Gefälschte Medikamente:
Wie Patienten geschützt werden sollen
Arzneien in der EU werden fälschungssicherer. Erstmals schreibt die EU einen Sicherheitscode für Pillenschachteln vor. Zertifizierte Online-Apotheken sollen ein Logo bekommen. Was Patienten künftig wissen müssen.
Die Zahl der gefälschten Medikamente ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Um dem entgegenzuwirken, hat das Europaparlament jetzt eine Richtlinie verabschiedet, die Verbraucher vor unwirksamen und gefährlichen Arzneimitteln schützen soll. Die wichtigsten Fakten dazu auf einen Blick.
Seit Jahren tauchen immer mehr "unechte" Arzneien in der EU auf. Laut
EU-Kommission entdeckt der Zoll an den EU-Grenzen jedes Jahr 2,5
Millionen Packungen falscher Medikamente - diese Zahl hat sich
verdreifacht. Früher waren es vor allem "Lifestyle"-Medikamente wie
die Potenzpille Viagra oder Appetitzügler. Inzwischen sind aber auch
falsche Krebsmittel, Cholesterinsenker oder Grippemittel darunter.
Man nennt sie "stille Killer", weil sie entweder wirkungslos sind
oder wegen giftiger Substanzen sogar lebensgefährlich sein können.
Von Dimensionen "wie beim Drogenhandel" spricht der EU-Abgeordnete
Peter Liese (CDU).
Wichtigster Vertriebsweg auf dem europäischen Markt ist das Internet
- dort sollten Verbraucher nur bei zertifizierten Online-Apotheken
kaufen. Nur in ganz wenigen Fällen landen die Fälschungen auch in
Apotheken. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation ist nur
ein Prozent der Arzneimittel, die weltweit über die legale
Lieferkette verkauft werden, gefälscht.
Jede Pillenschachtel bekommt einen Strichcode. Beim Verkauf in der
Apotheke wird der Barcode gescannt und geprüft, wo das Medikament
herkommt und ob es sich um ein Originalpräparat handelt. Betrüger
können die Verpackung somit nicht mehr unbemerkt öffnen. Auch ein
Hologramm könnte die Packung fälschungssicher machen. Falls ein
Patient ein Arzneimittel schon erhalten hat, soll es auch ein
Frühwarnsystem geben, um Medikamente zurückrufen zu können.
Nein, nur für verschreibungspflichtige Medikamente. Gängige Tabletten wie Aspirin oder Paracetamol sind billig, weshalb sich für Fälscher der Aufwand in der Regel nicht lohnt.
Besonders im Internet häufen sich unseriöse Angebote wie die schnelle
Diätpille oder der Muskelaufbau-Drink. Verbraucher können zugelassene
Online-Apotheken künftig an einem EU-Logo erkennen, eine Art
Qualitätssiegel. Experten raten, niemals verschreibungspflichtige
Medikamente zu kaufen, die im Internet ohne Rezept oder aus dubioser
Quelle angeboten werden.
Voraussichtlich 2013, allerdings gelten Übergangsfristen von fünf bis
sechs Jahren. Nach dem Beschluss des Europaparlaments muss der
Ministerrat, der die Regierungen der 27 Länder vertritt, formal
zustimmen. Dann haben die Länder zwei Jahre Zeit, die Vorgaben
umzusetzen.
Beipackzettel von verschreibungspflichtigen Medikamenten sollen
künftig auch im Internet stehen. Die EU plant ein unabhängiges
Internetportal, das nicht nur Nebenwirkungen auflistet, sondern auch
Fakten über Krankheiten und Therapiemöglichkeiten liefert. Der
Ministerrat verhandelt derzeit noch darüber. Die Werbung für solche
Medikamente bleibt aber entgegen erster Pläne verboten.
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