich noch bis Juni hin. Auf Nominierungsparteitagen küren Demokraten und Republikaner danach endgültig ihre Präsidentschaftskandidaten - die Demokraten im Juli in Milwaukee (Wisconsin), die Republikaner im August in Charlotte (North Carolina).

mik / DPA / AFP