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US-Demokraten vor dem "Super Tuesday": Alle gegen Bernie - das Establishment versammelt sich hinter Joe Biden

Kurz vorm "Super Tuesday" dünnt sich das Feld der oppositionellen Demokraten aus. Der linksgerichtete Senator Bernie Sanders gilt als Favorit - doch sein bislang stärkster Rivale, Ex-Vizepräsident Joe Biden, erhält Rückenwind von seinen bisherigen Konkurrenten.

Der frühere Vizepräsident Joe Biden

Der frühere Vizepräsident Joe Biden galt lange Zeit als Favorit, schnitt bei den ersten Vorwahlen aber miserabel ab und fiel auf Platz zwei hinter Sanders zurück.

AFP

Da sind die Rivalen nun plötzlich alle vereint in Dallas: Joe Biden, Amy Klobuchar, Pete Buttigieg. Bis vor zwei Tagen kämpften sie noch gegeneinander um das Herz der Partei, das Zentrum, die Mitte. Biden nennt es: die Seele. Nun ist die Seelenfrage geklärt: Joe Biden ist der Gewinner und damit große Konkurrent von Bernie Sanders um die Nominierung bei den Demokraten. An diesem Super Tuesday und danach.

Amy Klobuchar sah keine Chance mehr und stieg am Montag aus. Sie schnitt nur im Bundesstaat New Hampshire als Dritte gut ab. Pete Buttigieg sah keine Chance und ist seit Sonntag raus. Er gewann immerhin in Iowa und wurde Zweiter in New Hampshire, brach danach aber ein. Für beide war klar, wen sie jetzt unterstützen: Sanders ist ihnen zu links. Michael Bloomberg ist ihnen mit all seinen Milliarden zu unsympathisch. Elizabeth Warren hat keine Chance. Biden ist okay. 

Mehr Establishment als Joe Biden geht nicht

Das denken fast alle: Biden, 77, ist anständig. Biden ist sein Leben lang Demokrat (anders als Sanders). Biden war Obamas Vize. Ein Brückenbauer. Ein Versöhner. Ein guter Kerl. Wenn auch alt. Merklich alt. Kein Visionär. Kein Obama. Aber eine bekannte Größe. Establishment.  Mehr Establishment als Joe Biden geht nicht.

Plötzlich musste alles sehr schnell gehen: Buttigieg und Klobuchar stiegen fast überhastet aus vor diesem Super Tuesday, an dem 14 Bundesstaaten wählen und 1357 Delegiertenstimmen vergeben werden. Auch andere Parteigrößen gaben Biden nach seinem fulminanten Sieg in South Carolina schnell ihre Unterstützung: Beto O‘Rourke aus Texas. Barbara Boxer aus Kalifornien. Harry Reid aus Nevada. Virginias Gouverneur Terry Mc Auliffe. Ein Großteil des Establishments. Wenn nun deren Anhänger für Biden stimmen, könne man Sanders vielleicht noch stoppen, lautet ihre Hoffnung. Es ist fast schon eine Verzweiflungstat. Eine letzte Chance.

Keiner wünscht Sanders den Sieg

Sie alle haben Angst vor einem deutlichen Sieg von Bernie Sanders heute am Super Tuesday. Er ist ihnen nicht nur zu links. Sie befürchten, dass er als selbsterklärter demokratischer Sozialist in Amerika keine Chance hat. Dass er an Trump scheitert. Dass die Demokraten den Senat nicht gewinnen. Womöglich sogar die Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren. Dann hätte Trump vier Jahre lang freie Fahrt.

Dennoch ist Bernie Sanders am Super Tuesday Favorit. Er liegt in den Umfragen in Kalifornien und Texas, den beiden größten Staaten, zum Teil deutlich vor Biden und Bloomberg. Er liegt in Warrens Heimatstaat Massachusetts gleichauf mit Warren. Er lag selbst in Klobuchars Heimatstaat Minnesota gleichauf mit Klobuchar. Er könnte jeden der 14 Staaten gewinnen. Wenn es richtig gut läuft, holt er sich fast die Hälfte der 1357 zu vergebenden Delegiertenstimmen. Dann wäre er nur noch schwer zu stoppen. 

Trump spricht von Komplott gegen Sanders

Angesprochen auf die plötzliche Vereinigung des moderaten Parteiflügels, sagte Sanders gestern in Utah: "Wir greifen das Establishment an. Und ich verstehe, dass Establishment-Kandidaten uns nicht unterstützen werden. Establishment-Kandidaten umgeben sich mit Establishment-Kandidaten." In der Tat läuft es jetzt darauf hinaus: Establishment gegen Anti-Establishment. Links gegen Mitte. Biden gegen Sanders. Auf republikanischer Seite gewann Trump vor vier Jahren den Kampf gegen das Establishment für sich. 

Trump wäre nicht Trump, wenn er sich selbst während einer akuten Gesundheitskrise nicht auch noch zu den letzten Entwicklungen bei den Demokraten äußern muss. Er spricht von einem "Coup", von einem Komplott gegen Bernie Sanders. "Das System wurde manipuliert gegen Bernie." Bernie Sanders ist der Gegner, den sich Trump wünscht für den November.  Vor Joe Biden hat er eher Angst. Trump ließ seine Anhänger sogar abstimmen, wen sie lieber als Gegner hätten. Bei seinem Auftritt in Charleston bat er sie um eine Abstimmung per Applaus: "Sleepy Joe" gegen "Crazy Bernie", wie er sie despektierlich nennt. Es gewann: Bernie Sanders.