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"Monogamie ist ein Desaster" - Drei Gründe gegen die Treue

Wie lebt es sich, wenn man das romantische Ideal der ewigen Treue weglässt? Autor Friedemann Karig sucht in seinem Buch nach Antworten und erzählt Geschichten von Paaren, die anders leben als die meisten.

Friedemann Karig

Der Autor Friedemann Karig erzählt in "Wie wir lieben" Geschichten vom Ende der Monogamie

Und wenn sie nicht gestorben sind - dann leben sie noch heute unglücklich monogam vor sich hin oder betrügen sich. So endet keine Erzählung und kein Film über die Liebe. Dass diese Variante für viele traditionelle Paarbeziehungen aber Realität ist, hat den Autor Friedemann Karig dazu bewogen, nach Geschichten über alternative Liebesmodelle zu suchen.

Für sein Buch mit dem Titel "Wie wir lieben. Vom Ende der " sprach er mit Paaren, die ihre Beziehung für andere geöffnet haben. Er beschreibt ihre Liebe und ihre Probleme, sucht parallel dazu in der Wissenschaft nach Antworten auf Fragen über Treue, Eifersucht und Freiheit. Karig kommt zu dem Schluss: "Die Monogamie ist ein Desaster". Im Gespräch mit dem stern führt er aus, warum das so ist. Drei Gründe gegen die ewige sexuelle Treue:

1. Der menschliche Sexualtrieb

"Rein biologisch sind wir nicht für die Monogamie geschaffen", sagt Karig. "Am Anfang hat Hollywood Recht und das Ideal der romantischen Liebe passt zu unseren Trieben: Wir haben Sex, lieben wie im Rausch. Im Schnitt geht das zwei bis vier Jahre gut, dann verändert sich das. Wir erwarten aber, dass es so bleibt - oder nehmen es hin, wenn Routine aufkommt, Flaute im Bett herrscht. Und anstatt sich zu fragen, ob man überhaupt das richtige Modell lebt, trennt man sich oder versucht krampfhaft, sein Sexleben aufzupeppen. In offenen Beziehungen bekommt der biologische Drang nach Abwechslung seinen Raum und man bleibt trotzdem zusammen. Denn die meisten Menschen sehnen sich danach, mit einem Partner alt zu werden. Das scheitert aber oft an den Anforderungen der Monogamie."

2. Monogame Beziehungen stehen unter großem Druck

"Auf emotionaler und psychologischer Ebene wird der Partner stark mit Erwartungen überfrachtet. Wir sind oft wie narzisstische Kleinkinder, die erwarten, dass der Partner immer pariert und auf uns eingeht. Wir suchen Halt in der Beziehung, Bestätigung und Sicherheit in einer komplexer werdenden Welt. Der Partner soll mit uns ein Haus bauen, den Alltag organisieren, die Eltern zu Grabe tragen, Kinder kriegen - es sind viel zu krasse Aufgaben, die der andere mit uns meistern soll. Der Druck wird so zu groß. Dabei könnte man sich entspannen, anerkennen, dass man nicht alles erfüllen kann und den anderen teilen."

3. Polyamorie ist die härtere, aber ehrlichere Variante 

"Es stimmt nicht, dass polygame Menschen beziehungsunfähig sind, im Gegenteil. Die meisten von ihnen sind sehr reflektiert und kommunikativ, wollen ihre Beziehung stärken. Einfach stur monogam zu leben und alles unter den Teppich zu kehren, ist der Weg des geringsten Widerstands. Eigene Regeln zu verhandeln und offen über Wünsche zu sprechen führt zu einer viel tieferen Beziehung, aber macht sie auch anstrengender."

Karig glaubt übrigens trotzdem nicht, dass das Ende der Monogamie kurz bevorsteht: "Das eine Modell schafft das andere nicht ab. Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen ihre Beziehung flexibel so gestalten, wie sie möchten - anstatt blind ein Ideal zu erfüllen."

Friedemann Karig: "Wie wir lieben. Vom Ende der Monogamie" ist im Aufbau Verlag erschienen


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