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US-Wahl 2020: In Umfragen schon auf dem zweiten Platz: Michael Bloomberg rollt das Feld der Demokraten auf

Erst jetzt steigt Michael Bloomberg in den Vorwahlkampf der Demokraten ein. Bisher vertraute er auf seinen Reichtum, um per TV- und Internet-Kampagnen bekannt zu werden - mit Erfolg. Donald Trump wirft ihm vor, sich die Kandidatur zu erkaufen.

Michael Bloomberg vor seinem Wahlkamoflogo Mike 2020

Mike 2020 zieht: In Umfragen liegt Michael Bloomberg schon auf Platz 2 der demokratischen Präsidentschaftsbewerber.

AFP

Die Sprache des Geldes ist die Sprache, die US-Präsident Donald Trump am besten versteht - daran lässt er kaum einen Zweifel. Man darf es daher durchaus als Zeichen sehen, dass Trump Michael Bloomberg als möglichen Gegner bei der Präsidentschaftswahl im November ernst nimmt, wenn er den milliardenschweren Nachzügler unter den demokratischen Bewerbern just auf diesem Feld attackiert.

Bloomberg erkaufe sich die Nominierung und das sei "illegal", bemühte sich Trump bereits, den Multi-Milliardär via Twitter zu diskreditieren. Doch es sind nicht nur die finanziellen Mittel Bloombergs, die Trumps Aufmerksamkeit erregen müssen, sondern auch die Tatsache, dass sich der frühere Bürgermeister von New York dank seines Vermögens schon auf den zweiten Platz der demokratischen Rangfolge gehievt hat, noch bevor er am kommenden Samstag in Nevada überhaupt in den Vorwahlkampf einsteigt.

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Michael Bloomberg: Unaufhaltsam in Umfragen

Mit diesem guten Abschnieden qualifizierte sich der 77-Jährige auch gleich für die nächste TV-Debatte der Demokraten in der Nacht zum Donnerstag in Las Vegas. Erstmals wird er sich dabei direkt mit seinen fünf Mitbewerbern messen - und auch die werden ihm seine schier unerschöpflichen Mittel vorhalten. 

Dem Zulauf Bloombergs tut das aber bisher keinen Abbruch: In einer nationalen Umfrage von NPR, PBS NewsHour und Marist kommt Bloomberg auf 19 Prozent Unterstützung von Demokraten und deren Sympathisanten - und ist damit schon klarer Zweiter hinter dem allerdings ebenfalls stark zulegenden Bernie Sanders (31 Prozent). Auch in einer weiteren, von NBC News und dem "Wall Street Journal" gemeinsam veranlassten Umfrage rangiert Bloomberg mit 14 Prozent schon (fast) gleichauf mit den Mitbewerbern Joe Biden (15) und Elizabeth Warren (14) - ebenfalls hinter dem führenden Sanders (22).

Donald Trump: Bloomberg zum "Mini Mike" machen

Donald Trump hat längst damit begonnen, das zu tun, was er in den vergangenen Jahren erfolgreich mit politischen Widersachern getan hat, die ihm in die Quere kamen: Er versucht, Bloomberg verächtlich zu machen, nennt ihn in Tweets und Statements häufig "Mini Mike" und bezeichnet dessen Kampagne bereits als Ausverkauf. Überall werfe Bloomberg mit seinem Geld um sich, um frühere Gegner dazu zu bringen, ihn freudig zu unterstützen oder seiner Kampagne sogar beizutreten.

Einschüchtern lässt sich Bloomberg dadurch allerdings nicht. Erst kürzlich lieferte er sich mit dem Präsidenten bereits eine Auseinandersetzung auf dessen Lieblingsterrain Twitter. Und auch jetzt stichelte Bloomberg rasch zurück: "Warum wollen Sie denn so unbedingt gegen Sanders antreten?" Trumps Antwort: "Mini Mike. Nein, ich würde lieber gegen Sie antreten!"

Wo Bloomberg am meisten punktet

Dass es zum Zweikampf zweier schwer reicher weißer alter Männer aus New York um das Weiße Haus kommen könnte, scheint immer wahrscheinlicher. In den NPR/PBS/Marist-Umfragen legte Bloomberg in der kurzen Zeit seit Dezember landesweit um satte 15 Prozentpunkte zu. Ein Erfolg, der laut ersten Analysen vor allem auf Kosten von Joe Biden geht. Der verlor im gleich Zeitraum neun Prozentpunkte.

Bloomberg ist laut einer CNN-Analyse in vier Wählergruppen derzeit besonders erfolgreich. Bei den Moderaten - also den demokratischen Wählern, die sich in der ideologischen Mitte der Partei einordnen - ist er mit 29 Prozent Zustimmung bereits erste Wahl (vor Sanders mit 23 Prozent). Die weniger gebildeten Weißen galten bisher als Domäne Bidens, doch auch das ist vorbei: Bloomberg liegt hier inzwischen mit 24 Prozent (hinter Sanders mit 34 Prozent) deutlich vor dem früheren Vize-Präsidenten. Bloomberg liegt zudem bei den älteren Wählern ab 45 Jahren ganz vorne (27 Prozent) und auch bei den Wählern in Kleinstädten und auf dem Land kommt der Großstadt-Milliardär immer besser an und ist mit 24 Prozent Bernie Sanders (28 Prozent) bereits auf den Fersen.

Erst Biden, dann Sanders

Bei den Afro-Amerikanern und Latinos allerdings - zwei große, unter Umständen wahlentscheidende Gruppen - liegt Bloomberg jeweils auf dem dritten Platz - hinter Sanders und Biden. Hier hat er auch gegenüber Biden noch deutlichen Aufholbedarf. Eine Hypothek ist dabei Bloombergs Zeit als New Yorker Bürgermeister. Seine Stop-and-Frisk-Methode zur Bekämpfung der Kriminalität, bei der Bürger von der Polizei routinemäßig angehalten und durchsucht werden konnten, traf vor allem Menschen aus diesen Wählerschichten.

Politische Beobachter in Washington glauben nicht zuletzt wegen dieser vergleichsweise eher schwachen Zustimmung Bloombergs unter den Nicht-weißen-Wählern, dass er in den kommenden Vorwahlen in Nevada, South Carolina und vor allem am Super Tuesday am 3. März den Kampf gegen Biden aufnehmen und gewinnen muss. Danach könne er es mit Sanders aufnehmen. Seine enormen Geldmittel werden Bloomberg im ohnehin von Geld bestimmten US-Wahlkampf auch weiter in die Karten spielen. Ob ihn das auch ins direkte Duell mit Donald Trump ums Weiße Haus bringen wird, werden die kommenden Wochen zeigen.

Quellen: The Hill, Axios, CNN, NPR