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Präsidentschaftsbewerber der Demokraten: Joe Biden und Mike Bloomberg: die vielen Entgleisungen der alten Männer

An die rassistischen und sexistischen Ausfälle eines Donald Trump kommen sie nicht heran, aber fremd sind sie auch den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden und Michael Bloomberg nicht. Über zwei Männer aus einer anderen Zeit.

Joe Biden und Michael Bloomberg

Michael Bloomberg (l.) und Joe Biden: Zwei Männer die meist bekommen haben, was sie wollten

Getty Images

In seinen acht Jahren als US-Vizepräsident unter Barack Obama hat sich Joe Biden den Ruf erarbeitet, der nette Onkel mit Hang zum Fettnäpfchen zu sein. Zahllose Fehltritte und Aussetzer sind überliefert und die Liste wird beständig länger: "Mein Name ist Joe Biden, ich bin ein Kandidat für den Senat der Vereinigten Staaten", sagte er erst kürzlich – obwohl er schon seit elf Jahren kein Senator mehr ist. Vor einigen Tagen in Las Vegas, wiederholte er die (längst widerlegte) Geschichte, nach der er mal in Südafrika verhaftet wurde, als er auf dem Weg zu einer Nelson-Mandela-Rede war. Biden, 77 Jahre alt, könnte der nächste US-Präsident werden.

Welten zwischen Biden und Trump, aber...

Seitdem Donald Trump im Weißen Haus sitzt, sind die Amerikaner einiges an präsidialen Ausfällen, Übertreibungen und Lügen eines alten, weißen Mannes gewohnt – und das könnte ähnlich weitergehen, selbst wenn Endes des Jahres ein Demokrat US-Präsident werden sollte. Denn auch wenn zwischen Biden und Trump nicht nur politisch Welten liegen, eines verbindet sie: Sie entstammen beide einer Generation, in der Schwarze und Latinos als vernachlässigbare Minderheiten wahrgenommen wurden und Frauen dekorative Haushaltshilfen waren. Trumps Rassismus gegenüber Schwarzen ist aktenkundig, seine Beleidigungen von Frauen und Mexikanern ebenfalls. Aber auch Biden hat diesbezüglich eine reiche Vergangenheit.

Joe Biden attackiert Pete Buttigieg in einem Wahlkampfvideo 

In den 70er-Jahren sagte Biden, schon damals auch kein ganz junger Mann mehr: "Ich fühle mich nicht verantwortlich für die Sünden meines Vaters und meines Großvaters. Ich wäre verdammt, wenn ich mich für etwas verantwortlich fühlen würde, was vor 300 Jahren passiert ist." Im vergangenen Herbst auf einer Veranstaltung über Sklaverei auf seine Äußerung von vor 40 Jahren angesprochen, antwortete er ungelenk und sprach über Bildungsdefizite, Armut und psychologische Betreuung, als wären die Nachfahren der Sklaven von einst heute eine Art Problembevölkerung.

Amerikanische Indianer aus Indien

Solche zwar nicht böswillig gemeinten, aber unbedachten Äußerungen entfleuchen dem Ex-Vizepräsidenten immer wieder: "In Delaware sind amerikanische Indianer, die aus Indien herziehen, die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe. Man kann nicht in einen Dunkin' Donuts gehen, außer, man hat einen leichten indischen Akzent. Kein Witz", sagte er etwa 2006. Es war der eher klägliche Versuch, auf die Äußerungen eines Angehörigen der US-Ureinwohner einzugehen.

Auch Frauen gegenüber ist Biden eher der Mann sehr alter Schule. In einer TV-Debatte der Demokraten im Sommer vergangenen Jahren sagte er an die zu dem Zeitpunkt 54-jährige Mitbewerberin Kamala Harris, "go easy on me, kid", was sich auch mit "mach mal Halblang, Kleines" übersetzt werden könnte. Es gibt auch andere Geschichten darüber, dass Joe Biden dazu neigt, zu oft zu sehr auf Tuchfühlung mit Frauen zu gehen. So soll er 2014 der Abgeordneten Lucy Flores an die Schulter gefasst, an ihrem Haar gerochen und sie in dem Nacken geküsst haben, weitere Frauen berichten von ähnlichen Vorfällen.

Wirre Aussetzer kosten Biden Führung

"Wenn man 'creepy Biden' (etwa der unheimliche Biden) googelt, bekommt man all diese Bilder und Videos von ihm zu sehen, und die Frauen wirken alle sehr, sehr unangenehm berührt", sagte Lucy Flores später über ihre Begegnung mit dem damaligen Vizepräsidenten. Trotz dieser Eskapaden galt der 77-Jährige bis vor Kurzem noch als Favorit für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Erst seitdem er sich in den TV-Debatten weitere peinliche Fehler und wirre Aussetzer leistet, sinken seine Umfragewerte drastisch. Allerdings liegt er weiterhin auf Platz zwei hinter dem selbsterklärten demokratischen Sozialisten Sanders und vor dem Multimilliardär Michael Bloomberg.

Letzterer ist auch schon 78 Jahre alt und damit in der gleichen Altersklasse wie Biden und Donald Trump und kämpft ebenfalls mit den Fehltritten seines Lebens. Bloomberg, früherer Bürgermeister von New York City, ist erst spät ins Nominierungsrennen eingestiegen, hat es aber mit einem teuren Feuerwerk von Anzeigen und Werbeclips auf den dritten Platz der Umfragen geschafft. Und gleich bei seinem ersten TV-Debatten-Auftritt musste er sich harsche Kritik gefallen lassen.

"Ich möchte darüber sprechen, gegen wen wir antreten“, sagte Kontrahentin Elisabeth Warren in Las Vegas: "Einen Milliardär, der Frauen als fette Tussis und pferdegesichtige Lesben bezeichnet. Und nein, ich spreche nicht über Donald Trump, ich spreche über Bürgermeister Bloomberg." Bis heute wird ihm seine Polizeistrategie "Stop and Frisk" (Stoppen und durchsuchen) übel genommen, bei der in New York vor allem Afroamerikaner und Hispanos ohne konkreten Anlass auf offener Straße kontrolliert worden war. Bloomberg hat sich inzwischen für das als diskriminierend kritisierte Vorgehen entschuldigt.

Beschwerden über sexistisches Klima

In Bloombergs Unternehmen, der gleichnamigen Finanznachrichtenagentur, gab es in der Vergangenheit zahllose Beschwerden über ein sexistisches Arbeitsklima. Teilweise wurden Frauen mit Geheimhaltungsverträgen ruhig gestellt. Er sei nur "nett" zu einigen Frauen gewesen, lautete seine Entschuldigung dafür. Es sei um "Scherze" gegangen. Unter Druck kündigte er vor wenigen Tagen dann an, dass seine Firma die Vertraulichkeitsvereinbarungen mit drei Betroffenen aufheben würde, damit sie sich über die "Scherzen" äußern können.

Natürlich reiten die Präsidentschaftskandidatenbewerber in der aktuellen Phase des Wahlkampfs besonders ausgiebig auf solche Verfehlungen herum. Wohl nicht zufällig trifft es von der Riege der ohnehin alten, weißen Bewerber (Bernie Sanders ist 78 Jahre alt, Elizabeth Warren 70) vor allem diejenigen Männer, die es Zeit ihres Lebens zu sehr gewohnt waren, zu bekommen, was sie wollten. Obwohl sie mit ihrer Attitüde im Jahr 2019 ziemlich aus der Zeit gefallen sind, wären sie ironischerweise wie gemacht für das eigentliche Duell gegen Amtsinhaber Donald Trump. Der ist 73 Jahre alt und wurde trotz übelster rassistischer und sexistischer Ausfälle zum Präsidenten der USA gewählt.