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Nach homophoben Anfeindungen: Subtile Attacke auf Trump – Buttigieg: "Musste nie Schweigegeld an einen Pornostar zahlen"

Der Wahlkampf wird schmutziger: Nachdem der demokratische Präsidentschaftsbewerber Pete Buttigieg in den letzten Tagen öffentlich homophob angefeindet wurde, holt er nun zum Gegenangriff aus. Bei einem Auftritt attackierte er Trump – ohne dessen Namen zu erwähnen.

Wahlkämpfer Pete Buttigieg, hier bei einem Auftritt in Salt Lake City, Utah

Ist zur Zeit viel unterwegs: Wahlkämpfer Pete Buttigieg, hier bei einem Auftritt in Salt Lake City, Utah

Getty Images / AFP

Er ist jung, dynamisch und schwul: Vor allem für Letzteres wird der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Pete Buttigieg immer wieder angefeindet. Um ihn zu diskreditieren, teilten konservative Trump-Anhänger zuletzt in der Öffentlichkeit heftig gegen ihn aus – teilweise weit unter der Gürtellinie. Auch Donald Trump hielt sich nicht zurück.

Jetzt holt Buttigieg zum Gegenangriff aus: Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Las Vegas attackierte er Donald Trump, ohne dessen Namen explizit zu erwähnen.

Pete Buttigieg: "Musste nie einer Pornogröße Schweigegeld zahlen"

Hintergrund des Konflikts sind die Aussagen eines erzkonservativen Radiomoderators. Rush Limbaugh hatte kürzlich öffentlich über Buttigieg hergezogen und ihn als diesen "schwulen Kerl, der seinen Ehemann auf der Bühne küsst", bezeichnet. Am Dienstag brüstete er sich damit, mit Trump über seine homophoben Aussagen gesprochen zu haben. Demnach habe der US-Präsident ihn ermutigt, sich "niemals zu entschuldigen" für seine Kommentare über Buttigieg.

Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Las Vegas sprach eine CNN-Reporterin Buttigieg am Dienstagabend darauf an. Dieser konterte mit einer indirekten Attacke auf Trump: "Ein Bestandteil meiner Ehe ist, dass ich nie einer Pornogröße Schweigegeld zahlen musste, nachdem ich meinen Partner mit ihm oder ihr betrogen habe." Darüber hinaus sei er "stolz auf meine Ehe, und [...] stolz auf meinen Mann", so der 38-Jährige." Buttigieg teilte einen Videomitschnitt seines Auftritts auf seinem Twitter-Kanal mit dem Kommentar "Ich freue mich, mit Rush Limbaugh oder Donald Trump über Familienwerte zu diskutieren." 

Buttigieg spielt dabei auf einen Vorfall im Umfeld von Donald Trump an. Dessen früherer Anwalt Michael Cohen zahlte einer Pornodarstellerin namens Stormy Daniels kurz vor Amtsantritt des US-Präsidenten 130.000 Dollar – offenbar, um sie davon abzubringen, mit der Presse über die angebliche Affäre mit Trump zu sprechen. Daniels behauptet, sie und der Immobilienmogul hätten 2006 Sex gehabt. Trump war zu diesem Zeitpunkt bereits mit seiner Frau Melania verheiratet. Der US-Präsident stritt dies immer ab, gab 2018 jedoch zu, dass er von den Zahlungen an Daniels "später" erfahren habe.

Buttigieg wird immer wieder attackiert

Buttigieg wird seit seinem Einstieg ins Bewerber-Rennen der Demokraten immer wieder von Anhängern und Gegnern auf seine Homosexualität und mögliche Auswirkungen auf den Wahlkampf angesprochen.

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Auch US-Präsident Donald Trump äußerte sich bereits dazu – zuletzt erstaunlich friedfertig: Auf die Frage, ob er es für möglich halte, dass die US-Bürger einen schwulen Präsidenten wählen könnten, hatte Trump am Donnerstag in einer Radiosendung gesagt: "Ich glaube schon." Er denke, dass es einige Menschen gebe, die es nicht tun würden. "Aber ich wäre nicht einer von ihnen, um ehrlich zu sein", so der US-Präsident.

Am darauffolgenden Wochenende trat Buttigieg in Nevada auf. Um eine Stellungnahme auf Limbaughs homophobe Kommentare und Trumps angebliche Rückendeckung gebeten, antwortete er einem Reporter: "Lassen Sie mich Ihnen eins sagen: Der Präsident wird etwas finden, um Sie zu attackieren. Und wenn man nichts findet, dann erfindet er etwas", so der 38-Jährige. 

Der moderat-pragmatische Buttigieg war Bürgermeister der Stadt South Bend im Bundesstaat Indiana. Bei den Vorwahlen der Demokraten schnitten er und Sanders bislang am besten ab. 

Limbaugh hat eine große rechte Anhängerschaft

Radiomoderator Limbaugh ist indes auch kein Unbekannter in der amerikanischen Öffentlichkeit. Immer wieder äußert er sich zu aktuellen Themen – Falschinformationen, Rassismus sowie Verschwörungstheorien sind dabei ein oft genutztes Mittel. Unter anderem behauptete Limbaugh, der ehemalige US-Präsident Barack Obama sei nicht in den USA geboren, die "Black Lives Matter"-Bewegung gegen Rassismus entwickle sich zu einer "Terrorgruppe" und die Anschläge auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März 2019 seien eine heimliche Verschwörung linksgerichteter Politiker gegen Trump. 

Dennoch - oder vielleicht gerade deswegen - gilt er in den USA als der vielleicht einflussreichste Moderator unter konservativ bis rechts ausgerichteten Radiomachern und verfügt über eine große rechte Anhängerschaft. In den vergangenen Jahrzehnten war sein Einfluss so stark, dass Demokraten ihn sarkastisch den "Chef der Republikanischen Partei" nannten.

Limbaugh ist ein bekennender Trump-Unterstützer – und auch umgekehrt bestehen offenbar große Sympathien: Trump zeichnete den 69-Jährigen kürzlich während seiner Ansprache zur Lage der Nation mit der Freiheitsmedaille aus, dem höchsten zivilen Orden des Landes. Dabei dankte Trump dem Radiomoderator, den "Millionen von Amerikanern" liebten, für dessen "jahrzehntelanges Engagement für unser Land".

Quellen: "The Hill", CNN, Nachrichtenagentur AFP