HOME

US-Wahl 2020: Aufholjagd gestoppt: Michael Bloomberg zeigt sich in TV-Debatte als "Mini Mike"

Eigentlich sollte der Siegeszug einfach weitergehen. Doch die erste Teilnahme von Michael Bloomberg erwies sich als Prellbock. Im Gegenwind von Bernie Sanders und Co. erlitt der Milliardär Schiffbruch.

US-Wahl 2020: Bloomberg bei seiner ersten TV-Debatte der US-Vorwahlen unter Druck

Es schien, als sei er nicht zu stoppen. Als Späteinsteiger rollte Michael Bloomberg das Feld der demokratischen Präsidentschaftsbewerber in den vergangenen Wochen unaufhaltsam von hinten auf - dank riesiger TV- und Interkampagnen, mühelos finanziert durch seine schier unerschöpflichen Geldreserven. Mit Spannung war daher der erste leibhaftige Auftritt des Multimilliardärs im Wahlkampf erwartet worden. Doch der direkte Kontakt mit den Mitbewerbern bekam dem 77-Jährigen alles andere als gut.

Die erste Stunde der TV-Debatte sei für den früheren New Yorker Bügermeister ein "absolutes und totales Desaster" gewesen, urteilte beispielsweise Chris Cillizza von CNN ungeschminkt. Manchmal habe Bloomberg etwas verloren gewirkt, so der Kolumnist weiter, "und das waren noch seine besten Momente".

Michael Bloomberg hat nichts entgegenzusetzen

Tatsächlich wirkte Bloomberg, der vielen schon als eine Art Anti-Trump mit Waffengleichheit zum amtierenden Präsidenten erschien, in jeder Hinsicht unvorbereitet auf den mächtigen Gegenwind, der ihm von allen Kontrahenten entgegen blies. Sie alle prangerten bissig und scharf an, dass sich das Programm des Multimilliardärs auf seinen enormen Reichtum beschränke. Tenor: Bloomberg wolle sich die Kandidatur fürs Weiße Haus quasi erkaufen. Ironischerweise lagen sie mit diesem Vorwurf ganz auf der Linie ihres großen Gegners. Donald Trump hatte über Twitter Bloomberg unlängst genau das vorgeworfen und seine Kampagne als "illegal" bezeichnet.

"Ein Milliardär, der Frauen als fette Tussis und Lesben mit Pferdegesicht bezeichnet, und nein, ich spreche nicht über Donald Trump, ich spreche über Bürgermeister Bloomberg", setzte Elizabeth Warren einen Treffer während der Debatte. Vor allem aber war es Bernie Sanders, der allgemein als Sieger des Abends gesehen wurde, der Michael Bloomberg enorm in die Parade fuhr. "Glaubt jemand wirklich, dass ein republikanischer Milliardär, der George W. Bush unterstützte, die Sozialversicherung und Krankenversorgung kürzen wollte und sich gegen die Anhebung des Mindestlohns aussprach, Donald Trump besiegen wird?"

Spott vom Donald Trump war ihm sicher

Bloomberg blieb an diesem Abend den Eindruck schuldig, er könne es mit Trump aufnehmen. Er wirkte teils fahrig, teils arrogant, hatte den vehementen Vorwürfen kaum Argumente entgegenzusetzen und erntete mehrmals gar Buh-Rufe aus dem Publikum. Der Nimbus des großen Aufholers dürfte erst einmal dahin sein, Sanders - bisher schon in der Poll Position - dürfte seine Führungsposition gestärkt haben. Statt der große Sieger war Bloomberg eher jener "Mini Mike", als den ihn Trump wegen seiner Köpergröße gerne verspottet.

er US-Präsident ließ es sich nicht nehmen, am Tag danach nachzulegen - natürlich via Twitter. "Hier sieht Mini Mike noch gut aus im Vergleich zu seinem Auftritt vergangene Nacht", texte Trump mit Blick auf das vorangegangene Video. "Der schlimmste Debatten-Auftritt der Geschichte", demontierte der Präsident seinen immer noch denkbaren Herausforderer. Ein Urteil, dem nicht nur Trump-Anhänger zustimmen würden.

Quellen: CNN / NBC / "The Guardian" / Twitter