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TV-Debatte: Alle gegen Bernie: Demokraten attackieren Sanders vor dem "Super Tuesday" scharf

Die TV-Debatte der demokratischen Bewerber um die Nachfolge von US-Präsident Trump geriet zu einem ungleichen Kampf. Nach dem Motto "Alle gegen einen" teilten Bloomberg, Buttigieg und Biden gegen Bernie Sanders aus.


Die US-Demokraten Michael Bloomberg, Pete Buttigieg, Elizabeth Warren und Joe Biden diskutieren mit Bernie Sanders (2.v.r.)

Wenige Tage vor dem sogenannten "Super Tuesday" diskutierten sich die US-Demokraten in einer TV-Debatte die Köpfe heiß. Zielscheibe: Bernie Sanders (2.v.r.)

AFP

Der Moderator auf der Wahlparty von Bernie Sanders in Charleston kündigte die TV-Debatte der Demokraten als Boxkampf an – und das wurde sie auch. Aber es ging nicht eins gegen eins, sondern: alle gegen Bernie. Pete Buttigieg sagte über den bisher führenden Bernie Sanders, dass Russland ihm im Wahlkampf helfe, weil er Russland nütze. "Russland will Chaos und Chaos kommt auf uns zu. Stellt Euch vor, wir verbringen den Großteil des Jahres mit Bernie Sanders gegen Donald Trump", warnte Buttigieg die Wähler. Lautes Buhen im Saal.

Michael Bloomberg sagte über Sanders, dass er gegen Trump im November nicht gewinnen könne. Lautes Buhen im Saal.

Senatorin Amy Klobuchar sagte über Sanders, dass seine ganzen Sozialprogramme nicht bezahlbar seien. Joe Biden sagte über Sanders, dass seine Haltung gegen Waffengebrauch zu lasch sei und dass er Jahre lang autoritäre Regime verteidigt habe, in Nicaragua und Kuba. Lautes Buhen im Saal.

Selbst Elizabeth Warren sagte über ihren Freund Bernie Sanders, dass sie zwar einiges verbinde, dass er aber ineffizient sei und seine Anhänger sie online wahllos attackierten. Lautes Buhen im Saal.

Sanders wehrte sich gegen die Angriffe. Sanders ging auf einiges ein und wich anderen Konfrontationen aus. Er sagte: "Mein Name wird oft genannt. Ich frage mich warum." Er hatte die Angriffe erwartet. Nicht alle konnte er parieren. Aber wird es Folgen haben?

Joe Biden attackiert Pete Buttigieg in einem Wahlkampfvideo 

Wer kann Sanders vor dem "Super Tuesday" stoppen?

Drei Tage vor den Vorwahlen in South Carolina und sechs Tage vor dem großen Wahltag "Super Tuesday" geht Sanders als Favorit in die vorentscheidende Woche. Die anderen mussten ihn stoppen nach seinen Erfolgen in Iowa, New Hampshire und Nevada – und sie versuchten in der Tat viel. Es wurde deutlich, dass keiner ihn für den geeigneten Kandidaten der Demokraten gegen Donald Trump hält. Zu radikal. Zu unrealistisch. Zu verbohrt. "Ein Mann der sechziger Jahre", sagte der junge Buttigieg. Die Frage ist: Was machen sie, wenn Sanders es wirklich wird? Viel Enthusiasmus und große Unterstützung ist vom Partei-Establishment für den Altlinken dann nicht zu erwarten. Und sollten sie ihn verhindern, etwas indem sie – wie Bloomberg – hunderte Millionen Dollar gegen Sanders investieren – wie werden dann Bernies Anhänger reagieren?

Auf Sanders Wahlparty in einem Veranstaltungszentrum am Rande von Charleston deuteten sie es an: Sie buhten, wenn Biden und Buttigieg sprachen. Sie jubelten laut, wenn Sanders sprach. Oft verfolgten sie nicht das Geschehen auf der Bühne, sondern eher die Kämpfe auf Twitter.  Zwischendurch sagte ein Moderator: "Der Wahlkampf wird auf Twitter gewonnen. Geht auf Twitter. Das ist jetzt das Wichtigste."

Nicht Trump, sondern Sanders ist die Zielscheibe

Etwa 200 Anhänger waren im Saal, und zum ersten Mal in den letzten Monaten waren sie sich nach der Debatte nicht sicher, ob Sanders diesmal gut wegkam. Authentisch? Ja. Inhaltlich überzeugend? Auch das. "Aber alle prügelten auf ihn", sagte Ezra, eine 20-jährige Barista. "Da kommst du nie gut weg. Und beim Thema Waffen kam man ihm ankreiden, dass er nicht hart genug ist."

Der Name Trump fiel übrigens seltener als der Name Sanders. Der Präsident sollte die eigentliche Zielscheibe der Demokraten sein, aber für den Moment haben sie eine andere ausgewählt: Bernie Sanders, Senator von Vermont, 78 Jahre alt, kein Parteimitglied, sondern Unabhängiger, ein demokratischer Sozialist aus Brooklyn, der – sollte er in dieser Woche gut abschneiden – nur noch schwer zu stoppen sein wird.