Neue Akten aus Liechtenstein zeigen: Auch Schmiergelder von Konzernen flossen über die Steueroase. Von J. Gunst, N. Plonka, O. Schröm und D. Liedtke

Ehemaliges Steuersünderparadies Liechtenstein© Stefan Puchner/DPA
An diesen Tag erinnert sich Datendieb Heinrich Kieber besonders gern: Bei einem langen Spaziergang am Ufer eines Berliner Sees doziert er über das kriminelle System der fürstlichen LGT Treuhand.
Seine Stimme überschlägt sich, endlich kann er mit seinem Wissen auftrumpfen. Kieber hat einen aufmerksamen Zuhörer:
Peter B., Vorsteher der Wuppertaler Steuerfahndung. Der knorrige Westfale ist ein erfahrener Jäger der Millionäre, die ihr Geld vor dem Fiskus verstecken.
Was Kieber ihm 2006 in Aussicht stellt, sind Daten von 2800 Deutschen, die mithilfe der LGT in Liechtenstein rund drei Milliarden Schweizer Franken bunkern.
Versteckt in 1400 Anstalten, Stiftungen und Briefkastenfirmen (stern Nr. 32/2010). Und Kieber liefert nicht nur die Daten, sondern gewährt Peter B. auch Einblicke ins Innerste der Liechtensteiner Treuhand. Er hat sein Insiderwissen über Regelverstöße, Verschleierungstaktiken und perfide Tricks in einem Handbuch zusammengefasst.
Es soll den Steuerfahndern helfen, sich durch Hunderttausende Dokumente zu kämpfen. Die Daten hatte Kieber geklaut, während er das Kundenarchiv der LGT digitalisierte, und später dem Bundesnachrichtendienst angeboten. Der BND vermittelte ihn an Peter B. und sein Expertenteam. Begeistert stimmt Peter B. dem Deal zu. Kieber erhält fünf Millionen Euro.
An insgesamt 13 Staaten liefert er sein explosives Paket aus Daten und Handbuch. Seine Informationen dokumentieren nicht nur Steuerbetrug, sondern geben auch Hinweise auf Schmiergeldzahlungen multinationaler Konzerne bei Firmenübernahmen und Auftragsvergaben.
Unterlagen, die dem stern vorliegen, gewähren Einblick in die zwielichtigen Methoden des Schweizer Elektroriesen Asea Brown Boveri (ABB) und seiner Geschäftspartner.